Schnellere Prozessdigitalisierung – ohne Programmieren Die Vorteile und Grenzen von Low Code

Ein Gastbeitrag von Christophe Bourguignat

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Der Mangel an qualifizierten Developern macht Unternehmen zu schaffen. Eine Lösung können Low-Code-Anwendungen sein, mit denen auch weniger technisch versierte Fachkräfte die Digitalisierung von Prozessen vorantreiben können. Diese Entwicklung birgt große Chancen, hat aber auch klare Grenzen.

Selbst Fachkräfte ohne tiefgreifendes Tech-Know-how können mit Low Code modulare Anwendungen erstellen
Selbst Fachkräfte ohne tiefgreifendes Tech-Know-how können mit Low Code modulare Anwendungen erstellen
(Bild: powerdigitalmarketing / Unsplash)

Durch den zunehmenden Mangel an qualifizierten Entwicklern und Entwicklerinnen sind Unternehmen gefordert, Alternativen zu finden. Mögliche Lösungen sind die Entwicklung mittels Low Code oder No Code.

Hinter diesen Schlagworten verbergen sich Ansätze im Software-Engineering, bei denen Anwendungen bzw. Applikationen mit wenig oder ganz ohne klassische Programmierung erstellt werden. Möglich wird dies durch digitale Plattformen, die eine Umgebung bereitstellen, in denen auch Menschen ohne Programmierkenntnisse an Anwendungen arbeiten können.

Grafische Oberflächen statt Code-Zeilen

Selbst Fachkräfte ohne tiefgreifendes Tech-Know-how können durch den Einsatz grafischer Benutzeroberflächen per Mausklick entsprechende, modulare Anwendungen erstellen. Ein Beispiel: Die Versicherungsbranche hat es derzeit schwer, Tech-Talente für sich zu begeistern, viele wollen allerdings die Digitalisierung in den kommenden Jahren stärker vorantreiben.

Ein Beispiel hierfür ist die digitale Datenerfassung. Dabei kann es nämlich immer noch vorkommen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehrere Anwendungen öffnen, Daten eingeben und darüber hinaus das digitale Beratungsprotokoll gesondert ausfüllen müssen.

Moderne Anwendungen, mit Low Code erstellt, bieten die Möglichkeit für eine deutliche Zeitersparnis. So kann ein übersichtliches Eingabeformular mit allen benötigten Feldern gestaltet werden, ähnlich wie mit einem Grafikprogramm. So können entsprechende Felder zur Dateneingabe, Beschriftungen und Buttons zu einer einheitlichen Oberfläche kombiniert und gemeinsam verwendet werden.

Schnelle Entwicklungszeiten mit Low Code

Vorgefertigte Module stellen so die notwendigen Funktionen bereit, ohne Eingabe von Code. Das bedeutet, z. B. bei einem Formular für Versicherungsunternehmen, dass in einem Feld zur Eingabe der Telefonnummer direkt eine korrekte Gruppierung von Vorwahl und Durchwahl ausgegeben wird.

Um die Funktionalität zu gewährleisten, muss zudem eine Verknüpfung der einzelnen Eingabefelder mit Datenbanken oder anderen Anwendungen erfolgen. Die Low-Code-Plattform sorgt dabei automatisch für die entsprechenden Datenbankbefehle, damit die Informationen weiterverarbeitet werden können. Doch nicht nur Formulare lassen sich via Drag and Drop erstellen. Möglich sind auch komplexere Funktionen wie Datenbankabfragen oder Funktionen für Programmsteuerungen.

Gestützt wird das Vorgehen durch Vorlagen für die App-Entwicklung, inklusive Basis-Funktionen, beispielsweise für Prozesse wie Urlaubsanträge oder Zeiterfassung. Bei fortgeschrittenen Plattformen besteht oftmals sogar die Möglichkeit, Wenn-Dann-Verzweigungen oder Wiederholungsschleifen mit grafischen Methoden und der Eingabe von einigen Parametern einzuführen.

Programmierung ohne Vorerfahrung?

Auf diesem Weg kann beinahe jede fachlich versierte, IT-affine Person eine Anwendung für ihren Fachbereich erstellen – und so Aufgaben vereinfachen und automatisieren. Dabei sind, je nach Plattform, sowohl Webanwendungen oder native Mobilapps für Android und iOS möglich; oder auch Progressive Web Apps (PWAs), also browserbasierte Webapps, die auf einem Smartphone oder einem Tablet wie native Apps wirken, inklusive Zugriff auf die Smartphone-Hardware wie GPS-Sensoren oder Kamera-Funktion. So können beispielsweise Angestellte im Außendienst von Versicherungen Bilder von Schäden direkt aufnehmen und übermitteln, um Prozesse zur Schadenregulierung zu beschleunigen.

Schnelligkeit als Stärke

In vielen, gerade weniger digitalen Unternehmen sind unkomplizierte, schnelle Lösungen gefragt, um Prozesse zu vereinfachen. Hier liegt eine der großen Stärken von Low-Code-Anwendungen: Solche Lösungen lassen sich zumeist zügig erstellen. Da nicht zwingend High- bzw. Pro-Coder für diese Aufgabe gebraucht werden, werden die Development-Teams entlastet.

Die Grenzen von Low Code

Doch die aktuellen Anwendungsmöglichkeiten von Low Code haben auch ihre Grenzen. Auf der einen Seite müssen die Angestellten in den Fachabteilungen tatsächlich Zeit und Interesse daran haben, sich in die entsprechenden Tools einzuarbeiten, wobei eine grundlegende Vorstellung von Software-Konzepten und Vorerfahrung bei der Nutzung komplexerer Software-Programme von Vorteil ist.

Eine weitere, wichtige Grenze ist der Funktionsumfang: Noch nicht alle Funktionen können durch solche Module abgebildet und so nicht alle individuellen Probleme in Unternehmen gelöst werden. Aus diesem Grund ist Low Code für die Entwicklung von besonders komplexen Anwendungen mit Spezialfällen aktuell weniger geeignet, sondern sollte vielmehr als niedrigschwelliger Ansatz für die Digitalisierung von Prozessen gesehen werden.

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Fazit: Low Code als Ergänzung für klassisches Programmieren

Die vorhergehenden Ausführungen zeigen: Low Code ist ein spannender Ansatz, um Prozesse in Unternehmen trotz des Mangels an Entwicklerinnen und Entwicklern schnell und pragmatisch zu digitalisieren und zu optimieren. Doch Low Code ist kein Wunder- oder Allheilmittel, das alle Programmier-Arbeit entbehrlich macht.

Gerade komplexe und individuelle Aufgaben, wie APIs oder Security-Features, benötigen weiterhin eigens programmierte Lösungen – wodurch die Development-Teams aber durch den Einsatz von Low Code an anderer Stelle wiederum mehr Zeit haben könnten.

Christophe Bourguignat
CEO und Co-Founder von Zelros

© Jean-Marc Gourdon

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei unserem Schwesterportal Dev-Insider.

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