Mehr Region, mehr Kommunen, mehr Service für die Fachbesucher DiKOM-Neustart im April in Wiesbaden

Redakteur: Gerald Viola

Während die Nürnberg Messe versucht, Aussteller der um ein Jahr verschobenen DiKOM Ost nach Mittelfranken zur IT-Fachkonferenz 2012 während der it-sa zu locken, planen die DiKOM-Veranstalter im April 2013 einen Neustart in Wiesbaden. Die Fachmesse für digitale Kommunen soll im kommenden Jahr drei Mal stattfinden.

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DiKOM will in Wiesbaden neu durchstarten
DiKOM will in Wiesbaden neu durchstarten
(Foto: DiKOM)

Bis später, Leipzig! Die DiKOM OST 2011
Bis später, Leipzig! Die DiKOM OST 2011
(Foto: Arvchiv)
Kein Zweifel: Die Veranstalter haben in den vergangenen Jahren viel investiert, um die DiKOM Expo als Nachfolger der KOMCOM zu etablieren.

Doch nach der Absage der KOMCOM Ost Ende 2009 hatten gleich vier Organisationen zur Jagd auf Bürgermeister und Landräte geblasen und acht Public-Sector-Messen im Programm.

In der vergangenen Woche zogen dann die DiKOM-Verantwortlichen die Notbremse und verschoben den Termin der Leipziger Fachmesse um ein Jahr. „Wir konnten nicht an die Erfolge der KOMCOM anknüpfen.“

Und die Neukonzeptionierung, die mit Ausstellern und Kommunen besprochen worden war, ließ sich nicht auf die Schnelle umsetzen.

Dazu kommt, dass die Anzahl der Aussteller zu gering war: Im vergangenen Jahr hatten sich noch 790 Besucher bei 66 Ausstellern und in 30 Fachvorträgen in Leipzig über kommunale Fachverfahren und IT-Lösungen informiert.

Und in dem Zug wurde auch der Frühjahrstermin der DiKOM Nord im Kalender weiter nach hinten geschoben.

Diese Veranstaltung soll nicht mehr als Konkurrenz zur CeBIT platziert werden, sondern später im Jahr ebenfalls mit neuem Konzept neu positioniert werden.

Das neue Konzept: Details sind noch geheim, aber ...

... die Eckpunkte stehen. Im Augenblick liegt das neue Konzept den Entscheidern des Messeveranstalters in wesentlichen Teilen bereits vor.

Die Schwerpunkte:

  • Stärkere Regionalisierung,
  • bessere Einbeziehung der Kommunen,
  • mehr Service für die Fachbesucher.

„Wir haben in Zusammenarbeit mit kommunalen Vertretern ein Konzept entwickelt, dass die kommunalen Fachbesucher stärker in den Mittelpunkt rückt. Wichtig ist für uns eine hohe Identifikation der Fachbesucher im jeweiligen Einzugsbereich der Fachmesse. Das werden wir mit dem neuen Konzept der DiKOM Expo erreichen.

Derzeit laden wir laden alle Aussteller dazu ein, dieses neue Konzept mit uns zu diskutieren. Wir werden dieses neue Konzept im Spätherbst präsentieren. Deshalb war es nicht mehr möglich, das neue Konzept der DiKOM Expo bereits zur DiKOM Ost umzusetzen.“

Weitere Details werden noch geheim gehalten, denn die Konkurrenz liest mit.

Blick zurück: Die KOMCOM startete vor 15 Jahren

Käse und Mäuse: Das Logo der KOMCOM
Käse und Mäuse: Das Logo der KOMCOM
(Grafik: Archiv)
Die KOMCOM fand erstmals 1997 in Koblenz statt. Klaus Ruffing, damals Landesvorsitzender Fachverband der Kommunalkassenverwalter, Saar, erklärte das Konzept damals so:

„Die KOMCOM ist sowohl Produkt- und Infobörse als auch Softwaremesse für Verwaltung. Sie wendet sich an Bedienstete aus Kommunen, Landes- und Bundesbehörden, Zweck- und Wohlfahrtsverbänden sowie aus Eigenbetrieben und Stadtwerken.

In den letzten fünf Jahren hat sich Markt für kommunale Dienstleistungen und Softwareangebote eine grundlegende Veränderung vollzogen. Durch die neue Vielfalt der Anbieter und deren Produkte ist der Markt für die Anwender unüberschaubar geworden. Die KOMCOM hat deshalb das Ziel, das differenzierte Produktspektrum tranparent und vergleichbar darzustellen.

Das Forum wird für Fachbesucher überschaubar bleiben. Weg von der unübersichtlichen Großveranstaltung hin zu einer klar abgegrenzten Fachveranstaltung! Der Interessent soll auf kurzem Wege auf einer Fläche ein repräsentatives und übersichtliches Angebot vorfinden, um sich kostengünstig und umfassend informieren zu können. Die Oberwerth-Halle bietet hierfür die idealen Voraussetzungen; ihre Arenaarchitektur verschafft dem Besucher Überblick über die ganze Messe.

Die KOMCOM wird als wichtige Infobörse verstanden und intensiv genutzt. Ihr familiärer Charakter fördert zusätzlich den unkomplizierten Erfahrungsaustausch mit Kollegen aus anderen Verwaltungen. Hier werden praktische Erfahrungen weitergegeben, die sich immer wieder als besonders wertvoll erweisen. Auch die Anbieter bekommen ihre Anregungen von Besuchern, die nützlich für die Weiterentwicklung von Produkten sind.

Die Workshops vermitteln Einsicht in die praktische Anwendung und betonen den Fortbildungscharakter dieser innovativen Fachveranstaltung. Sich anschließende Diskussionen mit Kollegen, Referenten und Ausstellern geben Gelegenheit zu einem intensiven Meinungs- und Erfahrungsaustausch.“

Wie die KOMCOM beinahe bei der CeBIT einzog

Bye bye Leipzig: Die letzte KOMCOM OST
Bye bye Leipzig: Die letzte KOMCOM OST
(Foto: Archiv)
Die KOMCOM entwickelte sich über die Jahre zu einer wichtigen IT-Messe für den kommunalen Sektor. Sie bekam mit der KOMCOM Nord in Hannover und der KOMCOM Ost in Leipzig weitere Ableger. Die „Ausflüge“ nach NRW und Bayern allerdings hatten keinen Bestand. Und die Absage der Ost-Veranstaltung in Leipzig läutete 2009 das Ende der Public-Sector-Veranstaltungsreihe ein – in Stufen.

Im Juli 2010 wurde der bisherige KOMCOM-Geschäftsführer Hans Rosenberger damit zitiert, dass sein bisheriger Arbeitgeber die Rechte an der kommunalen IT-Messe an das Stuttgarter Unternehmen H & K Messe GmbH verkauft habe. Alle drei KOMCOM-Veranstaltungen würden planmäßig stattfinden.

Hans Rosenberger hatte seit August 1997 im Vertrieb der KOMCOM Messe GmbH gearbeitet. Ende 2000 hatte er die Geschäftsführung der KOMCOM übernommen. Er wechselte schließlich im August 2010 als Teamleiter von Saarbrücken nach Schwaben.

Im August hieß es dann „April, April!“ – Keine Rechte übernommen, die DiKOM werde die neue KOMCOM sein. Die DiKOM bediente sich der bislang geplanten KOMCOM-Termine, lediglich bei der DiKOM Süd Karlsruhe durch Frankfurt ersetzte.

Und dann überraschte die KOMCOM damit, dass auf der Website die Veranstaltungen für 2011 weiter angekündigt wurden, und an mögliche Aussteller, Verbände und Referenten eine Einladung zu einem Partnertreffen in das Parkhotel Albrecht in Völklingen versandt wurde.

KOMCOM-Gründer Klaus Ruffing ließ die Bombe platzen: Die nächste KOMCOM Nord findet 2011 im Rahmen der CeBIT statt und wird vollständig in das Ausstellungskonzept des Public Sector Parc integriert. Die erhofften Synergieeffekte der Zusammenarbeit sollten auch anderen KOMCOM-Messen nutzen.

KOMCOM-Gründer Klaus Ruffing plante eine Kooperation mit der CeBIT
KOMCOM-Gründer Klaus Ruffing plante eine Kooperation mit der CeBIT
(Foto: Archiv)
Ruffing im Dezember 2010 im Interview der eGovernment Computing:

„Die Kooperation stand schon seit einiger Zeit im Raum. Als wir 2004 die KOMCOM Nord ins Leben gerufen haben, hatten viele Aussteller das Gefühl, bei der CeBIT nicht die geeigneten Rahmenbedingungen für eine Kommunalmesse vorzufinden. In den letzten Jahren hat sich dies geändert. Viele Besucher und auch Aussteller zieht es in den letzten Jahren wieder verstärkt zur CeBIT. Entsprechend sind zahlreiche Firmen an uns herangetreten mit dem Vorschlag, die KOMCOM Nord im Rahmen der CeBIT stattfinden zu lassen.“

Und er beteuerte: „Wir werden unser Messekonzept eins zu eins in der Halle 9 auf der CeBIT abbilden. Mit eigenem Ausstellungsbereich, der nahtlos in den Public Sector Parc übergeht, mit Workshop-Räumen in der Halle und mit eigenen Praxisforen. Anmeldung, Organisation, Messekatalog und Besucherwerbung laufen über uns. Selbst die Hallenplanung machen wir für unseren Bereich selbst. KOMCOM bleibt also KOMCOM.“

Wie Ruffing selbst die Deutsche Messe überraschte

Nach dem Silvesterfeuerwerk sah alles wieder ganz anders aus:

Mit dem Jahreswechsel hat die H & K Messe GmbH & Co. KG mit der neu gegründeten DiKOM Expo den Saarbrücker Messeveranstalter endgültig geschluckt. Der letzte Streich des KOMCOM-Gründers und -Geschäftsführers Klaus Ruffing, die Integration seiner Kongress-Messe mit dem Public Sector Parc auf der CeBIT, war gescheitert.

Die H & K Messe: „Die DiKOM – Fachmesse für digitale Kommunen hat die KOMCOM integriert. Der Veranstalter der DiKOM, die H & K Messe, folgt damit den Wünschen der Aussteller und Besucher und bündelt die Kompetenzen beider Veranstaltungen an den drei Standorten Hannover (16. bis 17. Februar 2011), Frankfurt am Main (3. bis 4. Mai 2011) und Leipzig (13. bis 14. September 2011).“

„Wir wurden von der Entscheidung der KOMCOM völlig überrascht“, erklärte am Tag drauf CeBIT-Sprecher Hartwig von Saß.

Die Deutsche Messe kündigte im Internet für den Bereich CeBIT gov die neue Sonderfläche KOMmune INNovativ an:

„Die voranschreitende Modernisierung im Öffentlichen Sektor bietet Kommunen neue Möglichkeiten zu stärkerer Bürger- oder Kundenorientierung und zur Effizienzsteigerung durch die Verbesserung von Prozessen. KOMmune INNovativ bündelt ITK-Lösungen für kommunale Verwaltungen und dient somit als Treffpunkt für Anbieter und Anwender.“

„Querelen um die KOMCOM haben Spuren hinterlassen“

DiKOM-Start in Hannover
DiKOM-Start in Hannover
(Grafik: Archiv)
Und während der ersten DiKOM Nord schlug Wieland Kniffka die Pflöcke ein: „Wir sind und bleiben eine IT-Messe – die Fachmesse für digitale Kommunen“, versicherte er im Gespräch mit eGovernment Computing. Natürlich hätten die Querelen um die KOMCOM ihre Spuren hinterlassen, aber „LED-Beleuchtungen und Reinigungsmaschinen gehören auch in Zukunft nicht zu unseren Ausstellern“.

Eigentlich habe die DiKOM von Anfang an die Nachfolgerolle für die KOMCOM übernehmen wollen, aber „wir starten jetzt eine ganz neue Messe und mussten die Marke DiKOM etablieren.“ Das sei gelungen, sagt Kniffka: „Nachdem die Gastrolle der KOMCOM im Public Sector Parc der CeBIT abgesagt worden war, sind bei uns die Buchungen für die DiKOM Süd in Frankfurt deutlich gestiegen.“

Und im Herbst des letzten Jahres freute sich Claus Hähnel, Geschäftsführer der H & K Messe GmbH, nach der DiKOM Ost in Leipzig, dass das Konzept aufgegangen sei. „Die DiKOM Expo hat sich als zentrale und hochwertige Fachveranstaltung etabliert. Die Messe wird von Besuchern wie Ausstellern angenommen. 2012 werden wir die DiKOM Expo an allen drei Standorten zur Leitmesse für digitale Kommunen ausbauen und weiterentwickeln.“

Auf der kleinsten der drei DiKOM-Expo-Messen hatten sich 790 Besucher bei 66 Ausstellern und in 30 Fachvorträgen über kommunale Fachverfahren und IT-Lösungen informiert.

Von den Besuchern sei insbesondere die inhaltliche Qualität der Fachforen und die Kompetenz der Aussteller gelobt worden. „Die DiKOM Ost war eine kleine, aber feine Messe, die noch einmal unseren fachlichen Anspruch unterstrichen hat“, sagte vor weniger als einem Jahr Hans Rosenberger, Projektleiter der DiKOM Expo.

Eine offizielle Pressemitteilung zur Absage der Veranstaltung in Leipzig, zur Terminplanung für das kommende Jahr und zur neuen Konzeption der DiKOM Expo will die H & K Messe im Laufe dieser Woche veröffentlichen.

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