Medizin 4.0

Digitale Revolution im Gesundheitswesen: Status quo und Ausblick

Seite: 3/3

ConhIT verbindet Gesundheit mit innovativer IT

Eine gute Gelegenheit, den aktuellen Stand zu erleben, bietet vom 25. bis 27. April die 10. ConhIT. Der Veranstaltungs-Mix aus Messe, Kongress, Akademie und Networking-Events hat sich zum Ziel gesetzt, zu zeigen, wie IT die Versorgung im Gesundheitswesen qualitativ verbessern und Institutionen im Wettbewerb unterstützen kann. Unter dem Motto „Wir verbinden Gesundheit mit innovativer IT“ stehen unter anderem die Themen Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft und in Krankenhäusern, Informations- und IT-Sicherheit, intersektorale Vernetzung sowie der Nutzen des Internet of Things (IoT) im Fokus. „Ohne IT ist das deutsche Gesundheitswesen in Zukunft einfach nicht mehr vorstellbar“, betont Ekkehard Mittelstaedt, Geschäftsführer des Bundesverbands Gesundheits-IT (BVITG) und Veranstalter der ConhIT.

conhIT 2016
Bildergalerie mit 26 Bildern

Doch bessere Patientenversorgung und Arbeitserleichterungen für das medizinische Fachpersonal sind nur ein treibender Faktor, die IT besser in den Healthcare-Markt zu integrieren. „Der deutsche E-Health-Markt dürfte dieses Jahr Schätzungen zufolge einen Umsatz von fast 400 Mio. Euro generieren. Hier steckt enormes Potenzial, auch für ausländische Investoren“, lenkt Julia Rühle als E-Health-Expertin bei Germany Trade & Invest den Blick auf das Marktpotenzial.

Bildergalerie

BVITG-Positionen zur Bundestagswahl 2017

Nicht zuletzt, um hieran zu partizipieren, hat der BVITG auf seiner Mitgliederversammlung im März Positionen zur Bundestagswahl 2017 vorgestellt. Darin fordert der Verband von der kommenden Bundesregierung ein klares Bekenntnis zur konsequenten Digitalisierung des Gesundheitswesens. Als wichtiges Handlungsfeld wird insbesondere die Entwicklung eines nationalen E-Health-Zielbildes identifiziert. „Die Gesundheitswirtschaft ist eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und die Gesundheits-IT eine Branche mit enormen Potenzialen. Fairer Wettbewerb ist dabei der Treiber, den es zu schützen gilt“, betont Mittelstaedt. „Zusätzlich brauchen die Anbieter und Anwender Planungssicherheit und Klarheit über die anstehenden Entwicklungen in der Gesundheitsversorgung. Gemeinsam mit allen Akteuren benötigen wir eine Vision, aus der sich konkrete und messbare strategische Ziele für die Versorgungslandschaft und Gesundheitswirtschaft ableiten lassen.“

Die aktuelle Bundesregierung habe sich intensiv mit der Digitalisierung des Gesundheitssystems auseinandergesetzt und dahingehend wichtige, längst überfällige Impulse gesetzt, heißt es seitens des Verbandes. Im Hinblick auf die nächste Legislaturperiode gehe es nun darum, diese Impulse aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat derweil schon erklärt, bei einer Wiederwahl im Herbst die Digitalisierung von Wirtschaft, Verwaltung und Bildung stärker als bisher vorantreiben zu wollen. In den nächsten vier Jahren müsse den Menschen „möglichst schnell Zugang zur digitalen Erledigung all ihrer Kontakte mit dem Staat gegeben werden“. Das kündigte die Kanzlerin Ende März bei einem Treffen mit Start-up-Unternehmern aus dem Digitalbereich und Netzpolitikern in Berlin an.

Plattform für Deutschlands größtes Telemedizin-Projekt

Doch die digitale Revolution ist auch eine Frage der Infrastruktur. Für die sorgt unter anderem die Deutsche Telekom. Als Projekt mit Modellcharakter hat deren Tochter Telekom Healthcare Solutions (THS) schon vor zwei Jahren gemeinsam mit dem Carus Consilium Sachsen (CCS) eine Plattform für Deutschlands größtes Telemedizin-Projekt entwickelt. Darauf aufbauend soll nun am Klinikum St. Georg in Leipzig ein Antibiotikanetzwerk und -register als zentrale Befundungs-, Beratungs- und Registerstelle mit höchsten Standards für Patienten mit Infektionskrankheiten entstehen. „Nur durch eine Vernetzung und Zusammenarbeit von Experten auf dem Gebiet von Infektionskrankheiten mit Kliniken, Ärzten und Pflegeheimen ist es möglich, Antibiotika verantwortungsbewusst und zurückhaltend einzusetzen und damit Resistenzen vorzubeugen“, erklärte dazu Staatsministerin Barbara Klepsch bei der Übergabe eines Förderbescheids über 1,2 Mio. Euro im Januar.

Auch THS-Leiter Dr. Axel Wehmeier begrüßt den Zuwachs auf der Plattform Telehealth Ostsachsen. „Eine solche Vernetzung von Ärzten und Kliniken, wie sie hier geplant ist, deckt sich voll mit unseren Zielsetzungen. Mehr als ein Jahr schon zeigen wir mit Anwendungen zu Herzinsuffizienz, Schlaganfall und Pathologie, dass der Betrieb reibungslos funktioniert. Wir hatten keinen einzigen Ausfall, nicht eine einzige Minute.“

Mehr als 50.000 Patienten pro Monat konsultieren telemedizinisch Dr. Ed

Stichwort Telemedizin: Frei nach dem Motto „lange Wege kurz gemacht“ nutzen europaweit bereits 50.000 Patienten monatlich das telemedizinische Angebot der Online-Praxis Dr Ed und sparen beim virtuellen Arztbesuch Zeit. „Mit Dr Ed richten wir unser Angebot auch an die Menschen, denen der Zugang zur ärztlichen Versorgung erschwert ist“, erklärt Geschäftsführer David Meinertz, der Dr Ed vor sechs Jahren in London gründete. Voll im Trend liegt auch die Nutzung medizinischer Geräte direkt durch die Patienten zu Hause. Tragbare Glukosemessgeräte, mobile Herzfrequenzmesser oder Dialyse in den eigenen vier Wänden und nicht zu vergessen der Trend zu Wearables – der Markt boomt.

Wahl der richtigen Wireless-Technologie

Das stellt die Hersteller vor neue Herausforderungen bei der Wahl der richtigen Wireless-Technologie. „Zu den größten Herausforderungen für Entwickler und Projektmanager zählt dabei neben Sicherheitsstandards und Datenschutz die Wahl der richtigen WiFi-Technologie“, erklärt Robert Frodl, Director D/A/CH Customer Development bei Plexus, einem EMS-Dienstleister (Electronic Manufacturing Service). Denn Jahr für Jahr werden neue, verbesserte Wireless-Lösungen auf den Markt gebracht. Im Gegensatz zu klassischen Consumer-Produkten wie Smartphone oder Tablet liegt jedoch der Produktlebenszyklus von medizinischen Geräten bei durchschnittlich sieben Jahre. Hier besteht also ebenso Handlungsbedarf wie bei der Sicherheit und Zertifizierung sowie den flankierenden politischen Maßnahmen. Fazit: Trotz aller ihr innewohnender Dynamik erfolgt die digitale Revolution des Gesundheitswesens nicht im Handstreich.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei Devicemed.

(ID:44653307)