Digitalisierung der Schulen Digitalpakt Schule hinkt Zeitplan hinterher

Von Chiara Maurer

1,227 Milliarden Euro wurden seit 2019 für den Ausbau der digitalen Infrastruktur an Schulen im Rahmen des Digitalpakts Schule ausgegeben – zu wenig, findet Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger. Große Teile des während der Corona-Pandemie zur Verfügung gestellten Mehrbudgets wurden in mobile Endgeräte für Schüler und Lehrer investiert, jedoch moniert Stark-Watzinger das fehlende Tempo beim Basis-Digitalpakt.

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Das Ziel des Bundes, bis 2021 die Hälfte des dem Basis-Digitalpakts zur Verfügung stehenden Budgets zu verplanen, wurde nur knapp verfehlt. Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger sieht dennoch klaren Nachholbedarf
Das Ziel des Bundes, bis 2021 die Hälfte des dem Basis-Digitalpakts zur Verfügung stehenden Budgets zu verplanen, wurde nur knapp verfehlt. Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger sieht dennoch klaren Nachholbedarf
(© Stockwerk-Fotodesign – stock.adobe.com)

Overheadprojektoren, Kreidetafeln, Griffel – alles Dinge, die der Vergangenheit angehören sollten. Tatsächlich ist aber nur eines dieser Dinge heute in den meisten Schulen nicht mehr anzutreffen und das trotz einer nicht unbedeutenden Summe an verfügbaren Fördermitteln für Bildungseinrichtungen. Seit der Einführung im Jahr 2019 flossen über den Digitalpakt Schule insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro in 16.000 Schulen, um den Ausbau der digitalen Infrastruktur zu fördern.

Zwar stieg die Zahl der vergebenen Fördermittel vom ersten bis zum zweiten Halbjahr 2021 um rund 44 Prozent, dennoch wurde das Ziel, dass bis Ende 2021 die Hälfte der im Basis-Digitalpakt zur Verfügung stehenden 6,5 Milliarden Euro verplant sein sollen, verfehlt. Auch der Mittelbindung für bereits bewilligte, jedoch noch nicht ausbezahlte Gelder, die zum Zeitpunkt der Erhebung bei 2,372 Milliarden Euro lag, steht die Bundesbildungsministerin kritisch gegenüber – schließlich hieße bewilligt noch nicht verbaut.

Übersicht über die Fördermittel

Den unterschiedlichen Teilen des Digitalpakt Schule wurden verschiedene Budgets zur Verfügung gestellt. So erhielt der Basis-Digitalpakt Schule, der 2019 für den Ausbau der Infrastruktur in den Schulen ins Leben gerufen wurde, fünf Milliarden Euro Fördermittel.

Im Rahmen der Corona-Pandemie kamen 2020 drei Zusatzvereinbarungen hinzu. Diese sollten die Ausstattung der Schüler mit mobilen Endgeräten und der Lehrer mit Leihgeräten finanzieren. Zudem wurde ein Etat zur finanziellen Unterstützung von Administratoren, die sich an den Schulen um die digitale Technik kümmern, eingerichtet. Alle drei Teilbereiche erhielten Budgets in Höhe von 500 Millionen Euro.

Teilbereich des Digitalpakts Verfügbares Budget Bereits genutztes Budget
Basis-Digitalpakt Schule 5 Milliarden Euro 423 Millionen Euro
Ausstattung der Schüler 500 Millionen Euro 495 Millionen Euro
Ausstattung der Lehrer 500 Millionen Euro 300 Millionen Euro
Administratoren 500 Millionen Euro 11 Millionen Euro

Der Digitalpakt Schule – ein Zukunftsprojekt

Auch die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, Karin Prien, erkennt trotz der Ausstattung vieler Schüler und Lehrer mit digitalen Endgeräten sowie der Unterstützung von IT-Administratoren an Schulen, klaren Handlungsbedarf. Sie definiert den Erfolg des Basis-Digitalpakts durch geringen bürokratischen Aufwand und die Finanzierung externer Beratungskosten, da gerade kleine Schulträger oft nicht über ausreichend qualifiziertes Personal verfügen, um zügig die benötigten Fördermittel zu beantragen.

Die Digitalisierung von Schule ist auch nach 2024 eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund, den Ländern und den Kommunen

Karin Prien, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein

Die Laufzeit des Digitalpakts Schule soll 2024 enden, jedoch gäbe es noch viel zu tun, so Prien. Der Digitalpakt sei ein Antriebsmotor des Ausbaus der digitalen Infrastruktur an Schulen gewesen, jedoch müssten erleichterte Antragstellungen sowie die Finanzierung externer Beratungskosten die Ansprüche an ein Nachfolgeprogramm sein.

Der Overheadprojektor – Ist das Kult oder kann das weg?

Auch Stark-Watzinger möchte sich nun für den Abbau von Hürden bei der Antragstellung gemeinsam mit den Ländern stark machen, um den Zugriff auf Fördermittel zu erleichtern. Dass dies von einer Mehrheit der Deutschen begrüßt werden würde, zeigt eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom, denn für 80 Prozent der Befragten ist die technische Ausstattung des Schulgebäudes das entscheidende Merkmal einer guten Schule. Doch auch einem überzeugenden Digitalkonzept der Lehreinrichtung (66 Prozent) und der technischen Ausstattung der Schüler (59 Prozent) wurden wesentliche Rollen bei der Auswahl der Schule zugeschrieben. Unter den 1.005 Befragten ab 16 Jahren waren auch 234 Eltern schulpflichtiger Kinder, für die mit 95 Prozent die Vermittlung von Digital- und Medienkompetenz an erster Stelle steht.

Der Schulbesuch muss endlich eine Begegnung mit der Zukunft werden

Achim Berg, Präsident des Branchenverbands Bitkom

Unkomplizierte Verfahren bei der Beantragung von Fördermitteln des Digitalpakt Schule sowie die Unterstützung der Schulträger bei der Umsetzung bewilligter Projekte sollen zukünftig keine Ausnahme mehr sein. Die vereinfachten Verfahren sollen so helfen die Digitalisierung der Bildungseinrichtungen zu beschleunigen und die Qualität sowie die Attraktivität der Schulen für Schüler, Eltern und Lehrer zu steigern.

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