eGovernment-Forschung an der Universität Mannheim Dienstleistungsrichtlinie im Fokus der Wissenschaftler

Redakteur: Gerald Viola

Das Bundesinnenministerium und das Innenministerium Baden-Württemberg haben an der Universität Mannheim ein Forschungsprojekt zur interdisziplinären Untersuchung von zentralen Fragestellungen zur IT-Umsetzung der Europäischen Dienstleistungsrichtlinie eingerichtet. Bis 2011 läuft das Vorhaben, das letztendlich auch den Weg zur integrierten eGovernment-Landschaft in Deutschland ebnen soll.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Die Europäische Dienstleistungsrichtlinie (EU-DLR), die im Dezember 2006 verabschiedet worden war, muss bis Ende 2009 von den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden. Sie hat das Ziel den grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr in der Europäischen Union zu erleichtern. Die Dienstleistungsrichtlinie sieht unter anderem vor, dass alle Verfahren und Formalitäten, die die Aufnahme oder die Ausübung einer Dienstleistungstätigkeit betreffen, problemlos aus der Ferne und elektronisch abgewickelt werden können.

Dies gilt sowohl gegenüber den zuständigen Behörden als auch gegenüber einer neuen Einrichtung, dem Einheitlichen Ansprechpartner. Über diesen können Dienstleister auf Wunsch alle Informationen erhalten und Formalitäten abwickeln, die für die Aufnahme und Ausübung einer Dienstleistungstätigkeit notwendig sind.

Die Pläne zur IT-Umsetzung der Europäischen Dienstleistungsrichtlinie fügen sich in die Ziele der Strategie Deutschland-Online ein, eine vollständig integrierte eGovernment-Landschaft in Deutschland zu schaffen. Mit Deutschland-Online wird das Ziel der Bundesregierung unterstützt, bis zum Jahr 2012 sämtliche Schnittstellen zwischen Öffentlicher Verwaltung und Unternehmen elektronisch abzubilden.

Datenschutz und Verfahrensrecht

An der Universität Mannheim begleitet eine interdisziplinäre Gruppe von Wissenschaftlern aus der betriebswirtschaftlichen und juristischen Fakultät die IT-Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie im Rahmen von Deutschland-Online. „Im Vordergrund der Betrachtung steht die Umsetzung von innovativen elektronischen Dienstleistungen an der Schnittstelle vom öffentlichen zum privatwirtschaftlichen Bereich“, erklärt Dr. Daniel Veit, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik, der das Projekt in Mannheim leitet.

„Datenschutzrecht und Verfahrensrecht spielen eine zentrale Rolle“, so Dr. Thomas Fetzer vom Lehrstuhl Öffentliches Recht und Steuerrecht der Universität Mannheim. Das Bundesinnenministerium und das Innenministerium Baden-Württemberg finanzieren das Forschungsprojekt über den Zeitraum von 2008 bis 2011.

Ziel des Projektes ist eine workflowbasierende Umsetzung der Richtlinie, welche die betriebswirtschaftlichen Fragestellungen, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die IT-Anforderungen der EU-DLR bei einer hohen Akzeptanz der vorgeschlagenen Einsatzmöglichkeiten umfasst. Ein übergeordnetes Ziel ist eine wissenschaftliche interdisziplinäre Begleitung der IT-Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie und entsprechender Folgevorhaben wie Behördenruf 115. Hierzu sollen aus wissenschaftlicher Sicht die wesentlichen Aspekte aus den drei folgenden Bereichen eingebracht werden:

  • Wirtschaftsinformatik (One-Stop-Government-Konzepte, Prozessintegration, Workflow und Kollaborationsanforderungen),
  • Rechtswissenschaften (Verfahrensrecht, Datenschutz) sowie
  • Volks- und Betriebswirtschaft (Akzeptanzsteigerung, Entbürokratisierung, Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen)

(ID:2012589)