Vertrauensschub für sicheres eGovernment

Digitalisierungsturbo elektronisches Siegel

| Autor: Manfred Klein

Siegellack und Stempel werden bald der Vergangenheit angehören
Siegellack und Stempel werden bald der Vergangenheit angehören (© Bundesdruckerei)

Das elektronische Siegel überführt das Behördensiegel in das digitale Zeitalter. Es ist ein zentrales Werkzeug, um Verwaltungsvorgänge digital durchzuführen, meint Dr. Elisabeth Grießl von der Bundesdruckerei.

Im Gespräch mit eGovernment Computing informiert die eSiegel-Expertin über die Bedeutung für die Öffentliche Verwaltung, aktuelle Projekte, Zukunftsszenarien und wie der Gesetzgeber den Gebrauch elektronischer Siegel weiter voranbringen kann.

Elisabeth Grießl ist sicher, dass das elektronische Siegel eGovernment zum Durchbruch verhelfen wird
Elisabeth Grießl ist sicher, dass das elektronische Siegel eGovernment zum Durchbruch verhelfen wird (© Bundesdruckerei)

Was macht das elektronische Siegel so bedeutsam und einzigartig?

Grießl: Wer elektronische Dokumente sicher archivieren oder vertrauenswürdig mit anderen Anwendern austauschen will, hatte bisher nur eine Wahl: die elektronische Signatur. Jetzt gibt es erstmals eine zweite Möglichkeit: das elektronische Siegel. Wenn Behörden ein Dokument elektronisch siegeln, identifizieren sie sich eindeutig als Absender und schützen die Informationen gleichzeitig vor Manipulationen. Während sich die elektronische Signatur auf eine einzelne Person bezieht, ist das elektronische Siegel auf eine Organisation ausgestellt.

Was unterscheidet die elektronische Signatur vom elektronischen Siegel?

Grießl: Eine elektronische Signatur als Willenserklärung eignet sich für amtliche Dokumente zum Beispiel in Familienangelegenheiten, Antragsformulare oder Verträge. Das elektronische Siegel stellt hingegen sicher, dass die Dokumente von einer bestimmten Organisation stammen und echt sind.

Oder anders ausgedrückt: Die elektronische Signatur ersetzt die handschriftliche Unterschrift einer Person; das elektronische Siegel ersetzt dagegen den Behörden- beziehungsweise Unternehmensstempel.

Gibt es bereits Praxisbeispiele aus dem behördlichen Umfeld?

Grießl: Ja, beispielsweise setzt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bei der Digitalisierung ihrer Personalakten auf eine Siegellösung. Dabei orientiert sie sich an den Vorgaben der technischen Richtlinie „TR-RESISCAN“. Um den Beweiswert der Dokumente für die Langzeitzeitarchivierung zu sichern, sah die Richtlinie bisher das Aufbringen einer elektronischen Signatur mit dem höchsten Sicherheitsniveau vor. Jetzt bietet das elektronische Siegel eine komfortable Alternative.

Die Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft plant, wichtige Studiendokumente – wie zum Beispiel Immatrikulationsbescheinigungen – elektronisch zu siegeln. Studenten können dann bequem über das Webportal die entsprechenden Dokumente abrufen. In einer nächsten Phase sollen dann auch digital erstellte Zeugnisse gesiegelt werden. All diese Beispiele zeigen: Das elektronische Siegel wird zum Digitalisierungsturbo. Der deutsche Gesetzgeber kann diese Entwicklung weiter beschleunigen.

Wie kann der Gesetzgeber den Einsatz elektronischer Siegel fördern?

Grießl: Das elektronische Siegel ist ein zentraler Bestandteil der EU-Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste – kurz eIDAS. Sie nennt das elektronische Siegel ausdrücklich als einen der neuen Vertrauensdienste für eine sichere elek­tronische Kommunikation und stuft es als Beweisinstrument auf sehr hohem Niveau ein. Damit ist ein wichtiger gesetzlicher Rahmen vorhanden.

Doch konkrete Anwendungsgebiete regelt die eIDAS-Verordnung nicht, das obliegt den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten. Es geht also darum, durch nationale Gesetze konkrete Einsatzszenarien für das elektronische Siegel zu schaffen.

Welche Gesetze könnten das eSiegel zukünftig stärker verankern?

Grießl: Im E-Government-Gesetz des Bundes könnten etwa Behörden dazu verpflichtet werden, digitale Dokumente von Unternehmen nicht nur mit elektronischer Unterschrift, sondern auch mit elektronischem Siegel entgegenzunehmen. Zusätzlich ist das elektronische Siegel als geeignete technisch-organisatorische Maßnahme zu nennen, um die elektronische Aktenführung abzusichern.

Ein weiteres Beispiel: Bereits jetzt ist im Verwaltungsverfahrensgesetz ausdrücklich festgeschrieben, dass bei elektronischen Verwaltungsakten die Behörde eindeutig und rechtssicher erkannt werden muss. Genau diese Anforderung erfüllt ein elektronisches Siegel perfekt und sollte deshalb im Gesetz besonders gewürdigt werden.

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