Interview

Digitalisierung erzwingt Neuorientierung

| Autor: Manfred Klein

Wir reden doch schon seit den 1970er Jahren über die Informatisierung der Verwaltung? Dennoch funktioniert die Verwaltung in weiten Bereichen noch ziemlich analog, auch wenn der Einsatz der Informationstechnologie natürlich beständig angestiegen ist. Wo­ran liegt's?

Müller: Wenn die vergangenen 20 Jahre im eGovernment als Übersetzung von analogen Prozessen ins Digitale verstanden wurde, also als Effizienzsteigerungsmaßnahme, dann ist die Digitalisierung von Verwaltung als Übertragung von emotional besetzten Themen, wie Rechtssicherheit und Umverteilung, auf eine neue Organisationslogik zu werten. Konkret heißt das, dass jede Organisationseinheit ihre Strategie, ihre Organisationslogik beziehungsweise ihr Vorgehensmodell reflektieren muss.

Dieser Wandel geht also nicht nur die IT-Abteilungen an. Das findet seinen Ausdruck inzwischen auch in den Organisationsstrukturen von Unternehmen, indem etwa neben dem Chief Information Officer (CIO) ein Chief Digital Officer (CDO) etabliert wird. Deren Aufgabe ist es, als Sparringpartner des Chief Executive Officers (CEO), die strategische und organisatorische Transformation der Organisation zu gestalten.

Was bedeutet das für die Verwaltung?

Müller: Die mitteleuropäische Verwaltung, insbesondere in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz ist die beste, die es auf diesem Planeten gibt. Verwaltung wurde hier erfunden, egal ob wir uns auf Stein-Hardenberg, Montgelas, Maria Theresia oder Max Weber beziehen. Die Grundprinzipien dieser Verwaltung – zum Beispiel Rechtsstaatlichkeit, Legalität, Effizienz, verbunden mit einer Sensibilität für Umverteilungs- und Infrastrukturprobleme und gesellschaftliche Folgewirkungen – müssen wir auch in der Digitalisierung bewahren. Aber eben nicht, indem wir eAkten als elektronische Papierakten übersetzen, sondern indem wir die Kollaboration und Wissensmanagement zwischen den beteiligten Referenten, Abteilungsleitern, Staatssekretären ermöglichen.

Wie bringen Sie sich in diesen Gestaltungsprozess ein?

Müller: Die IT-Industrie hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Da wir bei CSC relativ früh damit begonnen haben, uns mit den Folgen zu beschäftigen, sind wir jetzt in dem Bereich, den wir Next-Generation-Technology nennen, oft weiter als unsere Mitbewerber. Deutlich wird das zum Beispiel bei den Themen Enterprise Cloud und Managed Security Services. Und unsere Fachberater verstehen die Logik digitaler Geschäftsprozesse. Wir halten den Rahmenvertrag für Wissensmanagement, Kollaboration und Web 2.0 der Bundesbehörden und haben die Stadt Wien bei ihrer Digitalen Agenda begleitet.

Wir sehen unsere Rolle also einerseits in der strategischen Beratung und helfen unseren Kunden die Digitalisierungsfragen anzugehen, begleiten unsere Kunden aber auch andererseits als „Systeminegratoren“ bei der konkret Umzusetzung. Beim Thema eAkte sieht man das schön. eAkte-Projekte können einfache Effizienzsteigerungsprojekte sein oder aber die die Art und Weise wie wir zusammenarbeiten, grundlegend verändern. Als Software-unabhängiges Unternehmen können wir da mit unseren Kunden gemeinsam an der fachlich sinnvollsten Lösung bauen.

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