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Interview

Die Verwaltung erfindet sich neu

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Sie haben die Entwicklung von IT-Management, eGovernment, Neue Organisationsmodelle und Innovative Verwaltungssteuerung angesprochen. Was verbindet diese Bereiche, wie können sie zur Modernisierung der Verwaltung beitragen und welche Auswirkungen werden sie auf Verwaltung und Politik haben?

Abele: Genau diese Bereiche müssen wesentlich zum Neuerfinden beitragen. Beispielsweise geht es im Bereich IT-Management und Verwaltungssteuerung darum, Strukturen zu schaffen, welche die notwendige Transformation managen können. Hier gilt es auch, CIOs einzusetzen, zu befähigen und wirken zu lassen. So kann IT ihrer Rolle als „Enabler“ gerecht werden. Eine zukunftsorientierte Verwaltungssteuerung muss Systeme und Prozesse implementieren, die Anreize für die Transformation darstellen, statt sie wie bisher zu behindern. Systeme also, die neben der Ein- und Ausgabensicht auch die Vermögensentwicklung abbilden, rentable Investitionen erleichtern, ein Wirtschaften über Legislaturperioden hinaus fördern und Anreize für ein wirtschaftliches Handeln geben sowie Leistung belohnen.

Neue Organisationsmodelle und eGovernment sind dazu die Transformatoren. Der einheitliche Ansprechpartner als „One face to the customer“ wird sich für alle Verwaltungsbereiche mit direktem Kundenbezug durchsetzen. Wir sehen diese Entwicklung nicht isoliert, sondern als Auftakt einer länger anhaltenden Modernisierungsphase. Wenn es gelingt, medienbruchfreie und benutzerfreundliche Online-Dienstleistungen zu realisieren, ist dies ein Quantensprung, der Deutschland auch im internationalen eGovernment-Vergleich nach vorne bringt. So wird nach Umsetzung des unter unserer Projektleitung erstellten ISPRAT-Konzeptes zur Bürgerrufnummer 115, die Suche nach Zuständigkeiten künftig der Vergangenheit angehören. Auch virtuelle Arbeitsorganisationen, wie Shared Services bergen erhebliches Potenzial zur Effizien- und Qualitätssteigerung. Ein Trend, dem auch die Öffentliche Verwaltung folgt. BearingPoint entwickelt derzeit ein Shared-Service-Konzept für Dienstleistungszentren in der Bundesverwaltung. Durch eParticipation wird sich die Kommunikation zwischen Verwaltungen und Bürgern in den nächsten Jahren grundlegend verändern. Projekte wie Bürgerhaushalt Köln und Stadtplanung im Netz in Hamburg beweisen, dass Web 2.0 das Verhältnis zwischen Bürgern und Verwaltung neu definiert.

In diesem Zusammenhang werden immer wieder Forderungen nach einer Reform des Föderalismus und des Prinzips der Ressorthoheit laut. Welche Entwicklungen erwarten Sie hier?

Abele: Der Föderalismus hat viele Vorteile und darf nicht ständig als Argument für schlechte Platzierungen in eGovernment-Rankings oder für langsame Prozesse in der Transformation missbraucht werden. Allerdings sollten die Chancen des Föderalismus, die in der Arbeitsteilung und der Zusammenarbeit liegen, noch stärker genutzt werden. Da die Veränderungen nicht mehr innerhalb der Abteilungs-, Behörden-, Ressorts- oder Landesgrenzen oder innerhalb einzelner staatlichen Ebenen geschehen, sind sowohl durch rechtliche (Föderalismuskommission II) als auch organisatorische (CIO-Boards, etc.) Maßnahmen die Fähigkeiten zu erhöhen Veränderungen ganzheitlich zu managen.

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