Open Allerlei statt Open Source? (Teil 2) Die Öffnung der Altvorderen

Autor / Redakteur: Ludger Schmitz * / Florian Karlstetter

Schon Cloud Computing hat Open-Source-Verbände zur Positionierung jenseits von Sourcecode gezwungen. Inzwischen ist ihre Arbeit stark von weiteren Open-Themen geprägt. Das ändert aber nichts am Hauptziel, dem Open-Source-Business.

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Was ist geblieben vom Hype um Open Source? Allerlei, dies zeigt ein dreiteiliger Trendbeitrag des langjährigen Open-Source-Spezialisten Ludger Schmitz.
Was ist geblieben vom Hype um Open Source? Allerlei, dies zeigt ein dreiteiliger Trendbeitrag des langjährigen Open-Source-Spezialisten Ludger Schmitz.
(© Benjamin Haas - Fotolia.com)

Inzwischen haben Open-Themen nachhaltige Spuren in der Open Source Business Foundation (OSBF) oder auch in der Open Source Business (OSB) Alliance hinterlassen. Nur bei einem dritten Verband, der Free Software Foundation Europe (FSFE), gibt es (noch) keine Orientierung in dieser Richtung. Hier stehen unverändert Free Software und damit zusammenhängende Aspekte wie offene Standards und Dokumentenformate sowie die Ablehnung von Patenten im Zentrum.

Cloud Computing war für die OSB Alliance und die OSBF, die immerhin Open Source in ihrem Namen führen, der erste Anlass, sich mit über Sourcecode hinausgehenden Aspekten von Offenheit zu beschäftigen.

Dabei ging es weniger um Quellcode oder die Lizenz der Software, als vielmehr um die Verhinderung einer neuen Abhängigkeit der Anwender von Anbietern, einer Lock-in-Situation.

Die OSBF hat sich vor allem um das für Open Government wichtige Thema Interoperability gekümmert. Schon in der Linux Solutions Group (Lisog), neben dem Linux-Verband eine Vorläuferin der OSB Alliance, begann die Beschäftigung mit Open Cloud Computing. Eine Working Group „Deutsche Wolke“ in der OSB Alliance hat ein Cloud-Angebot auf die Beine gestellt, das ausschließlich aus Open-Source-Software besteht.

Die Lisog veranstaltete schon auf dem LinuxTag 2011 eine Diskussionsrunde „Open Minds Economy“, was eine wirtschaftliche Orientierung statt eines politisches Engagements anzeigt. Daraus erwuchs 2012 eine ganztägige Vortragsveranstaltung der OSB Alliance, und in diesem Jahr soll parallel zum LinuxTag ein „Open-IT Summit“ über offene Formen der Zusammenarbeit folgen.

Als Kernthemen kristallisierten sich bisher neben Open Data, Access oder Government Open Economy und vor allem Open Education heraus. Zum letztgenannten Thema gibt es in der OSB Alliance eine eigene Arbeitsgruppe.

Die Vielfältigkeit der Open-XYZ-Themen

Open Education ist auch bei der OSBF ein wichtiges Open-Thema, spätestens seit vor rund einem Jahr mit dem Nürnberger FabLab eine Initiative Mitglied wurde, die möglichst mit Open-Source-Mitteln Kinder und Jugendliche für IT begeistern will.

Längst bezieht sich in der OSBF Open Education auch auf die universitäre Ausbildung. Zu dieser Öffnung sollte man auch neue Konferenz- und Kooperationsformen wie Un-conferencing oder Coworking zählen. Zusammengefasst ist das und mehr in der OSBF unter dem Begriff „Trend Scouting“.

Ein wichtiger Ideenlieferant innerhalb der OSBF ist der Erlanger Unternehmensberater Stefan Probst, der zunächst einen Überblick über die Vielfältigkeit der Open-XYZ-Themen beigesteuert hatte. Signifikanterweise tauchte im Herbst 2012 auf der OSBF-Homepage neben dem Logo eine grafische Erweiterung auf: eine Art Schweizer Messer, zu dem um Open Source verschiedene Open-Tools gehören.

Ein OSBF-Dokument formuliert die Bedeutung so: „Ausgehend von offener Software und Technologie erschließen wir neue Trends, um Unternehmen dieses Potential näherzubringen, um gemeinsam vorhandene Geschäftsmodelle innovativ weiterzuentwickeln und um dem gesellschaftlichen Auftrag gerecht zu werden. Das ''Open'' bildet dabei die Basis für unser Denken und Trend Scouting ist der Antrieb, um Neues früh zu erkennen, zu beurteilen und nutzbringend für unsere Mitglieder einzubeziehen.“

Die Open-Source-Organisationen verstehen sich also durchaus als Keimzelle neuer Open-Initiativen. Diese haben nach Ansicht von Unternehmensberater Probst „ihre Wurzeln in den Stärken von Open-Source-Software: Offenheit, Transparenz, Zusammenarbeit, Vielfalt und niedrige Eintrittsbarrieren“. Nach Beobachtung von Probst „bevorzugen solche Projekte oft meritokratische Strukturen und das Ziel, etwas Nützliches für die Allgemeinheit zu schaffen“.

Die Open-Source-Organisationen könnten sich mit ihren massiven Erfahrungen aus der praktischen kollaborativen Arbeit als Inkubator für andere Open-Initiativen und -Projekte anbieten. Richard Seibt sieht die von ihm geleitete OSBF als „Reuse von Wissen und Erfahrung“.

Das Bild lässt an Fischfang denken, eine Vereinnahmung von anderen Open-Initiativen ist allerdings keineswegs intendiert. Peter Ganten, Vorsitzender der OSB Alliance, möchte nicht mehr als „gemeinsam von einander lernen“. Der primäre Zweck seiner Organisation bleibe die Förderung von Open-Source-Software.

OSB Alliance wie OSBF bleiben bei ihrer zentralen Mission. „Wir sollten natürlich nicht in eine Open-Beliebigkeit abdriften“, erklärt Thomas Uhl, Initiator der Deutschen Wolke sowie Vorstandsmitglied der OSB Alliance und der internationalen Open Cloud Initiative. OSB Alliance und OSBF sind sich bewusst, dass Open Source ein klar definierter Begriff ist, der sich nicht durch Open Sonstwas ersetzen lässt.

Der Autor

*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in München, www.open-source-presse.de.

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