Digitale Modellregionen in NRW

Digitalisierung als Wettbewerbsvorteil

| Autor: Manfred Klein

Digitalisierungsminister Andreas Pinkwart im Gespräch mit Vertretern der Modellkommunen
Digitalisierungsminister Andreas Pinkwart im Gespräch mit Vertretern der Modellkommunen (Bild: MWIDE / Lichtenscheidt)

In Gelsenkirchen fand die Auftaktkonferenz der Digitalen Modellregionen NRW statt. Das Projekt, dass sich das Land Nordrhein-Westfalen 91 Millionen Euro kosten lässt, soll Kommunen und Kreise bei der Digitalisierung ihrer Verwaltung unterstützen.

Die erste Modellregion – nämlich Ostwestfalen-Lippe – wurde bereits im Herbste des vergangenen Jahres bestimmt. Inzwischen wurden zusammen mit den kommunalen Spitzenverbänden, den Regierungspräsidenten und den Stadtspitzen in vier weiteren Regierungsbezirken je eine Modellkommune bestimmt:

  • Aachen und die Städteregion sind aufgrund der exzellenten Forschungsinfrastruktur, der Lage und des digitalHUB für Modellprojekte und internationale Kooperationen ideal geeignet.
  • Soest als Oberzentrum des Kreises bietet sich als digitaler Erprobungsraum in ländlichen Regionen an. Projekte sollen mit Partnern – wie dem Landkreis Soest, Lippstadt und Iserlohn – entwickelt werden.
  • Wuppertal ist mit mehr als 300.000 Einwohnern ein gutes Testfeld für digitale Großstadtprojekte. Mit dem Forschungspotenzial u.a. der Bergischen Universität sollen diese Vorhaben auch gemeinsam mit Solingen und Remscheid umgesetzt werden.
  • Gelsenkirchen kann auf die Digitalisierungs-Initiative „Smart Region“ im Rahmen von Umbau 21 in der Emscher-Lippe-Region aufsetzen. Westfälische Hochschule und Hochschule Ruhr West sind bereits gut eingebunden.

Die nun auf der Konferenz vorgestellten Projektideen reichen von Konzepten für digitale Bildungs- und Lernräume und Vorhaben in den Bereichen Mobilität, Handel, Sicherheit sowie smarte Energie bis hin zu digitalen Lösungen im Gesundheitswesen, vor allem bei der Vernetzung leistungsstarker Kliniken in den Modellregionen.

Dazu Minister Dr. Andreas Pinkwart: „Es ist beeindruckend, wie weit die Ideen in den Modellkommunen bereits entwickelt sind. Ich freue mich sehr, dass wir durch das Engagement aller Beteiligten ohne Zeitverzug starten können. Durch die intensive Zusammenarbeit bei vielen tollen Vorhaben entsteht bereits in dieser frühen Phase eine große Dynamik, die auch über die Stadtgrenzen hinauswirkt.“

Pinkwart weiter: „Wir gehen große Schritte auf dem Weg zum digitalen Bürgeramt. Bereits bei der Ausarbeitung der Konzepte legen wir Wert darauf, dass die innovativen Projekte vor Ort auf ganz Nordrhein-Westfalen übertragen werden können. Die Modellkommunen agieren als partnerschaftliche Innovationstreiber und tauschen ihre wertvollen Erfahrungen mit den Städten und Gemeinden im Land aus.“

Der Oberbürgermeister der Modellregion Gelsenkirchen, Frank Baranowski, erklärte dazu: „Wir wollen einen ganzheitlichen Ansatz, der die gesamte Stadt voranbringt – nicht nur vereinzelte technische Lösungen“, erläuterte Oberbürgermeister den speziellen Ansatz der „Vernetzten Stadt“. „Wir wollen Menschen, Institutionen, Unternehmen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen vernetzten.“

Entscheidend in diesem Zusammenhang ist für Baranowski eine gut ausgebaute Glasfaserinfrastruktur. „Schon jetzt haben mehr als 93 Prozent aller Gelsenkirchener Internetzugang mit über 50 Mbit/s, alle 86 Gelsenkirchener Schulen haben Netzzugang in Gigabit-Geschwindigkeit, sämtliche Gewerbegebiete ebenfalls. Dazu gibt es in der Stadt über 260 Hotspots mit freiem WLAN“, betonte Baranowski bei dem Treffen.

Die gute Glasfaserinfrastruktur eröffne zudem die Grundlage für weitere Digitalisierungsvorhaben, die im Rahmen der digitalen Modellregionen auf zwei Standbeinen fußen: Zum einen geht es um Digitalisierungsprojekte innerhalb der Stadtverwaltungen (eGovernment) und zweitens um digitale Stadtentwicklung.

Im Rahmen der Digitalisierung der Verwaltung befänden sich bereits eine Reihe von Maßnahmen in Vorbereitung, wie beispielsweise der digitale Bewohnerparkausweis, ein digitaler Assistent für Bürgeranliegen, elektronische Beantragung von Genehmigungen oder das elektronische Gewerberegister. Im Bereich der digitalen Stadtentwicklung plant die Stadt eine Art Laborsituation, in dem städtische Strukturen auf überschaubarem Raum digitalisiert und die neuen Möglichkeiten experimentell getestet werden.

„Von den Impulsen, die von der digitalen Modellstadt Gelsenkirchen ausgehen, wird die ganze Emscher-Lippe-Region profitieren.“ Davon ist IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer überzeugt. „Das ist weit mehr als nur ein Imagegewinn“, sagte der Unternehmer. Die Digitalisierung bezeichnete er zudem als „das Fundament, auf dem das wirtschaftliche Wachstum der Zukunft entsteht“.

Die IHK Nord Westfalen werde gemeinsam mit der Stadt prüfen, „wie sich Unternehmen in die Projekte der digitalen Modellstadt einbringen können, sodass die Wirtschaft in der Emscher-Lippe-Region insgesamt von der Vorreiterrolle Gelsenkirchen profitiere. Fest steht für Hüffer: „Durch die Digitalisierung werden die Karten im Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte neu gemischt. Wer jetzt die Chancen der Digitalisierung nutzt, der kann künftig zu den Gewinnern gehören“.

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