Förderinitiative „Heimat 2.0“ Digitale Angebote für mehr Lebensqualität

Autor: Manfred Klein

„Heimat 2.0“ – was zunächst klingt wie ein neues Online-Format für den Musikantenstadl in Coronazeiten, hat einen überaus ernsten Hintergrund. Mit der Förderinitiative dieses Namens will das Bundesinnenministerium (BMI) nämlich für gleiche Lebens- und Arbeitsverhältnisse in Deutschland sorgen, indem die digitalen Angebote in ländlichen Regionen ausgebaut und miteinander vernetzt werden. Das BMI hat jetzt den Startschuss für 12 Projekte, die über das ganze Bundesgebiet verteilt sind, gegeben.

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Digitalisierung macht strukturschwache Regionen attraktiv
Digitalisierung macht strukturschwache Regionen attraktiv
(© parallel_dream – stock.adobe.com)

Was viele immer noch für ein Problem der gar nicht mehr so neuen Bundesländer halten – die Abwanderung der Bevölkerung aus den ländlichen Räumen, der damit verbundene Niedergang von kulturellen sowie technischen Infrastrukturen, kurz das Anwachsen sogenannter strukturschwacher Regionen – hat längst auch die Alt-Bundesländer erreicht. Das Phänomen führt nicht nur zu sozialen Problemen, sondern ruft auch die Politik auf den Plan, fordert doch schon das Grundgesetzt die „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“.

Die Bundesregierung hat daher das Förderprogramm „Region gestalten“ ins Leben gerufen. Heimat 2.0 ist Teil dieses Vorhabens. Die Ausschreibung für Heimat 2.0 erfolgte im Juni 2020. Nun hat die Jury aus knapp 100 Anträgen zwölf Modellregionen ausgewählt, die in der ersten Tranche mit jeweils 250.000 bis 600.000 Euro gefördert werden: Cham in Bayern, Thallwitz in Sachsen, Herzberg und Prötzel in Brandenburg, Neukalen in Mecklenburg-Vorpommern, Mittelangeln und Viöl in Schleswig-Holstein, Vechta und Einbeck in Niedersachsen, sowie Höxter, Senden und Netphen in Nordrhein-Westfalen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer erklärte dazu: „Mit der Heimatpolitik wollen wir konkret und anfassbar solchen Regionen helfen, die Unterstützung bei der Digitalisierung ihrer Leistungen benötigen. Ich freue mich über das große Interesse an unserer neuen Initiative. Die ausgewählten Projekte können wegweisend sein, die Attraktivität ländlicher Regionen zu verbessern.“

Die zwölf Vorhaben decken das ganze Bundesgebiet und eine große thematische Bandbreite ab:

Höxter hat sich zum Ziel gesetzt, die Nutzung digitaler Gesundheits- und Pflegedienste im ländlichen Raum voranzubringen.

Vechta widmet sich mit dem Aufbau einer Televersorgungsstruktur zum videobasierten Austausch von Akteuren der Gesundheits- und Pflegebranche und den pflegenden Angehörigen ebenfalls dem Themenbereich Gesundheit und Pflege.

Viöl möchte die Entwicklungsbegleitung von interkommunalen Projekten durch eine „Förderscouting-Plattform“ (inkl. Ideen- und Fördermitteldatenbank, sowie Projektarchiv) verbessern.

Mittelangeln zielt auf die Implementierung digitaler Prozesssoftware zur Harmonisierung von Verwaltungsabläufen ab.

Prötzel möchte die Ansiedlung von kreativen Wohn- und Arbeitsstandorten unter Nutzung eines kommunalen Leerstandsmanagements unterstützen.

Herzberg hat sich die Erweiterung der bestehenden Städte-App um einen Ehrenamtsbereich zum Ziel gesetzt.

Thallwitz möchte über eine Website mit integrierter Web-App zum gemeinsamen Arbeiten an künstlerischen Projekten und zur Vermittlung künstlerischer Kompetenzen anregen.

Netphen setzt sich zum Ziel, smartes Wissensmanagement in den Bereichen Wohnen, Pflege und Gesundheit voran zu bringen.

Einbeck möchte den Erhalt und die Förderung der Kultur (-einrichtungen) durch eine digitale Plattform mit Informationen, Streams und Online-Ticketing befördern.

Neukalen zielt über eine digital-infrastrukturelle und inhaltliche Vernetzung von Wissensträgern auf eine Stärkung der digitalen Bildungslandschaft der Region Malchin

Cham möchte mit der Vernetzung von Angeboten der Daseinsvorsorge und der Kunden durch bestehende digitale Infrastruktur eine Steigerung der regionalen Vermarktung herbeiführen.

Senden zielt darauf ab, einen Online-Marktplatzes einschließlich Lieferservice zur Förderung des stationären Einzelhandels und der Direktvermarkter in der Region zu etablieren.

Die ausgewählten Regionen haben nun drei Jahre Zeit, ihre Ideen umzusetzen. Die Ergebnisse sollen 2023 veröffentlicht und allen andferen Kommunen zur Verfügung gestellt werden, um zur Lösung ähnlicher Probleme auch anderswo beizutragen.

Für das kommenden Jahr 2021 ist zudem eine zweite Staffel „Heimat 2.0“ geplant.

Ausführliche Informationen zu dem Förderprogramm Region gestalten einschließlich der Initiative „Heimat 2.0“ erhalten Sie unter. Einen Überblick über die Situation der Regionen in Deutschland finden Sie zudem hier:

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