EU-Benchmark 2021 eGovernment muss Mehrwerte liefern

Von Manfred Klein

Corona ist der eGovernment-Booster in der EU. Das zeigt die 18. Ausgabe des eGovernment Benchmarks der Europäischen Kommission. Der Report wurde von Capgemini, gemeinsam mit IDC und der Universität Politecnico di Milano, erstellt.

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Die Länder der EU machen Fortschritte bei der Digitalisierung, aber noch bleibt viel zu tun
Die Länder der EU machen Fortschritte bei der Digitalisierung, aber noch bleibt viel zu tun
(© stock.adobe.com)

Die COVID-19-Pandemie hat Digitalisierungsprozesse in den Behörden der Europäischen Union weiter beschleunigt. Von diesem Digitalisierungsschub profitieren nun die Bürger. So hält der EU-Benchmark zur aktuellen Entwicklung in der EU unter anderem fest, dass neun von zehn Webseiten mittlerweile über Mobilgeräte zugänglich seien (88 Prozent, 2020: 76 Prozent, 2019: 68 Prozent). Meist sei zudem eine Online-Hilfsfunktion für Nutzer verfügbar.

Wie bereits in den Vorjahren seien die Verwaltungsleistungen in Deutschland aus dem Bereich Familienleben besonders nutzerfreundlich gestaltet. Jedoch sollten die Zugangsmöglichkeiten weiter verbessert werden: Nur 16 Prozent der Webseiten erfüllten die abgefragten Kriterien für Barrierefreiheit.

Dazu erklärte Marc Reinhardt, Head of Public Sector & Health bei Capgemini: „Der eGovernment Benchmark Report 2021 zeigt, dass die Verwaltungen in Europa große Fortschritte bei der Digitalisierung ihrer Dienstleistungen erzielt haben. Dies gilt auch für Deutschland. Damit haben sie erheblich dazu beigetragen, die Auswirkungen der Pandemie zu lindern.“

Allerdings gehe die Ausweitung des Angebots von Online-Services nicht zwingend mit einer verstärkten Nutzung, Zufriedenheit oder Inklusion einher. Daraus folgert Reinhardt: „Auf diese Punkte müssen sich Regierungen im nächsten Schritt konzentrieren, damit die Bürger die Online-Angebote der Verwaltungen als Mehrwert empfinden, und eine umfassende gesellschaftliche Teilhabe für alle Menschen ermöglicht wird.“

Einen besonderen Blick wirft der Report auf die Transparenz und Nutzung persönlicher Daten – beides zentrale Elemente für ein sicheres und vertrauenswürdiges eGovernment. die Autoren merken hier kritisch an: „Nur auf einer knappen Mehrheit von 61 Prozent der Behördenportale werden Nutzer informiert, ob und welche personenbezogenen Daten von der Verwaltung genutzt werden.“

Deutschland liege hier zudem weiterhin etwas hinter dem EU-Durchschnitt. Aber auch in anderen europäischen Ländern gebe es noch Verbesserungspotenziale. Verwaltungen müssten sich von silohaft agierenden öffentlichen Organisationen zu gut organisierten Ökosystemen entwickeln, in denen Daten eine wesentliche Rolle einnehmen. Dafür sei jedoch das Einverständnis der Bürger zum Datenaustausch ebenso wie die Achtung der Privatsphäre und Sicherheit wichtiger denn je.

Dazu Marc Reinhardt: „Das Vertrauen der Bürger ist entscheidend für die Einwilligung in einen automatischen Datenaustausch, welcher einen Sprung für den Komfort im eGovernment bedeutet. Aber auch rechtlich, technisch und prozessual sind im Kontext der Registermodernisierung noch erhebliche Voraussetzungen zu schaffen, die andere Länder zum Teil schon seit Jahrzehnten mit großen Anstrengungen verfolgen.“

Die Ergebnisse des Reports zeigten zudem, dass die Ambitionen zum Teilen und Wiederverwenden personenbezogener Daten über die Grenzen der Behörden hinweg – in Übereinstimmung mit lokalen Gesetzen – bislang noch nicht erfüllt werden. In Deutschland würden beispielsweise nur in vier von zehn Online-Formularen Felder für Nutzer vorausgefüllt, etwa mit in Zentralregistern bestehenden Daten. Wo das nicht möglich ist, bedeutet das für Nutzer einen deutlichen manuellen Mehraufwand. Insgesamt könne Europa jedoch auf seine eGovernment-Fortschritte Stolz sein. mk

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