Innovative IT-Firmen präsentieren Lösungen für mehr Effizienz im Krankenhaus Die Zukunft des Krankenhauses ist digital

Autor / Redakteur: Ingrid Hildebrandt / Gerald Viola

Alle Mitarbeiter eines Krankenhauses, vom medizinischen Fachpersonal über Techniker bis hin zur Klinikverwaltung und -management, haben die Ziele: Die medizinische Versorgungsqualität zu verbessern, die internen Abläufe effizient zu gestalten, um Kosten zu senken und den Patienten bestmöglich zu versorgen. Mit dem Leitbild des „Digitalen Krankenhauses“ sollen diese Zielmarken erreicht werden, doch auf dem Weg hin zu einem perfekt digital justierten Krankenhaus gibt es noch viel zu tun.

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Infotainment-Lösungen von Phillips bieten den Patienten vielfältige Entertainmentoptionen sowie verständliche Informationen und Einsicht in die Krankenakte
Infotainment-Lösungen von Phillips bieten den Patienten vielfältige Entertainmentoptionen sowie verständliche Informationen und Einsicht in die Krankenakte
( Archiv: Vogel Business Media )
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Was die aktuellen Trends sind und welche Vorteile sich konkret daraus ergeben, erläuterten führende IT-Unternehmen in Augsburg. Während des Klinik Partner Forums erfuhren Entscheider der großen süddeutschen Kliniken aus den Bereichen EDV- und Verwaltung, der Ärzteschaft und Pflegedienstleitung von den Veranstaltern Kontron und Dimension Data sowie den beteiligten Partnern Intel, Cisco, Philips, InterComponentWare und Magrathea, was mit modernen eHealth-Technologien realisierbar ist.

Im Vordergrund der Präsentationen stand der ganzheitliche Ansatz zur Realisierung eines digitalen Krankenhauses. Diese Vision lässt sich am einfachsten in einem fiktiven Szenario beschreiben, das bei der Patientenaufnahme anfängt und sich über den gesamten Klinikalltag bis hin zur Entlassung und Abrechnung erstreckt.

Effizientere Patientenaufnahme

Beim Betreten des Krankenhauses erwarten den Patienten im Idealfall keine Wartezonen vor dem Anmeldeschalter mehr: Den formellen Teil des Anmeldevorgangs können neue Patienten und „Wiederkehrer“ an Patiententerminals – soweit gewünscht – selbst durchführen. Mitarbeiter müssen nur noch bei etwaigen Unklarheiten weiterhelfen und können sich so neben dem arbeitsaufwendigen Anmeldeprozedere auch anderen wichtigen Aufgaben widmen.

Statt Formulare auszufüllen, führt der Patient einfach seine Versicherten- oder seine Elektronische Gesundheitskarte (eGK) ein, aus der alle relevanten Daten automatisch ausgelesen und zusätzlich erforderliche Daten via Touchscreen oder Tastatur eingegeben werden. Vorhandene Dokumente können am eKiosk eingescannt und digitalisiert werden.

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Anschließend prüft der eKiosk automatisch, ob eine elektronische Patientenakte bereits besteht oder legt eine neue an. Dank des automatisierten Verfahrens lässt sich die Aufnahme selbst um mindestens die Hälfte der bisherigen Zeit reduzieren. Weitere Vorteile hinsichtlich Kosten und Qualität entstehen durch das integrierte intuitive und vielfältig auswertbare Anamnesemodul.

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Für Krankenhausbetreiber außerdem interessant: Durch die automatisierte Aufnahme und die Entlastung der Verwaltung können bis zu 30 Prozent der Personalkosten eingespart und dank der elektronisch vorliegenden Daten die Behandlungskosten schneller abgerechnet werden. Zusätzlich lassen sich dank in die Terminals integrierbarer Mehrwertdienste und Zusatzleistungen (Bestellung von OP-Videos oder Waren aus dem Krankenhaus-Shop ...) und zuschaltbarer Werbung Zusatzeinnahmen generieren.

Eine praxiserprobte Version eines solchen eKiosks bietet die Firma Kontron – Hersteller von Embedded Computertechnologie – mit dem eHealth-Spezialisten InterComponentWare AG (ICW), der die auf den Gesundheitsmarkt zugeschnittene Software liefert. Der eHealth-Kiosk beruht auf bewährter x86er-PC-Technologie und ist offen für eine Vielzahl von aktuellen und künftigen Applikationen und lässt sich in das Klinik-Netzwerk einbinden.

Nach erfolgter Anmeldung weist der eHealth-Kiosk dem Patienten via Wegeplan den schnellstmöglichen Weg zum nächsten Behandlungsort. Dort kann das medizinische Fachpersonal bereits auf alle zur Anamnese erforderlichen und digital verfügbaren Befunde und Daten zurückgreifen und zügig mit der Behandlung beginnen.

i.Dash erhöht Patientenfluss und Sicherheit

Damit das Fachpersonal schneller beim Patienten ankommt, dient das i.Dash Informationssystem der Firma Magrathea als grafischer Leitstand. Das i.Dash MediBoard stellt auf dem Grundriss des Krankenhauses oder der einzelnen Abteilung alle für das Fachpersonal relevanten Informationen bedienungsfrei und leicht erkennbar dar.

Dabei können sämtliche HL7-Daten des Krankenhauses – auch die über das Patiententerminal bei der Aufnahme angelegten Patientendaten – in die Anzeige des i.Dash integriert werden. So kann sich das medizinische Personal quasi im Vorbeigehen über Raumbelegung, Wartezeit und folgende Behandlungsschritte informieren.

Die benutzerfreundliche Aufbereitung und Darstellung der Informationen verbessert den gesamten Workflow und spart wertvolle Zeit, die für die Behandlung der Patienten genutzt werden kann. RFID-Daten, beispielsweise via WLAN an das System übermittelt, werden vom i.Dash verarbeitet und visualisiert, was die Lokalisierung von Personen und Geräten über den Leitstand möglich macht und aufwendiges Suchen überflüssig macht.

Im OP schützt diese Technologie vor Irrtümern, etwa wenn der falsche Patient in den Operationssaal gefahren würde. Die Möglichkeit der statistischen Auswertung der Prozessdaten liefert die passende Datenbasis für das interne Qualitätsmanagement und offenbart Optimierungspotenziale.

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Ortsungebundene Behandlung

Um das gesamte Trafficmanagement von Ärzten, Pflegern, Patienten sowie Maschinen tatsächlich verbessern zu können, muss die verwendete Technik ebenso mobil sein wie das Personal. Pfleger und Ärzte sollen keine Umwege machen, etwa um die in einem Raum aufgenommenen Daten an einem zentralen Rechner oder in der Pflegestation einzugeben.

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Die Lösung bieten mobile Eingabegeräte, wie Tablet-PCs, mit denen Ärzte und Pflegepersonal ortsungebunden, beispielsweise direkt am Patientenbett, Daten eingeben, abrufen und ins zentrale Serversystem einspeisen können. Knackpunkt beim Einsatz von Mobilgeräten ist der Spagat zwischen Akku-Laufzeit und Rechenleistung.

Für den Einsatz in Mobil Devices, auf denen anspruchsvolle und simultan ausgeführte Anwendungen laufen sollen, eignet sich besonders der Intel Core 2 Duo-Prozessor U7500 mit Doppelkern-Technologie, der dank einer Thermal Design Power von lediglich 10 W eine Betriebslaufzeit von rund 3,5 Stunden ermöglicht.

Ist weniger Rechenleistung, aber eine höhere Betriebszeit gefordert, sind Intel Atom CPUs ideal. Der Intel Atom Z540 beispielsweise hat eine Thermal Design Power von 2,4W und unterstützt damit eine Akku-Standzeit von derzeit etwa sechs Stunden.

Service für Patienten, Entlastung fürs Personal

Das Digitale Krankenhaus optimiert jedoch nicht nur Aufnahme und Trafficmanagement sowie die Verfügbarkeit von Patientendaten. Auch bei stationärem Aufenthalt kommt der Patient in den Genuss der Vorteile der digitalen Technik: Dank umfassender Patienten-Infotainment-Lösungen von Philips stehen dem Rekonvaleszenten zahlreiche Unterhaltungs- und Informationsmöglichkeiten zur Verfügung und das alles auf einem einzigen Multifunktionsgerät auf TouchScreenbasis, das zahlreiche andere Geräte ersetzt.

An einem Gerät kann der Patient das kostenlose TV- und Radio-Angebot nutzen bis hin zum bezahlten Telefonieren und Surfen im Internet sowie Pay-per-View-Video-Optionen, die dem Krankenhaus auch zusätzliche Einnahmen bringen können. Neben der Unterhaltung bieten die Geräte auch Information: Der Patient kann – im Beisein des Arztes –Einsicht in seine Krankenakte nehmen, Informations- und Aufklärungsvideos über die bevorstehenden Behandlungsschritte ansehen und selbstständig Essensbestellungen aufgeben.

Insbesondere die letztgenannten Funktionen entlasten das Pflegepersonal enorm, sodass diese sich wieder mehr der Patientenpflege widmen können. Der Patient wiederum fühlt sich bestens betreut, wenn er zu seinem spezifischen Krankenbild auch die passenden Informationen bekommt.

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Klinik-Netzwerk benötigt Netzwerk-Integrator

Alle dargestellten Applikationen des digitalen Krankenhauses benötigen ein funktionierendes und sicheres Netzwerk als Plattform. Die Einbindung und die Verzahnung der verschiedenen Abteilungen macht das Netzwerk des Krankenhauses äußerst vielschichtig und komplex. Da die Ansprüche an die Netzwerksicherheit im Krankenhaus besonders hoch sind, muss die Einrichtung des Netzwerks durch einen kompetenten Netzwerkintegrator erfolgen, der auch in den Bereichen Sicherheit, Speicherung, Konvergenz und Betriebssysteme kompetent ist.

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Die nötige Expertise in Konzeption, Planung, Aufbau und Management von klinikweiten IT-Infrastrukturen bietet Dimension Data. Das Unternehmen plant zusammen mit dem Kunden das individuell passende System: Ausgangspunkt ist die Ausgestaltung der Infrastruktur, die Wahl der Serverlandschaft, der PCs, der verwendeten Sicherheitstechnik etc. Nach erfolgter Planung richtet Dimension Data das Netzwerk ein und integriert neue Applikationen und bereits vorhandene, oftmals noch proprietäre Medizintechnik zeitnah, budgetgerecht und ohne große Unterbrechungen der vorhandenen Abläufe.

So entwirft und erstellt Dimension Data sichere WLAN-Netze und bindet Mobility-Lösungen wie das i.Dash oder mobile Datengeräte sowie RFID-Technologie ein, um den reibungslosen Datenaustausch möglich zu machen. Dimension Data übernimmt auch den Aufbau und die Integration von komplexen Infotainment-Lösungen. In einem großen norddeutschen Unfallklinikum hat das Unternehmen für über 600 Betten bereits ein solches System installiert.

Alles ist heute schon möglich

Doch mit der erfolgreichen Einführung eines Netzwerkes und der Integration der gewünschten IT-Lösungen ist der Service von Dimension Data noch nicht ausgeschöpft. Im Anschluss daran steht ein erfahrenes Supportteam dem Krankenhaus rund um die Uhr optional auch via Remote-Management-Anbindung oder vor Ort bereit, sodass die Verfügbarkeit des Netzwerks stets sichergestellt werden kann.

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Virtuelle Rechenzentren

Rechenzentren in Krankenhäusern sind heute noch meist unübersichtlich und arbeiten aufgrund ihrer granularen Architektur ineffizient. Durch Virtualisierung kann die Auslastung zwar verbessert werden, indem auf einer physischen Hardwareplattform zahlreiche virtuelle Maschinen, rein softwarebasierende Computer, arbeiten.

Das Problem der steigenden Komplexität der Netzwerke ist damit aber nicht gelöst. Das Cisco Unified Computing System (UCS) fasst Speicher-, Computing-, Netzwerk- und Virtualisierungsressourcen zu einem gemeinsamen Ressourcenpool zusammen und ermöglicht so ein vereinheitlichtes Rechenzentrum.

Die Grundlage für die Konsolidierung der Serverlandschaft bieten die Cisco UCS 6100 Series Fabric Interconnect Switches, die die I/O und Server-Ressourcen (Ethernet, Fibre Channel und SCSI) in einer 10-Gbps I/O-Verbindung als Unified Fabric zu einem virtuellen Switch zusammenführen. Dadurch verringern sich die benötigten Verkabelungen und Switches und somit auch der Managementaufwand und die Kosten.

Der Cisco UCS Manager (UCSM), eine Embedded Device Management Software, erleichtert das Management des Netzwerkes und ermöglicht durch eine intuitive grafische Benutzeroberfläche die einheitliche Steuerung aller physischen und virtuellen Ressourcen des Rechenzentrums über einen einzigen Zugriffspunkt.

Das Cisco UCS bietet maximale Rechnerauslastung und Energieeffizienz und man kommt der Zielmarke Cloud Computing schon sehr nahe. Schließlich sind der Virtualisierung durch Hauptspeicherkapazitäten von bis zu 400Gbyt pro Server und virtuelle Netzwerkswitches kaum noch Grenzen gesetzt.

Fazit

Dieser umfassende Überblick über die aktuell bereits verfügbaren Technologien zeigt, welches Innovationspotenzial in der modernen IT-Technologie steckt und wie weit womöglich noch so manches Krankenhaus von dem Attribut „digital“ entfernt ist. Jede vorgestellte Innovation ist längst keine Vision mehr, sondern bereits heute problemlos zu realisieren durch implementierbare IT-Lösungen.

Ob und wann das Digitale Krankenhaus Realität wird und Patienten und Klinikpersonal von diesen Vorteilen profitieren können, liegt vielmehr bei den Entscheidungsträgern in Klinik und Gesundheitswesen. Nun gilt es, die Potenziale für ein effizienteres Krankenhausmanagement zu erkennen und umzusetzen.

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