Interview

eGovernment ist nicht nur Verwaltungsmodernisierung

23.02.2009 | Autor / Redakteur: Manfred Klein / Manfred Klein

Everding sieht in eGovernment kein ausschließlich technisches Thema. Organisatorische, prozessuale, gesetzgeberische und kommunikative Elemente kommen oft zu kurz
Everding sieht in eGovernment kein ausschließlich technisches Thema. Organisatorische, prozessuale, gesetzgeberische und kommunikative Elemente kommen oft zu kurz

Für Cornelius Everding, seit Kurzem Chefkoordinator für eGovernment in Brandenburg, ist eGovernment mehr als nur IT-Technologie. Für ihn verbinden sich damit Fragen der Zukunftsgestaltung und grundsätzliche Überlegungen zur Ausgestaltung des Föderalismus.

eGovernment Computing sprach mit ihm über seine Konzepte.

Herr Everding, Sie haben im vergangenen Jahr in Brandenburg die Rolle des Chefkoordinators für eGovernment übernommen. Welche Aufgaben liegen vor Ihnen?

Everding: Brandenburg blickt mittlerweile auf einige Jahre engagiertes und auch erfolgreiches eGovernment in Verwaltung und Justiz zurück. Die Erledigung von Verwaltungsangelegenheiten über das Internet, die notwendige Bereitstellung einer entsprechenden IT-Infrastruktur und die Pilotierung wichtiger Querschnittsverfahren, wie die elektronische Vorgangsbearbeitung für die gesamte Landesverwaltung, standen in den letzten Jahren im Vordergrund. Aktuell befindet sich das Land in einer wichtigen Übergangsphase, die meiner Beobachtung nach durch eine Reihe von Herausforderungen geprägt ist: Um im internationalen Wettbewerb der Regionen bestehen zu können, aber auch um unseren Beitrag im föderalen Deutschland zu leisten, müssen wir unsere Angebote verbessern. Auch die Wahrnehmung und Nutzung unserer Angebote ist verbesserungswürdig; dazu benötigen wir sowohl eine verstärkte ebenenübergreifende Zusammenarbeit der Verwaltungen von Land, Landkreisen und Kommunen als auch die Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Eine meiner Hauptaufgaben ist es, für die Landesregierung Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, wie die prozessorientierte und ebenenübergreifende Vernetzung der Öffentlichen Verwaltung mit Bürgern und Unternehmen in den nächsten Jahren in Brandenburg ausgestaltet und in welchen Etappen sie vollzogen werden kann. Die Konsolidierung der Informationstechnologie in Brandenburg, wie wir sie seit Anfang des Jahres mit der Errichtung des Brandenburgischen IT-Dienstleisters (ZIT BB) verfolgen, ist dazu eine wesentliche Voraussetzung. Der systematischen und ressortübergreifenden Zentralisierung der IT gilt daher ebenfalls meine volle Aufmerksamkeit in den nächsten Jahren, abgesehen einmal davon, dass funktionsfähige Informationsinfrastrukturen ein wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor sind. Zwei weiteren wichtigen Aufgaben werde ich mich widmen: Wir müssen schon jetzt dafür sorgen, dass wir in den strukturschwachen Gebieten Brandenburgs auch in Zukunft Verwaltung leistungsfähig organisieren können und mit den modernen Informations- und Kommunikationstechnologien regionale Entwicklung fördern. Das bedeutet, dass wir eGovernment nicht nur zentral auf das Thema Verwaltungsmodernisierung ausrichten dürfen. Ein intelligenter Technologieeinsatz ist geeignet, neue Formen von Arbeit, Produkten und Dienstleistungen im ländlichen Raum zu fördern. Zudem bedarf eGovernment differenzierter Vermittlungsinstrumente im Sinne einer strategischen Kommunikation. Ich will die Mitarbeiter der Öffentlichen Verwaltung und unsere Zielgruppen motivieren, sich frühzeitig auf die notwendigen Veränderungen einzustellen und die Zukunft aktiv mitzugestalten.

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