Digitalstadt Hannover eGovernment als Motor des sozialen Fortschritts

Autor Manfred Klein

Die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover kombiniert ihre Verwaltungsstrategie zur Digitalisierung mit dem Stadtentwicklungskonzept „Mein Hannover 2030“. Damit verfolgt die Stadt ein Konzept, das den Namen „nachhaltig“ offenbar verdient. eGovernment Computing stellt Ihnen die Strategie vor und sprach mit dem Oberbürgermeister der Stadt Hannover, Stefan Schostok, über Zielsetzung und Hintergründe.

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Im Hannoveraner Rathaus verfolgt man eine umfassende Digitalisierungsstrategie
Im Hannoveraner Rathaus verfolgt man eine umfassende Digitalisierungsstrategie
(© Sebastian Grote - adobe.stock.com)

Der Verwaltungsstrategie zur Digitalisierung ist das Motto „Die Landeshauptstadt hat den Anspruch , die Digitalisierung als zentrale Akteurin zu gestalten und damit zum sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt der Stadt beizutragen“ vorangestellt.

Das Ziel: die Digitale Stadtgesellschaft

Folgerichtig versucht nicht nur das Stadtentwicklungskonzept, alle relevanten Bereiche des gesellschaftlichen und politischen Lebens abzubilden. Gleiches gilt auch für die Verwaltungsstrategie.

In dieser heißt es: „Die vorliegende Verwaltungsstrategie bildet den ersten Meilenstein für den Aufbau einer erweiterten, ganzheitlichen ‚Digitalen Agenda‘ für die Landeshauptstadt Hannover, die gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren der Stadtgesellschaft erarbeitet und anschließend umgesetzt werden soll.“

Und weiter: „Diese gesamtstädtische Vision stellt das Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik in den Vordergrund und berücksichtigt wirtschaftliche und ethische Aspekte gleichermaßen. Sie wird dazu beitragen, dass unsere Stadt im digitalen Zeitalter noch lebens- und liebenswerter wird.“

Am Beispiel von Open Government lassen sich diese Prinzipien verdeutlichen. In der Verwaltungsstrategie heißt es dazu unter anderem: „Die Stadtverwaltung Hannover bekennt sich zum Konzept des Open Governments.“ Dadurch würden Entscheidungsprozesse nachvollziehbarer und die Möglichkeiten digitaler Beteiligung könnten so effektiv ausgebaut werden.

Weiter heißt es zu diesem Themenkomplex: „Open Data hat das Ziel, die Transparenz, die Teilhabe sowie den Demokratiegedanken in der Gesellschaft zu stärken und die Wirtschaft durch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle zu fördern.“

Transformation der Verwaltung

Damit dieser Anspruch funktioniert, muss sich natürlich auch die Verwaltung modernisieren. Ihr hat man unter anderem die Entwicklung neuer und agiler Arbeitsstrukturen ins Pflichtenheft geschrieben. In diesem Zusammenhang sei es notwendig, die Risikobereitschaft zu erhöhen und eine angemessene Fehlerkultur zu etablieren. Wenn es der Stadt gelingt, diesen Kurs zu halten, könnte das Modell Hannover zum Vorbild für andere Städte werden.

Wie das alles in den kommenden Monaten und Jahren umgesetzt werden soll, darüber sprachen wir mit dem Oberbürgermeister der Stadt Hannover, Stefan Schostok im Interview.

Herr Schostok, mit der Verwaltungsstrategie zur Digitalisierung der Landeshauptstadt und dem Stadtentwicklungskonzept „Mein Hannover 2030“ verfolgten Sie ein umfassendes Digitalisierungskonzept. Jetzt wird es darauf angekommen, die damit verbundenen Vorhaben umzusetzen. Welche Konzepte gibt es dafür?

Stefan Schostok Oberbürgermeister von Hannover
Stefan Schostok Oberbürgermeister von Hannover
(© www.scheffen.de)

Schostok: Die Landeshauptstadt Hannover ist eine stark beteiligungsorientierte Stadt. Im Rahmen unseres Dialogprozesses zum Stadtentwicklungskonzept „Mein Hannover 2030“ haben rund 17.000 Teilnehmende an über 200 Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen teilgenommen. Darüber hinaus haben sich ca. 11.000 Einwohner online beteiligt. Dies zeigt auf, dass Beteiligung seitens der Gesellschaft gewünscht ist und angenommen wird. Hieran müssen wir nun bei der Umsetzung der Handlungsfelder aus „Mein Hannover 2030“ ansetzen.

Die Handlungsfelder aus „Mein Hannover 2030“ wurden in konkrete Arbeitsprogramme übertragen, die integriert und dezernatsübergreifend innerhalb der Stadtverwaltung bearbeitet werden. Aktuelle Stände zu den Fortschritten der einzelnen Arbeitsprogramme können transparent über hannover.de jederzeit eingesehen werden. Darüber hinaus veröffentlicht die Stadtverwaltung alle drei Jahre einen Stadtentwicklungsbericht, auf dessen Grundlage Strategien und Ziele gegebenenfalls auch angepasst werden.

Unsere Verwaltungsstrategie zur Digitalisierung der Landeshauptstadt Hannover ist aus dem Dialogprozess zu „Mein Hannover 2030“ hervorgegangen und wurde auf Basis effizienter Arbeitsstrukturen und einem integrativen Ansatz erarbeitet. Die Ergebnisse spiegeln die hohe Bedeutsamkeit der Auswirkungen der Digitalisierung im Verwaltungskontext wider. Ergänzend haben wir ein Verwaltungsentwicklungsprogramm 2020, das sich insbesondere verwaltungsintern mit Themen zwischen Mensch, Technik, Organisation und Gesundheit auseinandersetzt.

Die Digitalisierungsstrategie zeigt sich offen für eine interföderale Zusammenarbeit. Explizit werden der IT-Planungsrat und die KGSt genannt. Allerdings fehlt die FITKO. Wie stellen Sie sich mit den angesprochenen Organisationen eine Zusammenarbeit vor?

Schostok: Wir begrüßen die Stärkung des IT-Planungsrats und der damit verbundenen Einrichtung eines leistungsfähigen operativen Unterbaus, den die FITKO nun darstellen wird. Digitale Lösungen können nur funktionieren, wenn diese von allen föderalen Ebenen gemeinsam unter Beachtung einheitlicher Standards entwickelt werden. Eine Einbindung der kommunalen Ebene in die jeweiligen Arbeitsgruppen ist hierbei ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Mit der KGSt haben wir einen starken Partner, mit dem wir schon lange zu unterschiedlichen Themen zusammenarbeiten. Als kommunaler Fachverband hat die KGSt eine wichtige Rolle, wenn es um digitale Lösungen und Konzepte auf kommunaler Ebene geht. Hier gilt es, gegebenenfalls auch unter Moderation der KGSt, beschriebene Konzepte in interkommunalen Projekten zu erproben. Hannover wird sich hierfür verstärkt einsetzen.

Wie könnte eine Zusammenarbeit mit anderen Kommunen aussehen?

Schostok: Eine Zusammenarbeit findet heute schon auf vielen verschiedenen Plattformen statt. Diese interkommunale Arbeit sollte forciert werden. Hannover hat sich hierbei das Ziel gesetzt, verstärkt zu Digitalisierungsthemen in interkommunalen Arbeitsgruppen oder innerhalb des niedersächsischen Städtetages aufzutreten und den Dialog proaktiv zu suchen. Darüber hinaus wünschen wir uns natürlich, dass die kommunale Ebene auch zu Landes- beziehungsweise Bundesinitiativen zum Thema Digitalisierung verstärkt eingebunden wird.

Welche Rolle wird eGovernment bei der Umsetzung der Digitalen Agenda spielen?

Schostok: Die digitale Transformation ist für den gesamten öffentlichen Sektor von großer Bedeutung und eine der zentralen großen Herausforderungen. In diesem Zusammenhang verstehen wir eGovernment als Teilaspekt der Digitalisierung mit dem Ziel, insbesondere papiergebundene Verwaltungsvorgänge in digitale Prozesse zu überführen. Hierbei ist es wichtig zu verstehen, dass dies nicht nur ein technologischer Wandel ist. Die Prozesstransformation erfordert ein Umdenken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Eine Veränderung der Arbeitskultur kann nur unter Einbeziehung der Beschäftigten erfolgen.

Mit dem Onlinezugangsgesetz wurde der Druck auf den öffentlichen Sektor erhöht. Die Landeshauptstadt Hannover hat sich deshalb auch das Ziel gesetzt, zukünftige Leistungen gemäß dem Digital-First-Ansatz zuerst auf die digitale Praxistauglichkeit zu testen. Darüber hinaus haben wir folgende Projekte als priorisierend definiert: Einführung eines verwaltungsweiten Dokumentenmanagementsystems bis 2023 Einführung der verwaltungsweiten elektronischen Rechnungsbearbeitung Einführung eines Online-Beteiligung-Portals Einführung des elektronischen Baugenehmigungsverfahrens.

Welche Anpassungen werden durch die Digitalisierungsstrategie möglicherweise bei der IuK-Strategie notwendig?

Schostok: Die Verwaltungsstrategie zur Digitalisierung der Landeshauptstadt wurde unter anderem auch auf Basis der bestehenden IuK-Strategie erarbeitet. Daher ergänzen sich die beiden strategischen Ausrichtungen sehr gut. Wir haben uns dennoch dazu entscheiden, dass die Digitalisierungsstrategie den übergeordneten Rahmen darstellt, an dem sich weitere Ansätze und Konzepte zu digitalen Themen ausrichten müssen. Dies hat auch zur Folge, dass die sich die IuK-Strategie nun an der Digitalisierungsstrategie ausrichten muss.

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