eHealth

Digitalisierung in der Medizin – ohne Netzwerk-Überwachung ein Vabanquespiel

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Keine Digitalisierung ohne Cloud

Die Anbindung von Cloud-Anwendungen und virtuellen Umgebungen an das eigene Netzwerk nimmt daher in medizinischen Einrichtungen zu. Denn Cloud Computing bietet die Flexibilität, ohne massiven Investitionsaufwand die eigenen Infrastrukturkapazitäten zu erhöhen. Jeder Fünfte, der auf der Branchenmesse conHIT Befragten, setzt bereits Cloud-Dienste ein. Auch sogenannte Health Clouds, die von einigen IT- und Software-Anbietern beworben werden, finden zunehmend Akzeptanz.

Dennoch gibt es eine Kehrseite der „Cloud“-Medaille: Denn je mehr Prozesse und Anwendungen in einer medizinischen Einrichtung von der Leistungsfähigkeit externer Infrastrukturen abhängen, desto schwieriger wird es, im Fall einer Unterbrechung die Ursache dafür zu finden. Denn die Störung oder gar der komplette Ausfall eines Systems kann sowohl beim externen Cloud-Anbieter liegen als auch in der medizinischen Einrichtung selbst.

Zwar versprechen Cloud-Provider gerne, dass sie ihre Cloud-Services einfach kontrollieren, verwalten und sichern können, eine vollständige Sichtbarkeit über das gesamte System bieten sie jedoch nicht. Kritisch wird dieses Szenario, wenn hier auch etwas überspitzt dargestellt, etwa bei einer OP, bei der der OP-Roboter mit Healthcare-Anwendungen in Echtzeit und dem Remote zugeschalteten Ärztekonsil kommunizieren und Anweisungen ausführen muss.

Cloud-Monitoring ist Pflicht, um Systemausfall zu verhindern

Um die eigenen sowie cloudbasierten Systeme im Blick zu behalten, hilft ein umfassendes Monitoring. Dieses analysiert und überwacht alle ablaufenden Prozesse und Systemkomponenten – interne wie externe. Neben einem passiven Monitoring, das Datenflüsse in externen Anwendungen nur überwacht, sollten zusätzlich aktive Verfügbarkeitstests durchgeführt werden. Steht ein System dennoch still, lassen sich über das Monitoring nicht nur genaue Fehleranalysen durchführen, sondern auch Verantwortlichkeiten feststellen. Sind zum Beispiel externe Cloud-Dienste schuld am Systemausfall? Falls ja, können medizinische Einrichtungen gegebenenfalls Ansprüche geltend machen.

Doch unabhängig davon, ob die medizinische Einrichtung nun auf Cloud Computing, hybride Infrastruktur oder rein auf On-Premise-Systeme setzt, ein umfassendes Monitoring-System der gesamten IT-Infrastruktur sollte Pflicht sein. Denn ein verlässliches Funktionieren des eigenen Netzwerks und somit der kontinuierliche Betrieb, gerade in einem Krankenhaus, sind sonst nur schwer sicherzustellen.

Ebenso ist es wichtig, die Abhängigkeiten aller IT-Anwendungen vom eigenen Netzwerk und untereinander zu kennen. Denn Fehler können eine Kettenreaktion auslösen und sich auf nächste Systemkomponenten auswirken. Im schlimmsten Fall kann der Patient darunter leiden, etwa bei Geräten im OP. Aus diesem Grund ist es essenziell, den Traffic im Netzwerk in Echtzeit zu beobachten. Nur so können Fehler und Probleme, die zu Beeinträchtigungen oder Ausfällen führen können, rechtzeitig erkannt werden.

Monitoring erkennt Anomalien in der IT

Außerdem lassen sich über ein Netzwerkmonitoring Anomalien, die den Geschäftsbetrieb beeinträchtigen können, identifizieren und isolieren – und so gegebenenfalls auch Cyber-Angriffe entdecken. 64 Prozent der deutschen Krankenhäuser wurden laut einer Krankenhausstudie Roland Bergers schon einmal Opfer eines Hackerangriffs. Und je mehr Traffic durch die Übertragung und Verarbeitung hoher Datenmengen entsteht und je mehr Anwendungen an ein Netzwerk angebunden sind, desto schwieriger wird es auch, potenzielle Störquellen im Netzwerk zu lokalisieren und zu beheben.

Der Autor: Martin Klapdor
Der Autor: Martin Klapdor
(Foto Schwarz- Petra Vallentin)

Service Assurance ist A und O für Telemedizin

Das Gesundheitswesen sollte einen störungsfreien IT-Betrieb (Service Assurance) als kritisches und zentrales Zukunftsthema betrachten, denn in keiner Branche hat die Digitalisierung so unmittelbare Auswirkungen auf den Menschen wie hier. Das übergeordnete Ziel muss eine schnellere und bessere Patientenversorgung sein. Jeder dritte Mediziner geht sogar davon aus, dass die Digitalisierung die Lebenserwartung der Menschen verlängert. Organisationen im Gesundheitswesen müssen daher einen Weg finden, Fehler und Störungen in ihren IT-Systemen schnell zu finden und zu beheben, bevor sie zu Systemausfällen führen.

* Der Autor: Martin Klapdor ist Senior Solutions Architect bei Netscout Systems.

(ID:45042193)