Organisationstransformation

Die richtige IT-Strategie für den Public Sector

| Autor / Redakteur: Axel Keller, Felix Neumann* / Manfred Klein

Was macht eine gute IT-Strategie aus?

Die adaptive IT unterscheidet drei strategische Grundformen der IT, die eine differenzierte Ausgestaltung der IT anhand organisatorischer und technologischer Erfolgsfaktoren ermöglichen – abhängig von der Kritikalität und dem Wertbeitrag für die Organisation:

  • Marktdifferenzierende IT versteht sich als Wettbewerbsfaktor aus Sicht der Organisation. Basierend auf der Geschäftsstrategie leistet die IT einen wesentlichen Wertbeitrag und verschafft der Organisation einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil im Hinblick auf Marktanteile und Wettbewerbsdifferenzierung. So wird die IT-Organisation zum Treiber der (digitalen) Geschäftsmodelle. Kontinuierliche Innovation und Produktentwicklung sind gefragt.
  • Geschäftskritische IT fokussiert betriebliche Risiken und versteht sich als Unterstützer kritischer Geschäftsprozesse. Hier ist die IT Lieferant zentraler Arbeitsmittel. Ohne deren qualitative und zugleich performante Verfügbarkeit wäre die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs gefährdet. Die IT-Organisation konzentriert sich hier auf kosteneffiziente Bereitstellung von IT-Services.
  • Fachseitige IT bietet die Möglichkeit, spezifische Anforderungen von Fachseite autonom durch am Markt verfügbare Dienstleistungen und Produkte oder Lösungen zu decken – wenn deren Umsetzung durch die eigene IT-Organisation wirtschaftlich ineffizient wäre. Der Fachbereich ist die treibende Kraft der Veränderung, und es gilt, ihn durch Autonomie bei IT-Entscheidungen zu stärken. Die IT-Organisation fungiert dabei primär als Berater und Auditor. Aus Sicht der Organisation erbringt die fachseitige IT allerdings keine geschäftskritischen Leistungen, von deren Verfügbarkeit das Kerngeschäft abhängen würde.

Die Öffentliche Verwaltung steht mit ihrer IT weniger im Wettbewerb. Insofern liegt der Fokus hier klar auf geschäftskritischer oder fachseitiger IT.

Im Rahmen einer adaptiven IT ist eine flexibilisierte IT-Strategie ein wichtiger Erfolgsfaktor. Denn für die IT sind heute spezifische und differenzierende Strategien erforderlich. Die in der Vergangenheit oft vorherrschende monolithische IT kann den an sie gestellten diver­gierenden Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Um eine erfolgreiche IT-Strategie zu etablieren, lohnt es also, sich mit den dynamischen Aspekten jeder Strategieschule auseinanderzusetzen, um die Einflussfaktoren besser zu verstehen, die auf eine Strategie einwirken. Alle Strategieschulen enthalten Elemente, die je nach Situation der Organisation ihre Berechtigung haben können. Die eine, einzig richtige Herangehensweise an die IT-Strategie gibt es nicht. Heute erweisen sich jedoch vor allem diejenigen IT-Strategien als erfolgreich, die lern- und anpassungsfähig sind und die gegebenenfalls iterativ oder inkrementell abgeleitet werden. Eine hohe Prozessorientierung muss aber nicht hinderlich sein. Der Fokus liegt nicht mehr nur auf den Inhalten, sondern auch auf der Veränderbarkeit der IT-Strategie. Entsprechend sollte auch der Zeit­horizont einer IT-Strategie nicht zu lang gewählt werden. Ein guter Richtwert ist eine Auslegung auf zwei bis drei Jahre, Legislaturperioden spielen jedoch in der Öffentlichen Verwaltung eine große Rolle. Des Weiteren muss im Rahmen einer modernen IT-Governance auch bei unveränderter Geschäftsstrategie regelmäßig eine Justierung der IT-Strategie möglich sein, ohne dass dabei die eigentlichen Hauptziele der Organisation sofort aufgegeben würden. Dies gilt es, in der Organisationskultur zu verankern. Oft erweist sich hier der Blick externer Experten als hilfreich. Sie können Scheuklappen identifizieren, die aktuelle IT-Strategie an bestehenden Erfahrungen und Rahmenwerken spiegeln und damit den Wirkungsgrad neu bewerten.

Fazit

Angesichts der Herausforderungen der digitalen Transformation ist das klassische Planungsmodell für die Entwicklung einer IT-Strategie zu statisch, unflexibel und träge. Dies gilt für die Öffentliche Verwaltung im gleichen Maße wie für die Wirtschaft. Zusätzlich wird eine schnelle Entscheidungsfindung durch lange Entscheidungsprozesse und zu berücksichtigende Gremien erschwert. Dennoch kann gerade der frische Blick auf die etablierten Strategieschulen die Entwicklung neuer Herangehensweisen in der Strategieentwicklung fördern.

In dem Maß, in dem adaptive IT sich als Schlüssel zur IT im Zeit­alter der Digitalisierung darstellt, wird für die Öffentliche Verwaltung auch die Flexibilisierung und Differenzierung ihrer IT-Strategie zu einem erfolgsentscheidenden Faktor.

*Die Autoren

Axel Keller ist Management Consultant bei Cassini Consulting, Felix Neumann ist Consultant bei Cassini Consulting. Weitere Informationen gibt es unter Cassini.de sowie unter Public.Cassini.de.

Ergänzendes zum Thema
 
10 Strategieschulen im Überblick

Inhalt des Artikels:

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Guter Artikel! Wo kann man eigentlich diese nichtssagende Rhetorik erlernen?  lesen
posted am 01.03.2017 um 13:27 von Unregistriert

Wie auf Seite 1 beschrieben: Die digitale Transformation einer Organisation ist eine...  lesen
posted am 01.03.2017 um 08:41 von Unregistriert


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