eGovernment mit der Bundesdruckerei in Berlin Die Weichen für innovative Behördenservices sind gestellt

Autor / Redakteur: Dipl. Ing. Thomas Löer / Gerald Viola

Mit der Einführung des neuen Personalausweises wurde eine der wichtigsten Voraussetzungen zur Verwirklichung der nationalen eGovernment-Strategie erfüllt. Jetzt gilt es, die geschaffenen Infrastrukturen mit Leben zu füllen, damit Bürger, Unternehmen und Öffentliche Verwaltungen von den Vorteilen sicherer elektronischer Identitäten profitieren können.

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Weichen gestellt für sichere elektronische Identitäten
Weichen gestellt für sichere elektronische Identitäten
( Foto: Ray, Fotolia )

Ohne den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien sind die Wissens- und Informationsgesellschaft, eine global vernetzte Wirtschaft und effiziente Verwaltungsabläufe nicht mehr vorstellbar. Seit September 2010 stehen auf Beschluss des IT-Planungsrats die mittelfristigen Ziele der nationalen eGovernment-Strategie fest. Jetzt braucht es viele Akteure, um dem Bedarf an nutzerorientierten Anwendungen und innovativen Behördenservices gerecht zu werden.

Zukunftsfähigkeit sichern

Als die Regierungschefs von Bund und Ländern im Juni 2006 den „Aktionsplan Deutschland-Online“ verabschiedeten, war klar: Mit der Modernisierung von rund 25.000 Behörden sollten neue Maßstäbe für eine effektive und effiziente Verwaltung in föderalen Strukturen geschaffen werden. Im Vordergrund stand eine konsequente Orientierung am Nutzen für Bürger, Unternehmen und Behörden.

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Begriffe wie eDemokratie und ePartizipation spielten dabei eine ebenso große Rolle wie die Suche nach geeigneten Systemen und Lösungen der Hochsicherheitstechnologie. Inzwischen wurden mit der Einführung des neuen Personalausweises und dem 2010 ratifizierten IT-Staatsvertrag wesentliche Grundlagen geschaffen, um den digitalen Wandel zu meistern. Jetzt liegt es in der Verantwortung aller, die geschaffenen Infrastrukturen für die Erreichung der gesetzten Ziele zu nutzen.

Secure Identity – Schlüssel zu mehr Bürgerservice

Ein wesentlicher Baustein zur Optimierung bestehender Prozessketten ist die Absicherung elektronischer Identitäten (eID). Wer in der digitalen Dienstleistungsgesellschaft schnell, effizient und komfortabel kommunizieren will, muss sich auf eindeutige und unzweifelhaft richtige Daten verlassen können. Das gilt für behördliche Abläufe ebenso wie für den privatwirtschaftlichen Informationsaustausch.

Im Bereich von eGovernment wurden in den vergangenen Jahren bereits viele beispielhaft bürgernahe Anwendungen umgesetzt. Die elektronische Steuerklärung ELSTER, die einheitliche Behördenrufnummer D115 oder Plattformen wie das serviceorientierte www.wunschkennzeichen.de haben deutlich gemacht, wie schnell und unkompliziert sich digitale Anwendungen in die Alltagskommunikation integrieren lassen. Nun warten neue Modernisierungsprojekte auf ihre Umsetzung. Allen voran der im Frühjahr startende De-Mail-Service, über den Bürger elektronische Nachrichten und Dokumente sicher austauschen können. Aber auch das elektronische Personenstandsregister zum Online-Abruf von Geburts- oder Heiratsurkunden oder die elektronische Kfz-Anmeldung, die bei der Branchenmesse „Moderner Staat“ demonstriert wurde, zeigen mit welchen Services Bürger zukünftig rechnen dürfen.

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Ein Meilenstein: Die Online-Ausweisfunktion des neuen Personalausweises

Einer der bedeutendsten Meilensteine auf dem Weg zu mehr Wirtschaftlichkeit und Effizienz wurde jedoch im vergangenen November mit der Einführung des neuen Personalausweises erreicht. Über 2,5 Millionen Dokumente hat die Bundesdruckerei unterdessen ausgeliefert. Und etwa die Hälfte aller Antragsteller haben sich laut aktueller Zahlen (veröffentlicht im Januar 2011, anlässlich der Branchenmesse Omnicard) bereits jetzt die neue Online-Ausweisfunktion freischalten lassen, um auch beim Online-Shopping, in Online-Foren oder bei automatisierten Identifizierungsprozessen sicherer agieren zu können.

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Gleichzeitig wächst auch bei privatwirtschaftlichen Diensteanbietern das Interesse am neuen Ausweis. Über 60 Antragsteller (eine beständig aktualisierte Liste ist jederzeit unter www.personalausweisportal.de/berechtigungen abrufbar) haben in den vergangenen Monaten von der Vergabestelle für Berechtigungszertifikate (VfB) eine Bewilligung zur Nutzung der Online-Ausweisfunktion erhalten und testen ihre neuen Anwendungen bereits teilweise im sogenannten Referenzbetrieb. Zahlreiche weitere Firmen stehen in Vertragsverhandlungen mit offiziell autorisierten eID-Service-Providern, wie der Bundesdruckerei und ihrem Trustcenter D-TRUST.

Parallel wird intensiv an der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle gearbeitet, um die Bereitstellung und technische Implementierung sicherer Public Key Infrastrukturen (PKI) noch preisgünstiger und effektiver zu gestalten. Ein Ansatz ist die Nutzung moderner Open-Source-Konzepte; ein weiterer die Einbindung des sogenannten U-Prove-Verfahrens, das derzeit von den Forschungspartnern Fraunhofer FOKUS, Microsoft und Bundesdruckerei im Berliner „eIdentity“-Zukunftslabor erprobt wird. U-Prove ist eine Technologie, die ebenso wie der Personalausweis die minimale Datenübermittlung unterstützt.

Via AusweisApp und Berechtigungszertifikat zur sicheren Kundenbeziehung

Doch um sichere Online-Kommunikationsprozesse nutzen zu können, müssen Bürger, Verwaltungen und Unternehmen nicht auf zukünftige Technologie-Konzepte warten. Inzwischen kann jeder, der einen neuen Personalausweis besitzt und sich für die Nutzung der Online-Ausweisfunktion entschieden hat, die benötigte AusweisApp für Windows (XP, Vista, 7) kostenlos herunterladen: www.personalausweisportal.de.

Gleichzeitig bieten staatlich zertifizierte Unternehmen wie die Bundesdruckerei umfassende Dienstleistungspakete an, über die Online-Anbieter alle Prozesse einer sicheren gegenseitigen Authentifizierung in verlässlichen Trustcenterumgebungen abwickeln können.

Wichtigste Voraussetzung ist das obligatorische Berechtigungszertifikat. In ihm wird festgelegt, auf welche der im neuen Personalausweis gespeicherten Daten ein Diensteanbieter mit Einverständnis des Ausweisinhabers zugreifen darf.

Um sich ein solches Zertifikat ausstellen zu lassen, muss bei der Vergabestelle für Berechtigungszertifikate (VfB) im Bundesverwaltungsamt zunächst ein aktueller Berechtigungsbescheid beantragt werden. Hierfür wird die Identität des Antragstellers überprüft und festgestellt, welche Nutzerdaten tatsächlich für die Erbringung bestimmter Online-Dienste erforderlich sind.

Liegt der entsprechende Bescheid vor, sorgen separat beauftragte, sogenannte Certification Authorities (BerCA) wie die Bundesdruckerei mit ihrem Trustcenter D-TRUST für die technische Bereitstellung des Berechtigungszertifikats und bieten gleichzeitig ihre Dienste als eID-Service-Provider an. Damit können Anbieter, ohne große Investitionen in eigene Infrastrukturen, binnen kurzer Zeit sichere Registrierungs-, Anmelde- und Bestellprozesse offerieren. Die Durchführung aller notwendigen Prüf- und Aktualisierungsprozesse übernehmen in diesem Fall die im Hintergrund laufenden Hochsicherheitssysteme des beauftragten eID-Services.

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Dem Identitätsbetrug einen Riegel vorschieben

Für Behörden und viele privatwirtschaftliche Bereiche bringt die Möglichkeit einer sicheren gegenseitigen Authentisierung erhebliche Kosten- und Effizienzvorteile. Insbesondere der Online-Handel klagt zunehmend über unbezahlte Rechnungen und Kunden, die es gar nicht zu geben scheint. Grund ist das latente Risiko, Opfer von Identitätsbetrug zu werden. Werden Online-Bestellungen nur unter Angabe eines Namens, einer Lieferanschrift oder eMail-Adresse getätigt, hat der Händler oft keine Chance nachzuweisen, dass es tatsächlich der Namensträger war, der ihn beauftragt hat. Nicht selten verschwindet auf diese Weise wertvolle Ware und der vermeintliche Besteller versichert, nie auf der Website gewesen zu sein.

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Um sich gegen solche Praktiken zu schützen, wird die aktive Unterstützung der Online-Ausweisfunktion künftig ebenso bedeutsam sein wie die Inanspruchnahme eines kompetenten eID-Services. Der Nachweis, ob eine Bestellung unrechtmäßig ausgelöst wurde, obliegt dann nämlich dem Kunden, der seine Daten nur mittels einer PIN freischalten kann. Umgekehrt erhält jeder Nutzer über das Berechtigungszertifikat des Anbieters die Gewissheit, mit einem vertrauenswürdigen Partner zu verhandeln.

Noch mehr Sicherheit soll in Kürze die von Ausweisinhabern nachladbare Funktion der Qualifizierten Elektronischen Signatur (QES) bieten. Auch hier wurden technologisch alle Voraussetzungen geschaffen, um über eine digitale Alternative zur handschriftlich signierten Willenserklärung den Weg für neue behördliche und privatwirtschaftliche Anwendungen freizumachen.

Technologisch sind die Weichen gestellt

Fast 41 Millionen elektronisch übermittelte Einkommensteuererklärungen, rund 226 Millionen Umsatzsteuer-Voranmeldungen und über 125 Millionen digital bearbeitete Lohnsteuer-Anmeldungen, wie sie die behördliche Anwendung ELSTER derzeit verzeichnet, machen deutlich, dass die Bereitschaft zur Nutzung serviceorientierter Anwendungen kontinuierlich steigt.

Laut des aktuellen „eGovernment-Monitors“, im Juli 2010 von der Initiative D21 veröffentlicht, erkennen schon jetzt über 80 Prozent aller Nutzer in behördlichen Internet-Diensten einen großen bis sehr großen Mehrwert. Gleichzeitig wünschen sich die Befragten weitere Angebote, die bei einem Höchstmaß an Datenschutz und Datensicherheit klar ersichtliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Behördenabläufen bieten.

Mit der Einführung des neuen Personalausweises wurden technologisch und infrastrukturell alle Weichen gestellt, um dieser Nachfrage zu entsprechen. Gleichzeitig markiert, was jetzt in allen gesellschaftlichen Bereichen schrittweise in Bewegung kommt, den Beginn weitreichender Modernisierungsprozesse. Denn über die Neugestaltung effizienter Geschäftsprozesse werden sichere elektronische Identitäten sukzessive auch für mehr Datensparsamkeit und informationeller Selbstbestimmung genutzt werden können.

Gemeinsam Zukunft gestalten

Nutzer von Internet-Diensten erwarten zu Recht, dass ihre Daten sicher transportiert, verwahrt und geschützt werden. Genau an diesen Faktoren werden zukünftig auch Bürger- und Kundenservices gemessen werden. Nutzerorientierte, transparente und effektive eID-Anwendungen bieten die Chance und das Potenzial, das Verhältnis zwischen Bürgern, Verwaltungen und Unternehmen neu zu beleben.

Auf diesen Bedarf hat sich die Bundesdruckerei als Produzent des neuen Personalausweises und Anbieter international bewährter Hochsicherheitssysteme konsequent ausgerichtet. Denn nur ein erfolgreich vollzogener digitaler Wandel wird die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft langfristig sichern.

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