Interview mit Katrin Lange, Vorsitzende IT-Planungsrat

Die Verwaltung aus der Vergangenheit holen

| Autor: Manfred Klein

Geodaten bieten zahlreiche Möglichkeiten – etwa im Bereich von Open Data und Open Government. Welche Möglichkeiten sehen Sie hier für die Öffentliche Verwaltung im Allgemeinen und die Kommunen im Besonderen?

Lange: Geodaten, also zum Beispiel digitale Landkarten und Luftbilder, Daten des Liegenschaftskatasters, Umweltdaten oder Geländehöhendaten bieten eine große Fülle von Nutzungsmöglichkeiten, gerade für die öffentliche Verwaltung und dort ganz besonders auch für die Kommunen. Ohne Geodaten wäre der Schutz unserer Umwelt, die Abwehr von Gefahren wie Hochwasser oder Waldbrände oder auch die Planung von Verkehrswegen und Infrastruktur kaum effektiv möglich.

Für die Kommunen sind die Geodaten beispielsweise für die Bauleitplanung oder für die Schulstandortplanung unverzichtbar. Die digitale Technik macht es heute möglich, diese enorme Fülle an Informationen und Daten so übersichtlich und einfach wie nie zuvor bereitzustellen. Geodaten werden schon seit langem aufgrund verschiedener Gesetze grundsätzlich für jedermann bereitgestellt; das geschieht im Umweltbereich weitestgehend entgeltfrei, im Vermessungswesen vorwiegend gegen Entgelt. Insofern sind Geodaten grundsätzlich sicherlich auch ein Bestandteil von Open Data und Open Government.

Sie haben selbst lange in der Kommunalverwaltung gearbeitet und entsprechende kommunalpolitische Erfahrung. Wo sehen Sie bei eGovernment und Digitalisierung für Kommunen die größten Schwierigkeiten und wie wollen Sie diese mit in Ihrer Arbeit im IT-Planungsrat beseitigen?

Lange: An der Akzeptanz für elektronische Lösungen liegt es jedenfalls nicht. Diese ist vor Ort sehr hoch. Ich komme ja aus einem flächenmäßig großen Bundesland, das teilweise dünn besiedelt ist. Hier liegt der Vorteil der Verwaltung im Internet auf der Hand. Das ist auch den Mitarbeitern der ­Kommunalverwaltungen völlig klar.

Viele unserer Kommunalverwaltungen sind allerdings sehr klein. Es ist oft gar nicht möglich, hier neben der alltäglichen Arbeit noch große Anstrengungen im Bereich eGovernment zu unternehmen. Deswegen brauchen wir einerseits ausreichend leistungsfähige Verwaltungen vor Ort und andererseits gute Angebote, Beratung und Unterstützung von Ländern und dem Bund. Denn nirgendwo muss das Rad zum zweiten Mal erfunden werden.

Wir brauchen auch die Macht des Vorbilds. Nichts ist so überzeugend, wie praktische Beispiele, die funktionieren. Ein zentraler Aspekt dabei ist die Einheitlichkeit bei der Einführung solcher Lösungen. Wir müssen uns die Frage stellen, warum wir in diesen Bereichen in der deutschen Verwaltung noch nicht da sind, wo wir sein könnten und müssten. Das hat auch damit zu tun, dass die Auswahlmöglichkeiten an eGovernment-Lösungen auf dem Beschaffungsmarkt für Kommunen deutlich besser sein könnten; Einheitlichkeit und Bewertungskriterien fehlen oftmals.

Es ist unter anderem Aufgabe des IT-Planungsrats, hier im Rahmen des Möglichen die notwendigen Abstimmungen mit den Spitzenverbänden zu fördern und sachgerechte Lösungen zu ermöglichen. Darauf zielt zum Beispiel ein aktuelles Projekt im IT-Planungsrat ab – das „Digitalisierungsprogramm“. Hier wird es im Kern darum gehen, den Ausbau der digitalen Verwaltung voranzutreiben, bestehende Lösungen auf dem Markt zu analysieren und anschließend zur Anwendung zu empfehlen. Das würde vielen Kommunen schon sehr weiterhelfen.

Wie wird der IT-Planungsrat seine Arbeit im Public Sector Parc auf der CeBIT präsentieren, und welche Rolle wird Brandenburg übernehmen?

Lange: Der IT-Planungsrat verdeutlicht auf dem Gemeinschaftsstand auf der CeBIT in Halle 7 praxisnah, wie umfassend die Digitalisierung auf den verschiedenen Verwaltungsebenen bereits Einzug gehalten hat und wie der IT-Planungsrat die digitale Zukunft deutscher Verwaltungen aktiv gestaltet. Richtungsweisende Initiativen, Projekte und Anwendungen werden vorgestellt, wie das Digitalisierungsprogramm des IT-Planungsrats oder das Projekt „Digitalisierung des Asylverfahrens“.

Brandenburg selbst wird auf dem CeBIT-Stand drei Projekte präsentieren: Mit der „Maerker-App“ stellen wir ein in Deutschland einzigartiges Online-Werkzeug vor, mit dem Bürgerinnen und Bürger Infrastrukturprobleme in den Kommunen mobil melden können. Mit dem „Schulmanagement – made in Brandenburg“ informieren wir über verschiedene Softwarekomponenten, die die Schulen und Schulaufsichten zum effizienten Erledigen von Verwaltungsaufgaben nutzen können. Ein besonderer Eye-Catcher wird unser interaktiver Funkstreifenwagen auf dem Gemeinschaftsstand des IT-Planungsrats sein. Auch die Rekrutierung unseres Polizeinachwuchses liegt mir besonders am Herzen. Auf der CeBIT werden wir deshalb sehr aktiv über Ausbildungsplätze im Brandenburgischen Polizeidienst informieren.

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Sehr geehrte Frau Katrin Lange, Vorsitzende IT-Planungsrat, habe auf Facebook Ihren Beitrag...  lesen
posted am 23.03.2017 um 00:23 von Unregistriert


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