DigitalPakt Schule Digitale Bildung: Was Schulen brauchen

Von Roger Homrich

Technologie ist nicht alles. Aber ohne Rechner, Software und Internetanschlüsse wird digitale Bildung zur Herausforderung, wie das Corona-Jahr deutlich gezeigt hat. Jetzt soll sich die Digitalisierung der Schulen beschleunigen. Was ein zukunftsfähiges Schulsystem braucht.

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Die Digitalisierung an den Schulen soll schneller werden. Aber Technologie ist nicht alles. beschleunigen. Es braucht dazu auch pädagogische Konzepte
Die Digitalisierung an den Schulen soll schneller werden. Aber Technologie ist nicht alles. beschleunigen. Es braucht dazu auch pädagogische Konzepte
(© davidfuentesphoto.com – stock.adobe.com)

Am 17. Mai 2019 startete Deutschland den Digitalpakt Schule. Das klare Ziel: Die digitale Ausstattung an Schulen verbessern, teilweise überhaupt erst möglich machen. Ein knappes Jahr später folgte mit der Corona-Krise der Stresstest. Die Pandemie legte gnadenlos offen, dass der Digitalpakt dringend notwendig war. Von einem Tag auf den anderen mussten Schulen, Lehrer und Schüler das digitale Lernen als Homeschooling weitgehend improvisieren. Auch wenn sie gemeinsam mit Schulleitungen und Schulträgern pragmatische Lösungen entwickelten – es mangelte vor allem an technologischen Standards und digitalen Lernkonzepten.

Der Digitalpakt für die Schule wurde also zum richtigen Zeitpunkt geschlossen. Der Bund hatte schon fünf Milliarden Euro für die Jahre zwischen 2019 und 2024 bereitgestellt. Im Zuge der Pandemie stockte er die Gesamtsumme nochmal um 1,5 Milliarden Euro auf. Unter anderem mit 500 Millionen für digitale Endgeräte für Schüler, deren Eltern kein Geld haben, sich die Geräte selbst zu kaufen. Die gleiche Summe jeweils für Lehrkräfte und die Ausbildung von IT-Administrator. Zusammen mit dem Anteil der Länder kommen damit insgesamt 7,5 Milliarden Euro zusammen – was im Durchschnitt 175.000 Euro pro Schule ausmacht.

Geld vorhanden, aber Schulen rufen zu wenig ab

Was aber trotz der vorhandenen Etats verwundert: Bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode im Herbst 2021 sollten 3,5 Milliarden Euro der ursprünglichen Fördersumme ausgegeben sein. Doch bis Ende 2020 hatten die Schulen erst knapp 20 Prozent der Mittel tatsächlich abgerufen oder wenigstens einen ersten Antrag gestellt. In konkreten Zahlen hatten die Schulträger bis dahin erst knapp 41.000 Geräte über den Digitalpakt angeschafft – bei etwa elf Millionen Schüler an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen.

Ein Grund: Das Antragsverfahren ist aufwendig. Neben der Ausstellung des technischen Bedarfs müssen die Schulen ein technisch-pädagogisches Konzept entwickeln. Die Schulträger prüfen dabei zunächst Konzept und Antrag und schicken sie erst dann zusammen mit Förderanträgen anderer Schulen an das jeweils zuständige Bundesland. Das wiederum prüft noch einmal alles und bewilligt – wenn denn alles passt. Erst dann können die Schulen bestellen. Der bürokratische Aufwand ist groß. Das sagt auch Heribert Werner, Abteilungsleiter für Schule, Kultur und Sport im Landkreis Rhein-Pfalz. In einem Interview mit ntv im April 2021 macht er deutlich: „Das Umsetzen des Digitalpakts hängt daran, dass die Antragsvoraussetzungen schwer umsetzbar sind. Jede Schule muss ein Konzept schreiben. Das dauert ewig.“

Hat die Pandemie etwas in den Köpfen bewegt?

Verständlich also, wenn laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom von April 2021 mehr als drei Viertel der Eltern der Meinung waren, die Digitalisierung der Schulen ginge zu langsam voran. Eine weitere Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Anfang Juni 2021 die „Digitalisierung im Schulsystem“ untersuchte, stellte fest: Die Hälfte der Schulen bietet noch kein WLAN für die Schüler. Erst 57 Prozent der Lehrkräfte arbeiten an Schulen, an denen es für den Unterricht genügend digitale Geräte gibt. Befragt hatte die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Georg-August-Universität in Göttingen Lehrkräfte der Sekundarstufe I und II Anfang 2021.

Doch die Pandemie lässt auch hoffen. Deutschland habe in Sachen Technik viel nachzuholen und die Verantwortlichen müssten noch einmal den Turbo zünden, sagte Andreas Schleicher, Bildungsdirektor der OECD und Chef der Pisa-Studie, Ende Juni 2021 in einem Interview für das Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Meine große Hoffnung ist vor allem, dass sich in der Pandemie etwas in den Köpfen bewegt hat. Dass Politiker, aber auch Lehrer jetzt wissen: Sie müssen die Möglichkeiten der Digitalisierung in der Schule immer mitdenken.“

Schulen brauchen technischen Support

Fehlende Geräte und mangelhafte Infrastruktur sind nicht das alleinige Problem der unzureichend digitalisierten Schulen. Wie die GEW-Studie zeigt, fehlt es auch an technischer Unterstützung. So bemängelt Studienleiter Frank Mußmann von der Universität Göttingen, dass „nur in 50 Prozent der Fälle eine technische Unterstützung gewährleistet ist. Das führt zu Zusatzaufgaben, die Lehrkräfte on-top zu den pädagogischen und organisatorischen Aufgaben leisten müssen.“ Und aufgrund zu häufiger technischer Ausfälle oder Unterbrechungen können fast zwei Drittel (64 %) neue Medien und digitale Technologien im Schulalltag nicht sinnvoll einsetzen.

„Die Lehrkräfte müssen sich auf die pädagogischen Aufgaben konzentrieren können“, sagte Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied Schule, anlässlich der Vorstellung der Studienergebisse. „Wir brauchen endlich mehr IT-Fachleute für den technischen Support, die Gelder für die Einstellung etwa von Systemadministratoren stehen bereit. Diese Mittel müssen endlich abgerufen und verstetigt werden. Digitale Werkzeuge sollen die Lehrkräfte pädagogisch unterstützen – und nicht zu einer Dauerbaustelle werden.“

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Schulträger wählen zunehmend den Weg technologischer Partnerschaften mit erfahrenen Anbietern aus dem ITK-Sektor. Wie die Deutsche Telekom, die sich mit einem breiten Portfolio aus technischen Anschlüssen, modernen Endgeräten und medienpädagogischen Konzepten ganzheitlich für die Digitalisierung von Schulen und Bildung aufstellt. Damit Schulen aus technischer Sicht den für sie passenden Weg einfacher bewältigen können, hat die Telekom einen Schul-Konfigurator entwickelt.

Das Online-Tool hilft in einem strukturierten Prozess, alle benötigten Bestandteile für die digitale Schule zu erfassen und die relevanten Module aufeinander abzustimmen. Denn einen Schul-Campus und den Unterricht zu digitalisieren, ist komplex und durchaus vergleichbar mit einem mittelständischen Unternehmen. Anschluss, lokale Vernetzung, WLAN-Ausleuchtung, Datensicherheit, Endgeräte, digitale Präsentationshilfen und Kollaborationssoftware für ortsunabhängigen Unterricht müssen aufeinander abgestimmt sein. Dazu kommen Geräte-Management, Sicherheit, Betrieb und Schulungen sowie der richtige Service für Administrierende und Lehrkräfte. Nach Abschluss der individuellen Konfiguration im Schul-Konfigurator liegt ein strukturiertes Papier vor, das als Basis für eine Ausschreibung oder Beauftragung dienen kann.

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