Vorbereitungen fast abgeschlossen eGovernment, eShopping und eBanking mit dem Personalausweis

Autor / Redakteur: Hadi Stiel / Gerald Viola

Ab 1. November werden die Bürger mit dem neuen Personalausweis (nPA) Online-Dienstleistungen von Behörden und Unternehmen über deren Web-Portale effizient und sicher nutzen können. Der nPA, zusammen mit einem Kartenleser, der Software „AusweisApp“ auf dem PC, Note- oder Netbook sowie dem sogenannten eID-Service zur sicheren Authentifizierung, wird Zug um Zug eGovernment, eShopping und eBanking in voller Breite eröffnen.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Seit November 2009 laufen verschiedene Anwendungstests für die AusweisApp. Siemens IT Solutions and Services ist in dem Projekt „AusweisApp“ als Generalunternehmer verantwortlich für die Gesamtarchitektur der IT-Lösung und die Integration der Anwendung. Der Dienstleister baut zudem ein Web-Portal, von dem die AusweisApp und ihre Updates heruntergeladen werden können, auf und betreibt es für zunächst drei Jahre.

eGovernment Computing hat sich mit Hubert Geml, bei Siemens IT Solutions and Services verantwortlich für Sicherheitslösungen im Public Sector, über den Stand der Technik und die Perspektiven der Bürger mit dem neuen Personalausweis unterhalten.

Wie ist der aktuelle Stand rund um das Projekt?

Geml: Die Anwendungstests, koordiniert vom Bundesministerium des Inneren (BMI), laufen mit ausgewählten Unternehmen, Organisationen und Behörden auf Hochtouren. Die Infrastruktur, der eID-Service, die AusweisApp und erste Karten werden hinsichtlich des Zusammenspiels der verschiedenen Komponenten sowie der Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit der Lösung auf Herz und Nieren geprüft.

Die Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber sowie mit unseren Partnern der Bundesdruckerei und OpenLimit ist hervorragend. Das Projekt liegt gut im Plan. Aus heutiger Sicht kann der Anwendungstest pünktlich im Oktober abgeschlossen werden und der Rollout im November beginnen.

Wie viele Unternehmen, Organisationen und Behörden sind in diese Anwendungstests eingebunden?

Geml: Bei den sogenannten geschlossenen Anwendungstests sind rund 40 Unternehmen und Behörden eingebunden. Paralell laufen die sogenannten offenen Anwendungstests, für welche sich mehr als hundert weitere Unternehmen und Behörden registiert haben.

Das Spektrum bei den geschlossenen Anwendungstests reicht von A wie Air Berlin und C wie Cosmos Direct über G wie Gothaer Versicherungen und I wie Intercard bis zu L wie LVM Versicherungen, T wie Tönjes Holding und W wie Wincor Nixdorf.

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Die neuen Dienste sind an den neuen Personalausweis gekoppelt. Der wird in der Regel aber erst dann von den Bürgern beantragt werden, wenn der alte Personalausweis abgelaufen ist. Damit werden die neuen eGovernment-, eShopping- und eBanking-Dienste nur allmählich an Bürgerbreite gewinnen – oder?

Geml: Bei einer Gültigkeit des Personalausweises ab dem 24. Lebensjahr von 10 Jahren würde es theoretisch 10 Jahre dauern, bis alle Bundesbürger den neuen nPA haben. In der Praxis wird es aber zahlreiche Anschubeffekte geben. So hat der Personalausweis unter 24 Jahren nur eine Gültigkeit von 6 Jahren. Dazu werden die Jugendlichen kommen, die mit 16 erstmals einen Personalausweis, damit den nPA, erhalten werden.

Nicht zu unterschätzen sind die Anschubeffekte aus der Internet-Generation. Viele von ihnen werden den nPA beantragen, obwohl ihr alter Personalausweis noch gültig ist. Einen zusätzlichen Schub sehe ich aus den ostdeutschen Bundesländern kommen. Die Wiedervereinigung fand ziemlich genau vor 20 Jahren statt, also der doppelten Gültigkeitsdauer eines Personalausweises ab dem 24. Lebensjahr. Damit werden in den ostdeutschen Bundesländern bald viele Beantragungen anstehen.

Inwieweit wirken AusweisApp und eID-Service für schnelle und sichere Zugriffe zusammen?

Geml: Der AusweisApp gewährleistet zusammen mit der verbundenen zentralen Authentifizierungslösung eID-Service die verschlüsselte Kommunikation zwischen dem Bürger und dem Diensteanbieter. International anerkannte, starke Verschlüsselungsverfahren kommen dabei zur Anwendung.

Über ein Public-Key-Verfahren wird sichergestellt, dass nur befugte Unternehmen, Organisationen und Behörden die Ausweisdaten lesen können.

Auf der anderen Seite können nur berechtigte Bürger für sie zulässige Online-Dienste nutzen. Lediglich Unternehmen und Behörden, die das Berechtigungszertifikat von der Vergabestelle des Bundesverwaltungsamtes erhalten haben und sich damit gegenüber dem Bürger eindeutig identifizieren, können auf Ausweisdaten zugreifen.

Nicht nur das: Erst wenn der Bürger den Auslesevorgang explizit freigibt, wird die andere Seite die Ausweisdaten auslesen können. Der Bürger wird sogar bestimmen können, welche Ausweisdaten er gegenüber Internet-Anbieter für das Auslesen preisgibt und welche nicht. Die Freigabe selbst löst er dann mit seiner sechsstelligen PIN aus.

Wie wird die Administration des AusweisApp gelöst?

Geml: Die administrativen Aufgaben sind funktional von den eigentlichen Anwendungen, die auf dem AusweisApp die Dienste ausmachen, getrennt. Administrations-Client und AusweisApp sind zwei separate Komponenten.

Über den Administrations-Client können nicht nur nutzerspezifische Konfigurationen durchgeführt, sondern auch automatische Updates angestoßen werden. Die Bedieneroberflächen beider Komponenten wurden bewusst einheitlich gestaltet. Dadurch wird auch die Nutzung durch den Bürger erleichtert.

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Inwieweit wird sich der neue vom alten Personalausweis unterscheiden?

Geml: Der neue Personalausweis wird eine Multifunktionskarte sein und unterscheidet sich zunächst in der Größe: Er wird ein handliches Scheckkartenformat haben. Die herkömmliche Funktion als Sichtausweis mit Lichtbild und gedruckten Personendaten bleibt vollständig erhalten. Der nPA enthält einen Sicherheitschip, der kontaktlos über Funk ausgelesen werden kann. Das einzige biometrische Merkmal darauf wird das Foto des Bürgers sein. Zudem wird es möglich sein, auf freiwilliger Basis zwei Fingerabdrücke aufzunehmen.

Neu sind die elektronischen Funktionalitäten wie der elektronische Identitätsnachweis, um sich bei Online-Dienstleistern anzumelden und zu registrien, und die elektronische Signaturfunktion, um rechtsverbindlich elektronische Dokumente und Emails zu unterzeichnen.

Was wird der neue Personal-ausweis den Bürger kosten?

Geml: Die Gebühr für die Ausstellung eines neuen Personalausweises ab dem 1. November 2010 beträgt nach dem Verordnungsentwurf 28,80 Euro, bei einer Gültigkeitsdauer von 10 Jahren. Für Antragsteller unter 24 Jahren liegt die Gebühr bei 22,80 Euro.

Die AusweisApp wird jedenfalls für den Nutzer kostenfrei verfügbar sein. Dies fördert sicherlich eine schnelle Verbreitung des nPA für den Abruf von eGovernment-, eShopping- und eBanking-Diensten.

Darüber hinaus stellt der Bund ein Budget zur Verfügung, das es einer Vielzahl von Bürgern ermöglichen wird, auch den Kartenleser kostenfrei zu erhalten.

Welche Entwicklung prognostizieren Sie für die nächsten Jahre?

Geml: Durch die hoch performante und sichere Infrastruktur werden in den nächsten Jahren sicherlich viele Millionen Bürger Online-Dienstleistungen mit dem neuen Personalausweis in Anspruch nehmen. Ab November 2010 werden weitere Unternehmen, Organisationen und Behörden die Vorteile dieser neuen Infrastruktur nutzen und nPa-Dienstleistungen über das Internet anbieten.

Das breiter werdende Angebot wird zusätzlich die Akzeptanz unter den Bürger fördern. Zudem läuft die AusweisApp auf den gängigen Betriebssystemen Windows, Linux und Mac OS X. Auch das wird sich sehr günstig auf eine breite Nutzung der neuen Bürgerdienste auswirken.

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