In Friedrichsthal lernen Montessori-Schüler von zu Hause aus

Digitale Lernplattform rettet Unterricht

| Autor / Redakteur: Michael Sudahl / Susanne Ehneß

Montessori Gemeinschaftsschule Saar
Montessori Gemeinschaftsschule Saar (© Montessori Gemeinschaftsschule Saar)

Deutschlandweit wurden Kitas und Schulen wegen des Corona-Virus geschlossen. Das stellt Schulleitungen, Pädagogen und Eltern vor ganz neue Herausforderungen. Schulleiterin Dr. Anette Dragan von der Montessori Gemeinschaftsschule in Friedrichsthal setzt auf Homeschooling, damit kein Unterricht ausfallen muss. Sie sieht die Krise als Chance für mehr digitales Lernen.

Wie gehen Sie damit um, dass Ihre Schule derzeit geschlossen ist?

Dragan: Wir haben das schon etwas früher kommen sehen und uns vorbereitet. Bei uns waren bereits alle Schüler ab Klasse 9 mit iPads für den Unterricht ausgestattet und wir haben für diese Klassen bereits seit zweieinhalb Jahren eine Lernplattform etabliert. Zur Zeit stellt der Anbieter diese Plattform für Schulen kostenlos zur Verfügung. Für unsere jüngeren Klassen haben wir Arbeitspakete zusammengestellt, die über das Sekretariat verschickt werden.

Wie kontrollieren Sie die Fortschritte Ihrer Schüler zu Hause?

Dragan: Unser ganzes Schulkonzept basiert auf selbstständigem Arbeiten. Das heißt, die Schüler sind das Selbststudium gewohnt. Manche Lehrer stellen Lösungen über die Lernplattform bereit, so dass sich die Schüler selbstständig kontrollieren können. Andere wiederum sammeln die Themen, um die Lösungen im Unterricht nach den Osterferien zu besprechen. Wieder andere lassen sich die bearbeiteten Aufgaben von ihren Schülern per eMail zuschicken, wobei das mit dem größten Aufwand verbunden ist.

Welche Rolle spielen digitale Medien generell bei Ihnen?

Dragan: Neben den Tablets, die wir unseren Schülern bis zum Schulabschluss stellen, sind alle Klassenräume mit einem Apple TV ausgestattet und verfügen über eine gute Internetverbindung. Generell versuchen wir die digitalen Medien immer dann einzusetzen, wenn es sinnvoll ist und sie den Unterricht anreichern.

Beispielsweise kann eine Chat-Funktion den Austausch der Schüler untereinander und entsprechend das Social Learning fördern. Die integrierte Lernplattform dient als Ablage und Strukturierungs­hilfe. Ich stelle hier alle Lehrpläne, Unterrichtsinhalte und Arbeitsaufträge bereit. Die Schüler sehen dann auf einen Blick: Was habe ich schon bearbeitet? Was ist noch offen? Sie wissen genau, wo sie alle Informationen finden und müssen nicht noch zig weitere Programme öffnen. Die Bedienung ist selbsterklärend.

Wie klappte die Einführung der Lernplattform vor zwei Jahren?

Dragan: Das Feedback war sehr gemischt. Die Schüler fanden die Plattform super, für die Lehrer war es zum Teil eine Umstellung und sie brauchten Unterstützungsarbeit. Man muss beispielsweise etwas mehrfach anklicken, um einen Lerninhalt hochzuladen, statt ihn einfach auf OneDrive zur Verfügung zu stellen. Das ist erstmal etwas mehr Aufwand. Aber die Schüler haben am Ende ein wesentlich schöneres Ergebnis!

Generell wünsche ich mir von der Politik mehr finanzielle Unterstützung für die Bildung, um solche Projekte zu stemmen.

Welche Tipps haben Sie für andere Schulen zum Thema eLearning?

Dragan: Es braucht eine einheitliche Lösung, die auf die Schule zugeschnitten und für verschiedene Altersgruppen geeignet ist. Einigt man sich auf eine Lernplattform, so sollten alle Lehrer diese nutzen und nicht stattdessen doch noch über OneDrive oder eMail ihre ­Materialien bereitstellen. Bei uns ist die Plattform beispielsweise ab der Klasse 9 der einzige, zentrale Zugang zu allen Lehrplänen und Lerninhalten.

Dann kommt die Frage der Endgeräte: Nicht nur die Software muss zur Verfügung gestellt werden, sondern es muss auch auf Chancengleichheit und gleiche Voraussetzungen mit Blick auf die Hardware geachtet werden.

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