Migration von Großrechner-Anwendungen verhilft zu mehr Bürgernähe

eGovernment-Projekte: Offene Ämter durch Open Systems

30.03.2010 | Autor / Redakteur: Johann Baumeister / Gerald Viola

Mainframes und ihre Anwendungen gehören zum Alltag vieler öffentlicher Stellen. Diese Systeme sind ausgereift und seit Jahrzenten im Einsatz – oftmals aber auch nur schwer an die laufenden Änderungen anzupassen. Durch Migrationshilfen lassen sich die in den Programmen konservierten Erfahrungen weiter nutzen und mit der Fortentwicklung der IT-Techniken verknüpfen.

Deutsche Finanzämter gelähmt“ war am 27. Februar in vielen Nachrichtenportalen zu lesen. Die Meldung bezog sich auf einen Computerfehler, der dazu führte, dass Tausende Bundesbürger in NRW länger als sonst üblich auf die Bearbeitung ihrer Einkommensteuererklärung warten müssen.

Schuld sei eine fehlerhafte Berechnung der „Einkünfte aus Kapitalvermögen“. Die bis zum Jahresende vorgenommen Änderungen am Steuerrecht seien noch nicht vollständig in das Programm eingearbeitet. Laut dem Bund der Steuerzahler hatten die Finanzbehörden mehr als ein Jahr Zeit, sich auf die Änderungen einzustellen. Die Ursache für die Verzögerung liege zum einen in dem umfassenden Steuerrecht, seinen laufenden Änderungen und den nicht minder komplexen Programmen zur Berechnung der Abgaben.

Entwickelt wurden viele solcher Programme im Öffentlichen Dienst in den frühen Tagen der Großrechner (Mainframes). Die vielen Änderungen hat man wie Rucksäcke an die bestehenden Berechnungssysteme angeflanscht. „Dieses Vorgehen führt im Laufe der Jahre zu immer komplexer verwobenen Anwendungen, die nur schwer zu pflegen und ändern sind“, sagt Eric Martorell, Experte für den Öffentlichen Dienst bei HP.

„Doch das ist kaum verwunderlich, denn der Fokus der frühen Mainframe-Programme zielte weniger auf Änderungsfreundlichkeit, sondern vielmehr auf die Verarbeitung von relativ einfach strukturierten Massendaten.“

Bundesweit werden jährlich rund 26 Millionen Steuerklärungen eingereicht. Bei allen öffentlichen Einrichtungen, wie beispielweise Versorgern oder Verwaltungsstellen des Öffentlichen Sektors und all jenen Behörden die mit Bürgerdaten oder Daten zur Sozialversicherung zu tun haben, türmen sich riesige Datenberge auf. Europaweit befinden sich rund 4.000 Großrechner im Einsatz. Dabei handelt es sich überwiegend um IBM-Systeme. In Deutschland schätzt man die Zahl der Mainframes auf circa eintausend.

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