Archive des Bundes

Digitalisierung der Stasi-Unterlagen

| Autor: Susanne Ehneß

Hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter am Abhörstützpunkt um 1980
Hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter am Abhörstützpunkt um 1980 (© BStU)

Die vollständige Digitalisierung aller Aktenbestände des Staatssicherheitsdienstes (Stasi) der ehemaligen DDR wird schätzungsweise 253 Millionen Euro kosten. Auch das Bundesarchiv wird nach und nach in ein digitales Archiv überführt.

Die Digitalisierung aller Aktenbestände des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) einschließlich des Archivs an Audio- und Videoaufnahmen sowie an Fotos wird etwa 253 Millionen Euro kosten. Weitere 50 Millionen Euro würden für den Aufbau und die laufende Unterhaltung eines digitalen Magazins anfallen, schätzt die Bundesregierung.

Seit Juni 2018 kann die Ausstellung „Einblick ins Geheime“ in Berlin besucht werden. Sie gibt einen Einblick in 111 Kilometer Stasi-Akten:

In der Zentralstelle und der Außenstelle Schwerin seien bereits Scanstrecken eingerichtet worden. Ein Digitalisierungszentrum sei im Aufbau. Der Anteil der Digitalisierung divergiere abhängig von der Archivgutart sehr stark und liege zwischen 0,2 Prozent bei Schriftgut und 53 Prozent bei Tondokumenten.

Bei der Digitalisierung wurden die AV-Medien priorisiert, da diese in vielen Fällen besonders von Zerfall und Informationsverlust bedroht seien:

  • Aufbau von Tonstudios seit 2008,
  • Fotodigitalisierung seit 2010,
  • Videodigitalisierung seit 2013.

Seit 2014 wird ein archivgerechtes Speichersystem aufgebaut. Das 2017 erarbeitete „Fachkonzept Bestandserhaltung“ beschreibe die Grundlagen für die weitere Digitalisierungsstrategie.

Archive digitalisieren

Zu den im Zuständigkeitsbereich der Bundesregierung betriebenen Archiven von „nationalhistorischer Bedeutung“ gehören neben der Stasi-Unterlagenbehörde auch das Bundesarchiv und das Politische Archiv des Auswärtigen Amts.

„Bei der Digitalisierung von Archivgut geht es um eine möglichst originalgetreue Wiedergabe des Originals, um dem Nutzer des Digitalisats – soweit technisch möglich – alle Informationen, die das Original enthält, zugänglich zu machen. Die Digitalisierung ersetzt dabei nicht das Original, verlangt aber neben einmaligen Herstellungskosten periodisch weitere administrative und konservatorische Maßnahmen bei Hard-/Software- und Formatwandel“, heißt es in der ausführlichen Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion.

Für eine fachgerechte Digitalisierung und die Verwahrung der Digitalisate seien daher „professionelle Strukturen, eine hochgradig entwickelte Fach-IT, technische Ausstattung und Fachpersonal vonnöten“. Daneben seien die Sicherung, die Authentizität und die Integrität der Digitalisate in einem digitalen Archiv dauerhaft zu gewährleisten, damit auch künftige Nutzer ein unverfälschtes und vollständiges Digitalisat zur Verfügung stehe. Die Nutzung von Digitalisaten im Internet setze aufgrund personenbezogener Informationen außerdem ein „ausgefeiltes Rechtekonzept“ voraus.

Die Bundesregierung erläutert: „Für originär digitale Formen wurde im Rahmen des Teilprojekts 6 ‚Dienstekonsolidierung‘ der IT-Konsolidierung Bund das Handlungsfeld ‚Dokumentierte Verwaltungsarbeit unterstützen‘ definiert. Eine Kernaktivität ist dabei die Etablierung einer gemeinsamen IT-Lösung zur Langzeitaufbewahrung und Zwischenarchivierung von Akten, Vorgängen und Dokumenten sowie einer Schnittstelle zum digitalen Archiv des Bundesarchivs. Die IT-Lösung wird durch die IT-Maßnahme ‚Digitales Zwischenarchiv des Bundes‘ (DZAB) realisiert.“

Auf der nächsten Seite: Digitalisierung im Bundesarchiv & Umsetzung der Digitalstrategie.

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