eHealth-Portal für Radiologen

Durchblick verschaffen

| Autor: Susanne Ehneß

(Bild: © kentoh/ Fotolia.com)

Jedes Jahr werden weltweit mehr als vier Milliarden medizinische Befunde und Diagnosen erstellt – hauptsächlich in Form von Freitextdiktaten. Die Online-Plattform „Smart Reporting“ will die ­Befunderstellung digitalisieren und solche medizinischen Daten nutzbar machen.

eGovernment Computing sprach mit Professor Dr. med. Wieland Sommer, Radiologe und Geschäftsführer der Smart Reporting GmbH, und Andreas Klüter, Vice President und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Empolis Information Management GmbH, über das Projekt, das derzeit ausschließlich Radiologen offensteht.

Wie läuft eine Befundung mit „Smart Radiology“ ab?

Sommer: Smart Radiology revolutioniert die Arbeitsweise der Ärzte bei der Befundung: Anstatt wie bisher seine Beobachtungen im Freitext zu diktieren, klickt sich der Arzt unter www.smart-radiology.com sehr einfach durch eine untersuchungsspezifische Checkliste. Die aus medizinischer Sicht zu bewertenden Aspekte werden dem Arzt in einem Entscheidungsbaum dargestellt, und anhand seiner Entscheidungen wird daraus simultan ein linguistisch korrekter Befundtext erstellt.

Mit einem Klick kann dieser Textbefund auch in eine andere Sprache übersetzt werden. In einem Arbeitsschritt erfolgt so eine intelligente Befunderstellung.

Welchen konkreten Nutzen ­bietet die Plattform für Radiologen, Krankenhäuser oder Praxen?

Sommer: Unsere Smart Reporting Software ist ein intuitiv benutzbares Tool, welches den Ärzten ihre tägliche Arbeit erleichtert. Durch die Checklisten und Entscheidungsbäume wird die Vollständigkeit von Befunden sichergestellt. Während jeder Arzt bisher seinen eigenen Stil bei der Befundung hatte, kann über die strukturierte Befundung auch die Vergleichbarkeit und Reproduzierbarkeit von Befunden verbessert werden.

Unterstützend werden dem Arzt in den Entscheidungsbäumen Infoboxen mit aktuellen Hintergrundinformationen zu Klassifikationen und Befundkriterien angeboten.

Klüter: Ein weiterer wichtiger Vorteil ist, dass die entstehenden Befunde durch unser Tool vollständig auswertbar gemacht werden, und zwar in präziser und detaillierter Form. Bislang war die große Anzahl von Freitextbefunden in medizinischen Datenbanken nur in sehr begrenztem Maße auswertbar. Im Rahmen der strategischen Partnerschaft mit Empolis stehen hierzu neue Techniken der Computer-Linguistik, vor allem „Natural Language Processing“, zur Verfügung, welche die Extraktion spezifischer Inhalte aus Befundtexten ermöglichen.

Damit lässt sich jetzt eine große Zahl von Analysen durchführen, die beispielsweise zur Qualitätssicherung oder zum Benchmarking herangezogen werden können.

Sommer: Mit Smart Reporting möchten wir ein einfach zugängliches Werkzeug schaffen, um die sogenannte „strukturierte Befundung“ in der Medizin praktikabel einsetzbar zu machen.

Studien zeigen, dass die klassischen Freitextdiktate häufig unter Ambiguitäten und Unvollständig­keiten leiden. Smart Reporting ­hingegen dient sowohl der Qualitätssicherung als auch der Effizienzsteigerung durch die Zeit­ersparnis beim Tippen. Von einer verbesserten Kommunikation ­zwischen Ärzten, zügigerer Behandlung und medizinischem ­Erkenntnisgewinn profitieren schließlich alle Interessensgruppen im Gesundheitssystem – insbesondere der Patient.

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