Visum digital beantragen

Digitalisierung von Visa-Verfahren

| Autor: Susanne Ehneß

Das Visa-Verfahren ist teilweise digitalisiert
Das Visa-Verfahren ist teilweise digitalisiert (© fox17 - stock.adobe.com)

Die Nachfrage nach nationalen Visa steigt, in den deutschen Auslandsvertretungen kommt es laut Bundesregierung vermehrt zu Verzögerungen bei der Visa-Ausstellung. Digitalisierte Prozesse könnten dies beschleunigen. Inwieweit das Visa-Verfahren bereits digitalisiert ist, hat die Regierung erläutert.

Im Jahr 2012 führte Finnland als erster Schengen-Staat ein elektronisches und ortsunabhängiges Visa-Verfahren ein. In Deutschland ist die Bearbeitung von Visa-Anträgen „zu einem großen Teil digitalisiert“, wie die Bundesregierung erläutert:

  • Anträge auf Erteilung eines Schengen-Visums können online ausgefüllt werden (VIDEX-Formular).
  • Die Antragsdaten können ab Vorlage des unterschriebenen Antrags mithilfe eines Barcodes auf dem ausgedruckten Antragsformular digital in das deutsche System zur Bearbeitung von Visum-Anträgen (RK-Visa) eingelesen werden. Dies gilt auch für die Fingerabdrücke und das Lichtbild des Antragstellenden.
  • Diese Daten werden dann im vom Bundesverwaltungsamt verantworteten automatisierten Visum-Verfahren digital weiterverarbeitet.
  • Bei nationalen Visum-Anträgen werden Unterlagen, die von beteiligten Behörden, insbesondere den Ausländerbehörden, benötigt werden, derzeit noch überwiegend auf dem Postweg versandt.
  • Nach erfolgreicher Visum-Beantragung wird ein Visum-Etikett in den Pass eingeklebt. Bei Ablehnung des Visum-Antrags erhält der Antragstellende ein Papierschreiben.

Das Papier ist aus dem Visa-Verfahren also noch nicht verschwunden. „Eine volle Digitalisierung des Verfahrens erfordert erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen, insbesondere im Bereich der Informationstechnik“, begründet die Bundesregierung. Eine der größten Herausforderungen bei der Digitalisierung von Visa-Verfahren seien Sicherheitsinteressen, etwa bei der sicheren Verwendung elektronischer Signaturen, der Abnahme von Fingerabdrücken oder der Prüfung der Identität.

Wie geht es weiter?

Aber: Das Verfahren soll verbessert werden, die Bundesregierung befindet sich dazu derzeit in Abstimmung mit anderen Ressorts. So soll insbesondere die Dokumentenübertragung an die im Visa-Verfahren beteiligten Behörden digitalisiert werden. Eine Machbarkeitsstudie der EU-Kommission läuft derzeit.

Auch strukturell gibt es Veränderungen. Im Hinblick auf das geplante Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist eine neue Arbeitseinheit im Auswärtigen Amt geplant. Ab Anfang 2020 sollen Visum-Anträge aus dem Ausland zur Bearbeitung in diese Einheit verlagert werden, um damit die Visa-Stellen im Ausland zu entlasten.

Das Auswärtige Amt plant außerdem ein „Auslandsportal“, das ermöglichen soll, Verwaltungsleistungen der Auslandsvertretungen – wie Visa oder Personalausweis – weitestgehend digital zu beantragen.

Derzeit sind in der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes sowie im IT-Bereich mehrere Referate mit der Digitalisierung des Visa-Verfahrens beschäftigt, im laufenden Jahr sind hierfür fünf Millionen Euro eingeplant. Im Bundesverwaltungsamt sind es zirka 1,2 Millionen Euro.

Im Auswärtigen Amt wird es eine Aufstockung geben: Für das Haushaltsjahr 2020 sind acht zusätzliche Stellen für den IT-Bereich angemeldet sowie 84 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren vorgesehen.

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