Interview mit Rainer Beckers, Geschäftsführer des ZTG

„Die Telematik-Infrastruktur muss eine einheitliche sichere Plattform bieten“

| Autor: Ira Zahorsky

Das Anwenderzentrum eGesundheit in den Räumlichkeiten des ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin in Bochum soll zur flächendeckenden elektronischen Vernetzung des Gesundheitswesens beitragen.
Das Anwenderzentrum eGesundheit in den Räumlichkeiten des ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin in Bochum soll zur flächendeckenden elektronischen Vernetzung des Gesundheitswesens beitragen. (Bild: ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin)

Mediziner und Patienten können sich seit über einem Jahr im Anwenderzentrum eGesundheit in den Räumlichkeiten des ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin in Bochum anhand von Live-Demonstrationen über nutzerorientierte Telematik- und Telemedizin-Lösungen informieren. eGovernment Computing sprach mit dem Geschäftsführer Rainer Beckers.

Wie beurteilen Sie das im Entstehen begriffene eHealth-Gesetz unter dem Gesichtspunkt der Telematikentwicklung?

Rainer Beckers: Das eHealth-Gesetz enthält insbesondere für den Aufbau der Telematik-Infrastruktur nun klarere Vorgaben und Verbindlichkeiten sowie zudem gewisse Anreizsysteme. Es ist zu hoffen, dass dies nun für eine zügige Umsetzung der Telematik-Infrastruktur ausreichend ist. Problematisch ist, dass man sich darauf beschränkt, nur Vertragsärzten und Krankenhäusern in absehbarer Zeit einen garantierten Zugriff auf die Telematik-Infrastruktur zu gewähren, der es ermöglicht, mit starker Verschlüsselung beispielsweise Arztbriefe oder andere Befunde rechtssicher und datenschutzgerecht elektronisch auszutauschen. Dies blendet wichtige Teile der nachstationären Patientenversorgung, insbesondere Rehabilitationseinrichtungen, Pflegeheime/Pflegedienste, Therapeuten und Hilfsmittelversorgung komplett aus und wird den heutigen Versorgungsrealitäten nicht gerecht.

Zudem verbleiben noch wesentliche Hindernisse, für die Einführung von telemedizinischen Leistungen in die Regelversorgung. Derartige Hindernisse sind beispielsweise: ein umfassend ausgelegtes Fernbehandlungsverbot und die undifferenzierte Forderung nach RCT-Studien für den Nutzennachweis telemedizinischer Anwendungen.

Welchen technischen Anforderungen müsste eine Telematik-Infrastruktur Ihrer Meinung nach gerecht werden, um den spezifischen Ansprüchen des Gesundheitswesens zu genügen?

Rainer Beckers: Sie muss Zugriff für alle an der Patientenversorgung beteiligten Berufsgruppen gewährleisten.

Aktuell können lediglich bestimmte Berufsgruppen wie Ärztinnen und Ärzte und Apothekerinnen und Apotheker die elektronische Gesundheitskarte und die Telematikinfrastruktur tatsächlich nutzen.

Die Telematik-Infrastruktur muss eine einheitliche sichere Kommunikationsplattform für das Gesundheitswesen bereitstellen, damit keine elektronischen Parallelwelten mit unterschiedlichen Sicherheitsniveaus entstehen, die neue Barrieren für eine sektorübergreifende Kommunikation auf Jahre verfestigen.

Welche Anforderungen muss eine Telematik-Infrastruktur erfüllen, um für Patienten und Ärzte einfach handhabbar zu sein?

Rainer Beckers: Die Technik muss für Anwenderinnen und Anwender möglichst im Hintergrund wirken, damit die Behandlungsprozesse nicht unnötig durch administrative Vorgänge behindert werden. Dies wäre am sinnvollsten durch eine tiefe Integration in die von den Behandlern verwendeten IT-Systeme und deren Software zu gewährleisten. Für diesen Zweck müssen alle erforderlichen Informationen zur Telematik-Infrastruktur für die IT-Systemhersteller frei verfügbar sein.

Die technisch mit eGK und eHBA gegebenen Werkzeuge sollten genutzt werden, um den Patientinnen und Patienten auf Wunsch ein Instrument an die Hand zu geben, mit dem sie selbst steuern können, welchem Behandler/Leistungserbringer sie Behandlungsunterlagen zugänglich machen wollen. Dies wäre insbesondere nützlich, wenn beispielsweise ein Patient oder eine Patientin der Übermittlung eines Entlassbriefes an den Hausarzt widerspricht oder kein Hausarzt bekannt ist.

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