Schleswig-Holstein

Digitalisierung als Leitlinie in die Zukunft

| Autor: Manfred Klein

Wie sollen die Vorhaben aus der Digitalen Agenda genau umgesetzt werden?

Reinhardt: Zur Umsetzung der strategischen Vorhaben beschreibt die Agenda eine Vielzahl von Maßnahmen. Dabei gibt es fünf verschiedene Handlungsoptionen: Die Politik kann eine kooperierende Rolle einnehmen, Themen fokussieren und Akteure vernetzen, Unternehmen und Netzwerke fördern, Modellvorhaben pilotieren oder selbst Lösungen und Angebote betreiben. Je nach Themenbereich gibt es unterschiedliche Priorisierungen.

Losse-Müller: Beispielsweise unterstützt die Landesregierung die Fachhochschule Kiel dabei, eine Kultursphäre für das Land Schleswig-Holstein zu konfigurieren und aufzubauen. Damit verbunden ist die Einrichtung einer Datenbank, die geobasiert Kulturangebote in einer App zusammenführt und Schnittstellen zu bestehenden Webseiten aufbaut. Die erste Projektphase ist bereits abgeschlossen.

Sie haben um die 40 Workshops innerhalb der Landesregierung und mit externen Experten durchgeführt. Gab es dabei Widerstände und Herausforderungen, die Sie überwinden mussten?

Losse-Müller: Den Erstellungsprozess der Agenda haben wir in der Staatskanzlei gesteuert. Wir haben dabei externe Unterstützung durch Capgemini hinzugezogen. Aus den fachlichen Themenbereichen der Landesregierung haben die entsprechenden Verantwortlichen teilgenommen, darunter die jeweiligen Staatssekretäre und Abteilungsleiter der sieben Ministerien. So hat jedes Ressort, unabhängig von den strategischen Kernthemen, die Möglichkeit genutzt, zusätzliche Digitalisierungsvorhaben in der Ressortzuständigkeit zu benennen.

Ziel der Digitalen Agenda war es, die Entscheidungsträger abzuholen und zu einem gemeinsamen Konsens in der Digitalisierung zu kommen. Das positive Narrativ und eine pragmatische Umsetzungsorientierung haben Digitalisierung innerhalb kürzester Zeit als politische Priorität in Schleswig-Holstein verankern können. Die intensive Beteiligung aller Ministerien und lokaler digitaler Champions hat zu einer Bündelung und Stärkung geführt. Methodisch wurde die Digitalisierung zunächst im jeweiligen Themenbereich breit betrachtet. In einem zweiten Schritt wurden ausgewählte Themen priorisiert, in einem dritten Schritt in strategische Vorhaben zusammengefasst.

Was ist der Hintergrund der ­Digitalen Agenda?

Losse-Müller: Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck – im Mittelpunkt steht immer eine Herausforderung, die mit digitalen Möglichkeiten besser als bisher gelöst werden kann. Stellen Sie sich etwa die Landwirtschaft und Tierhaltung vor: Digitalisierung hilft, hochwertige Produkte mit hohen ökologischen Ansprüchen zu verbinden. Bei den digitalsten Milchbauern in Schleswig-Holstein tragen die Kühe Sensoren an den Beinen, die Schrittzahlen messen. Um Verbrauchern umweltverträglich und nach hohen Kontrollstandards beste Erzeugung bieten zu können, wird das Lauf- und Fressverhalten der Kühe digital ausgewertet. Nur die Produkte gesunder Tiere fließen in die Lebensmittelerzeugung ein.

Welche Auswirkungen hat die Digitale Agenda auf die Digitalisierung der Verwaltung in Schleswig-Holstein?

Reinhardt: Die Digitalisierung der Verwaltung wurde für Schleswig-Holstein bereits vor Erstellung der Digitalen Agenda in einer eGovernment-Strategie angegangen. Hier ändert sich durch die Digitale Agenda nicht viel. Es ist eher so, dass die Digitale Agenda den Betrachtungswinkel nach außen richtet, auf all die Politikbereiche, die die Verwaltung begleitet und wo durch die Digitalisierung neue Handlungsbedarfe – aber auch neue Möglichkeiten entstehen. Daraus ergeben sich dann allerdings auch wiederum Anpassungsbedarfe für die Verwaltung selbst – es wird also auch in den kommenden Jahren nicht langweilig werden.

Wie geht es jetzt nach der Wahl weiter?

Losse-Müller: Die Digitale Agenda ist breit getragen. Adressaten sind die Bürgerinnen und Bürger und Verantwortungsträger in allen Bereichen. Auch die Ressourcenplanungen und Projekte der Ressorts haben einen Fokus auf die Digitalisierung gelegt. So ist beispielsweise das Budget für eGovernment-Projekte in den vergangenen Jahren deutlich erhöht worden, allein um zehn Prozent innerhalb des vergangenen Jahres. Leuchtturmprojekte, wie Piloten für Lernen mit Digitalen Medien, eine Aufstockung des Budgets für Medienkompetenz, Programme für Glasfaseranschlüsse für Schulen und freies WLAN in öffentlichen Gebäuden, sind entscheidend durch die Agenda befördert worden. Auch wenn ein genauer Zuschnitt der Regierung aktuell noch nicht klar ist, sollte die Digitale Agenda von der künftigen Regierung umgesetzt und weiterentwickelt werden.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Ich finde das Vorhaben mit dieser Agenda sehr gut. Die Politik sollte nicht nur den digitalen...  lesen
posted am 06.06.2017 um 15:50 von Unregistriert


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 44693505 / Projekte & Initiativen)