Mehr Bildung durch IT Digitaler Unterricht für die Bildungsrepublik

Redakteur: Manfred Klein

Mit dem Exzellenzprojekt „Die besten Lehrkräfte für Deutschlands Schulen der Zukunft!“ will die Initiative D21 e. V., den Einsatz digitaler Medien im Unterricht fördern. Im Vorfeld des Bildungsgipfels der Bundesregierung rügt die Initiative den IT-Rückstand an den Schulen.

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Partner des D21-Projekts: Prof. Ewald Terhart (Mitglied des Projektbeirats, Universität Münster), Hannes Schwaderer (Geschäftsführer Intel), Claudia Mrotzek (Manager Government Affairs, Oracle), Prof. E. Jürgen Zöllner (Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Berlin)
Partner des D21-Projekts: Prof. Ewald Terhart (Mitglied des Projektbeirats, Universität Münster), Hannes Schwaderer (Geschäftsführer Intel), Claudia Mrotzek (Manager Government Affairs, Oracle), Prof. E. Jürgen Zöllner (Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Berlin)
( Archiv: Vogel Business Media )

Bildung ist in diesem Jahr in Deutschland Chefsache. Das Bundeskabinett hat im Januar die Qualifizierungsinitiative „Aufstieg durch Bildung“ beschlossen, um das deutsche Aus- und Weiterbildungswesen zu verbessern und so zur Sicherung von Wachstum und Beschäftigung beizutragen. Seinen vorläufigen Höhepunkt soll das Bildungsthema am 22. Oktober in Dresden finden. Hier soll auf dem Nationalen Bildungsgipfel zwischen Bund und Ländern über neue Strategien und Perspektiven diskutiert werden. Obwohl der große IT-Rückstand des Bildungs- und speziell des öffentlichen Schulwesens im internationalen Vergleich bekannt ist, steht er nicht auf der Agenda. Und dies, wenngleich die Bundesrepublik laut PISA-Studie im OECD-Vergleich das Land ist, „in dem der Computer am seltensten als Lernwerkzeug im Unterricht eingesetzt wird.“

Auch eine Forsa-Umfrage belegt: Zwei Drittel der Schüler an deutschen Schulen arbeitet weniger als zwei Schulstunden pro Woche mit dem Computer, obwohl 87 Prozent der befragten Schüler der Auffassung sind, dass Computerkenntnisse für ihre berufliche Zukunft wichtig oder sogar sehr wichtig sein werden. Besonders den vielen älteren Lehrkräften in den Kollegien attestiert die Studie zudem nur sehr geringe Fertigkeiten beim Umgang mit Neuen Medien.

Überfällige Reform des Bildungswesens

So überrascht es nicht, dass sich Schüler vor allem im privaten Bereich mit Computer und Internet auseinandersetzen: 58 Prozent geben an, dass sie sich ihre Computerkenntnisse selbst beigebracht hätten. Dabei greifen die jungen Menschen auf eine häusliche IT-Ausstattung zurück, die deutlich über dem OECD-Durchschnitt liegt. Deutschland weist mittlerweile die größte Differenz zwischen schulischer und häuslicher Nutzung digitaler Medien auf. Schon macht unter Wissenschaftler das Wort von einer digitalen Spaltung zwischen der institutionellen Lern- und der privaten Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen die Runde.

Eine Öffnung der staatlichen Einrichtungen im Hinblick auf digitale Technologien und vernetztes, außerschulisches Wissen ist also überfällig. Angesichts der anstehenden Pensionierungswelle von Lehrkräften in den nächsten Jahren bietet sich derzeit die seltene Gelegenheit für eine effektive Reform.

Mit dem Exzellenzprojekt „Die besten Lehrkräfte für Deutschlands Schulen der Zukunft!“ hat sich die Initiative D21 e.V. zusammen mit den Partnerunternehmen Intel und Oracle sowie weiteren Unterstützern aus der Privatwirtschaft (unter anderem Fujitsu Siemens Computers, O2, Air Berlin, DIE ZEIT) Antworten auf diese Fragen gesucht.

Im Rahmen von Pilot-Workshops wurden erstmals rund 100 ausgewählte Referendare, Schulleiter und Lehrkräfte aus den Bundesländern Berlin, Brandenburg und Hessen eingeladen. Zusammen mit zahlreichen Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft wurden Vorschläge zur Lehrerbildung und Unterricht im Kontext des Vernetzung, kooperatives Arbeiten und selbstorganisiertes Lernen mittels Neuer Medien kompensieren.

Ein wichtiger Punkt ist die Anschaffung, Bereitstellung und Wartung von IT-Hardware. Die bisherigen Erfahrungen mit einer meist durch kommunale oder regionale Behörden verwalteten Medienausstattung und die damit einhergehenden bürokratischen Hindernisse erfordern ein Umdenken. Auch separate Computerräume sind nicht mehr zeitgemäß.

Der nächste Schritt muss deshalb die Einbindung der sehr guten privaten Ausstattung von Lehrern und Schülern sein, um die Trennung von Freizeit- und institutionellen Geräten mittelfristig aufzuheben. Die Vorteile liegen auf der Hand: Eine Entlastung öffentlicher Haushalte, des Lehrpersonals und ein bewussterer Umgang aller Beteiligten mit der eigenen Technik. Steuerliche Anreize für Privathaushalte bei der Beschaffung und verbesserte Rahmenbedingungen für die IT- und Softwarehersteller könnten diese Strategie politisch noch unterstützten.

Gesellschaftliches Klima

Nach Abschluss der Pilotphase des Projekts 2008 besteht bei den Mitwirkenden große Einigkeit: Der Standort Deutschland ist auf die Ressourcen Wissen, Kreativität und Innovation angewiesen. Ein gesamtgesellschaftliches Klima, das neue Ideen und die Nutzung von virtuellen Gestaltungsräumen zum Experimentieren und Forschen schon im Kindesalter fördere, sei darum entscheidend für den Erfolg künftiger Generationen und die Prosperität des Landes. Ohne die konsequente Einbindung digitaler Medien in den Schulalltag könne die von der Bundeskanzlerin postulierte „Bildungsrepublik“ jedoch nicht verwirklicht werden. Bei der Bewältigung dieser Aufgaben seien alle gefordert, die für die Bildung und Erziehung Verantwortung tragen: Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Daher steht die Exellenzinitiative auch anderen Bundesländern und Kommunen offen.

Dass jedoch einige Länder schon auf dem richtigen Weg sind, zeigt Rheinland-Pfalz mit seinem Projekt Medienkompetenz macht Schule (siehe Seite 29).

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(ID:2017019)