„Software, Daten und Menschen“

Digitalisierung ist ein politisches Thema geworden

| Redakteur: Susanne Ehneß

Und wie positioniert sich Ihr Unternehmen zu dem Thema IT-Konsolidierung in der Öffentlichen Verwaltung?

Sahre: Beim Thema IT-Konsolidierung gestaltet sich die Situation etwas schwieriger. Hier plädiere ich sehr dafür, den Mittelstand bei solchen Prozessen zu beteiligen. Denn gerade wenn es darum geht, wie Innovation entsteht, führt an einem funktionierenden Wettbewerb kein Weg vorbei. Innovation entsteht nun einmal durch Wettbewerb. Die Sieger dieses Wettbewerbs können dann gerne standardisiert und konsolidiert werden. Doch um diesen Wettbewerb zu ermöglichen, braucht es entsprechende Regelungen.

Ein Mittel, diesen Wettbewerb zu steuern, ist in meinen Augen die sogenannte Losgröße in Vergabeverfahren. Losgrößen von 40.000 bis 100.000 Beratertagen sind nicht unbedingt mittelstandsfreundlich, sondern eher ein Ausschlusskriterium.

Herr Sahre, wenn Sie vielleicht abschließend Ihre Wünsche darstellen könnten, wie die Digitalisierung nach der Bundestagswahl von der neuen Bundesregierung organisiert werden sollte?

Sahre: Viel diskutiert ist in diesem Kontext momentan die Frage, ob wir zukünftig ein Digitalisierungsministerium brauchen. Gerne möchte ich an dieser Stelle erläutern, welche Gründe für ein Digitalisierungsministerium sprechen und welche dagegen.

Was für ein solches Ministerium spricht, ist der Umstand, dass es damit möglich wäre, Kompetenzen und Know-how zu bündeln. Das eröffnet die Möglichkeit einer strukturierten Steuerung und beugt dem Wildwuchs vor, von dem eGovernment hierzulande leider schon oft gebremst wurde. Mit einer solchen Organisation könnte man Projekte und Programme ganz gezielt abarbeiten.

Im Augenblick kümmern sich mehrere Bundesministerien um das Thema Digitalisierung, da sind Reibungsverluste nie ganz auszuschließen. Und natürlich wäre ein solches Ministerium ein klares Zeichen der Bundesregierung hinsichtlich der Bedeutung des Themas Digitalisierung.

Die Nachteile eines solchen Ministeriums sind darin zu sehen, dass man sich in den anderen Ministerien und Ressorts zurücklehnt und sagt: Na ja, für die Digitalisierung haben wir ja jetzt jemanden, der sich darum kümmert. Ich sage, das wäre fatal. Denn jedes einzelne Ressort muss die Digitalisierung für sich selbst sowohl nach innen wie auch nach außen umsetzen.

Um ein Beispiel zu nennen: In der Landwirtschaft halten zunehmend digitale Techniken Einzug, auch wenn viele mit diesem Wirtschaftszweig noch Traktoren und Weizenfelder assoziieren. Es ist letztlich egal, ob sich das Digitalisierungs- oder das Landwirtschaftsministerium darum kümmert, diese Entwicklung findet so oder so statt.

Deshalb glaube ich nicht, dass alleine die Schaffung eines solchen Ministeriums der Weisheit letzter Schluss wäre. Ich kann mir vorstellen, dass die Eigenverantwortung, die digitale Souveränität jedes einzelnen Ressorts vorhanden sein muss, um der rasanten Entwicklung bei der Digitalisierung gerecht zu werden.

Abschließend komme ich nochmals auf die drei Komponenten Software, Daten und Menschen zurück: Auch, wenn es für die Bereiche Software und Datenhaltung einer zentralen Komponente – also zum Beispiel eines Digitalisierungsministeriums oder einer anderen Koordinierungsstelle – bedarf, geht es am Ende doch um die Frage, wie wir bei der Digitalisierung mit den Mitarbeitern in den einzelnen Abteilungen umgehen und diese für dieses wichtige Vorhaben gewinnen können.

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