Bayerische Polizei Digitalfunk und Messenger ergänzen sich

Redakteur: Susanne Ehneß

Die Bayerische Polizei hat erkannt, welche Vorteile ein sicherer Messenger für die Einsatzkommunikation und -koordination sowohl im Polizeialltag als auch bei Großgefahrenlagen hat. Um das führende Kommunikationsmittel, den Digitalfunk, optimal zu ergänzen, sind die Einsatzkräfte zusätzlich mit einem Dienst-Smartphone ausgestattet. Damit können sie über einen Messenger Textnachrichten sowie breitbandige Audio-, Foto- und Videodateien verschicken.

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Der erste Test mit 80 Installationen fand im Rahmen des Oktoberfests 2016 statt
Der erste Test mit 80 Installationen fand im Rahmen des Oktoberfests 2016 statt
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Die Bayerische Polizei ist mit rund 44.000 Beschäftigten eine der größten Polizeibehörden Deutschlands. Während des Amoklaufs im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ), der sich im Juli 2016 in München ereignete, sahen sich die Polizisten vor Ort und im Führungsstab mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Viele – auch multimediale - Informationen mussten innerhalb kürzester Zeit allen Einsatzkräften zur Verfügung gestellt werden. Über den Digitalfunk war dies jedoch nur mittels Sprache und Kurznachrichten möglich, weshalb teilweise eine uneinheitliche Informationslage vorlag.

„Schnell war klar, dass es eine ergänzende Kommunikationslösung zum Digitalfunk braucht“, erläutert Alexander Stöbrich von der IuK-Koordinierungsstelle der Bayerischen Polizei. „Einerseits musste diese Lösung DSGVO-konform sein, unseren hohen polizeilichen Sicherheitsstandards entsprechen und unsere Compliance-Vorschriften erfüllen. Andererseits musste sie so funktional und einfach in der Handhabung sein wie die beliebten Messenger, die wir aus dem privaten Bereich kennen.“

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Eine weitere Anforderung war, dass sich die Anwendung sowohl auf dem Smartphone als auch dem Desktop-PC nutzen lässt. „Über unseren Vertragspartner im Bereich Mobilfunk konnten wir den sicheren Messenger von Teamwire beziehen, der uns letztlich überzeugt hat“, so Stöbrich.

Oktoberfest als Anforderungstest

Bevor der Messenger 2017 bayernweit zum Einsatz kam, durchlief er zunächst mehrere Testphasen. Der erste Probelauf mit 80 Installationen fand im Rahmen des Oktoberfests 2016 statt. Bei einem erweiterten Probelauf mit circa 300 Installationen zeigten sich erste Optimierungsbedarfe. So war es erforderlich, die maximale Gruppengröße von 50 auf 300 Teilnehmer zu erhöhen. Gleichzeitig galt es, die Login-Maske anzupassen.

Anstatt sich mit Vor- und Nachnamen anzumelden, sollte dies aus polizeitaktischer Sicht über den Funkrufnamen aus dem Digitalfunk möglich sein. „Das erleichtert die Einsatzsteuerung. Denn das Streifenteam ist damit sowohl über Digitalfunk als auch über den Messenger unter gleichem Namen erreichbar“, erklärt Thomas Lachmann, Polizeioberrat bei der Abteilung Einsatz im Polizeipräsidium Mittelfranken und Promoter für das Programm „Mobile Police". Ab 2017 wurden die Polizeiverbände in Bayern sukzessive mit Smartphones, auf denen Teamwire vorinstalliert war, ausgestattet. Aktuell gibt es davon rund 20.000; weitere sollen folgen.

Vertrauen schaffen, Nutzerakzeptanz steigern

„Die Kollegen waren zunächst froh, ein Smartphone als zusätzliches Kommunikationsmittel zu haben“, erinnert sich Thomas Lachmann. „Da sie in der Anfangsphase nur Teamwire und lediglich einige wenige weitere Apps nutzen konnten, waren ihnen die Vorteile auf Anhieb nicht ganz klar. Hier galt es, Verständnis für die Themen Datenschutz und -sicherheit zu schaffen und die Mehrwerte des Messengers zu vermitteln.“

Neben Mitarbeiterschulungen gab und gibt es bei jeder Dienststelle mindestens einen Verantwortlichen, einen sogenannten „Multi(plikator)“, der als Ansprechpartner fungiert. Als dann immer mehr polizeiliche Apps dazu kamen, stieg entsprechend auch die Akzeptanz dieses neuen Führungs- und Einsatzmittels. „Mittlerweile nutzt nicht nur die Schutzpolizei Teamwire rege, sondern auch unsere geschlossenen Einheiten, sowie die Kriminalpolizei und auch die Führungskräfte“, freut sich Lachmann. „Das zeigt uns, dass wir die Weichen richtig gestellt haben.“

Bilder sagen mehr als tausend Worte

Um schnellstmöglich alle relevanten Informationen an die zuständigen Einsatzkräfte zu versenden, nutzt die Bayerische Polizei einsatzspezifische Chatgruppen für einzelne Einsatzabschnitte, etwa Ost, Mitte, West und Nord. Zugleich gibt es für jede Fahndung einen separaten Gruppenchat. Ereignet sich beispielsweise ein Tankstellenraubüberfall, kann die Einsatzkraft entweder eine kurze Videosequenz der Überwachsungskamera abfilmen oder sie als Bild abfotografieren – und es dann als Fahndungsfoto rasch verteilen.

Ohne den Messenger müsste sie die Personenbeschreibung mündlich an die Einsatzzentrale kommunizieren, die diese wiederum als Funkspruch oder schriftliche Nachricht weitergibt. „Fotos und Videos in Teamwire zu teilen, löst das Sender-und-Empfänger-Problem“, weiß Lachmann. „Nicht jeder hat bei einer mündlichen Beschreibung das gleiche Bild vor Augen. Der Messenger ändert das.“

Datenschutz hat Vorfahrt

Aufgrund datenschutzrechtlicher Vorgaben wurde die Funktion „Chat schließen“ implementiert. Damit lassen sich abgeschlossene Fahndungs-Chats (z. B. nach dem Auffinden von vermissten Personen) durch den Chatadministrator sperren. Des Weiteren werden alle Chats nach fest definierten Intervallen automatisch gelöscht. Daten, die im Messenger entstehen sind vollständig verschlüsselt. „Teamwire garantiert uns nicht nur ein Maximum an Datensouveränität, sondern auch in Sachen Datenschutz und -sicherheit“, ergänzt Stöbrich. Eine wichtige Messenger-Funktion, die selbstverständlich auch alle datenschutzrechtlichen Vorgaben und Erfordernisse beachtet, ist das freiwillige Teilen von Live-Locations. Sie kommt z. B. zum Einsatz, um Echtzeit-Standorte von Einsatzfahrzeugen zu übermitteln.

Schnellere Fahndungserfolge und Zukunftspläne

Seitdem die Bayerische Polizei den sicheren Messenger einsetzt, trägt dieser in vielen Fällen zu schnellen Fahndungserfolgen bei. „In konkreten Zahlen lässt sich das eher schwer beziffern“, erklärt Thomas Lachmann. „Ich erinnere mich jedoch noch sehr gut an einen Vermisstenfall, bei dem eine Mutter ihr schwerbehindertes Kind in der vollen Innenstadt verloren hatte. Glücklicherweise hatte sie ein aktuelles Foto dabei, das wir über den Messenger verteilt haben. Innerhalb weniger Minuten konnte eine Streife das Kind ausfindig machen. Die Mutter war heilfroh.“ Ergänzend zum Digitalfunk hat die Bayerische Polizei mit Teamwire eine Lösung gefunden, die die Einsatzkommunikation und -koordination nachhaltig verbessert. „Gemeinsam bilden sie ein unschlagbares Duo“, lobt Lachmann. „Für die Zukunft planen wir, weitere Funktionen zu nutzen. Unsere Wünsche haben wir bereits formuliert.“

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