Medizin 4.0

Digitale Revolution im Gesundheitswesen: Status quo und Ausblick

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Siemens präsentiert digitales Ökosystem für die Gesundheitsversorgung

Es überrascht nicht, dass sich bei einem solch komplexen Thema Siemens Healthineers als selbsternannter Technologieführer in Stellung bringt. Auf der Health IT Conference 2017 HIMSS im Februar in Orlando wurde kein geringerer Anspruch formuliert, als mit einem digitalen Ökosystem die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung voranbringen zu wollen. Im Zentrum steht eine digitale Plattform für Gesundheitsversorger sowie Anbieter von Lösungen und Services, die das gesamte Spektrum der Gesundheitsversorgung abdecken soll. Auf dieser Plattform soll ein digitales Ökosystem entstehen, das sowohl Gesundheitsversorger und Lösungsanbieter im Gesundheitswesen vernetzt als auch deren Daten, Anwendungen und Services miteinander verknüpft.

Im Digital Ecosystem von Siemens Healthineers sollen sich unter anderem Daten aus Bildgebung, In-vitro-Diagnostik und medizinischer Dokumentation kombinieren und auswerten lassen. Die Daten werden in einer der größten installierten Basen der Gesundheitsindustrie erzeugt: bei den Kunden von Siemens Healthineers, die bereit sind, am Ökosystem teilzunehmen. Zusätzlich soll das System seinen Nutzern ermöglichen, auch außerhalb der Grenzen der eigenen Institution mit anderen Experten Daten und Know-how auszutauschen.

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Datenbrille für Industrie und Gesundheitswesen

Gleiches Thema, andere Technik. Mit Xpert Eye hat jüngst eine einfache „See what I see“-Datenbrille für Industrie und Gesundheitswesen den Weg nach Deutschland gefunden. Diese ermöglicht Industrie- und Medizinexperten, ihr Wissen weltweit per Datenbrille mit Mitarbeitern an anderen Standorten in Echtzeit zu teilen. Damit eignet sich die Brille gleichermaßen für die Fernwartung medizinischer Geräte wie für Ferndiagnosen in der Medizin oder beim Training von Mitarbeitern und medizinischem Fachpersonal. Echtzeitfähigkeit ist dabei insbesondere beim Einsatz von Rettungssanitätern oder bei Notfallsituationen von Ärzten von großer Wichtigkeit. Als Übertragungsgeräte von Datenbrille zum Experten sind speziell hierfür eingerichtete Android-Smartphones oder Laptops erforderlich.

Ohne Smartphones gibt es keine digitale Revolution

Ohnehin gibt es auch in der Medizin keine digitale Revolution ohne Smartphone. Mit der richtigen App kann heute jenseits professioneller Anwendungen jeder mit dem Smartphone in der Hand zum Lebensretter werden. Wie Notfall-Apps die Rettungskette in Deutschland ergänzen, darauf hat jüngst der Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) hingewiesen. Er ruft alle ausgebildeten Ersthelfer auf, sich bei einer sogenannten Notfall-App (www.einlebenretten.de) zu registrieren. Im Notfall könnten so die oft lebensentscheidenden Minuten zwischen dem Auftreten eines Herzstillstandes und dem Eintreffen des professionellen Rettungsdienstes durch den Einsatz ausgebildeter Laienhelfer geschlossen werden, erklärt Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Mitglied des BDA-Präsidiums und Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel.

Auch für Hörgerätehersteller sind Apps ein großes Thema. Sie fördern mit digitaler Kommunikation vor allem den Zugang zu jüngeren Menschen. Branchenprimus Sivantos geht mit seinen Signia-Hörgeräten als erster Hersteller mit Tele Care neue Wege in der Hörgeräteanpassung während der Testphase. Akustiker können über die Smartphone-App „my Hearing“ direkt Kontakt mit den Trägern aufnehmen – und umgekehrt. Dank der Nutzung von iPhone-Bewegungssensoren lassen sich moderne Lösungen noch flexibler an die verschiedenen Hörsituationen des täglichen Lebens anpassen. Insgesamt gibt es derzeit rund 500.000 Medical Apps, von denen jedoch nur ein Bruchteil als Medizinprodukt zugelassen ist.

Deutschland ist reif für ein digitales Gesundheitswesen

Erst kürzlich hat der Digitalverband Bitkom zusammen mit der Bayerischen Telemed-Allianz (BTA) eine Umfrage durchgeführt, der zufolge die Bundesbürger die digitalen Angebote des Gesundheitswesens wie Fitness-Tracker, Online-Sprechstunde oder elektronische Patientenakte gerne in Anspruch nehmen. Demnach werden Gesundheits-Apps, die Fitness- und Körperdaten aufzeichnen, bereits von 45 Prozent der Smartphone-Besitzer genutzt, weitere 45 Prozent könnten sich das vorstellen. Damit die eigene Gesundheit zu verbessern, ist das Ziel.

Digitalisierte Patientendaten wie zum Beispiel MRT-Befunde auf CD hat immerhin schon rund ein Drittel der Befragten einmal vom Arzt bekommen. Zusätzliche 43 Prozent würden entsprechende Resultate künftig ebenfalls gerne in digitaler Form erhalten. „Die digitale Übertragung von Unterlagen erleichtert die Kommunikation zwischen Versicherten, Hausarzt, Facharzt und Krankenhaus und erspart Patienten viele Wege“, erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder diesen Trend und fährt fort: „Die Digitalisierung des Gesundheitswesens birgt ein riesiges Potenzial für eine bessere und effizientere Versorgung. Eine leistungsfähige Patientenversorgung funktioniert künftig nur noch mit digitaler Unterstützung.“

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