Trends und Technologien

Die „neue“ CEBIT ist eröffnet

| Autor / Redakteur: dpa / Sylvia Lösel

Die Cebit ist eröffnet. Noch bis 15. Juni ist Hannover das Mekka der IT-Welt.
Die Cebit ist eröffnet. Noch bis 15. Juni ist Hannover das Mekka der IT-Welt. (Bild: Deutsche Messe)

Die CEBIT ist am Montag ist mit einem vollkommen umgekrempelten Gesamtkonzept an den Start gegangen. In der Branche wird mit Spannung erwartet, ob der neue Ansatz für die einst weltgrößte Computerschau aufgeht. Die Expo wird von einem Konferenzprogramm und einem Festival samt Popkonzerten begleitet und will ein deutlich jüngeres Publikum ansprechen als bisher.

Die Deutsche Messe zeigte sich zum Auftakt vom Erfolg überzeugt. Auch die Cebit-Veranstaltungen der letzten drei Jahre seien jeweils erfolgreich gewesen, betonte Oliver Frese, Vorstandsmitglied der Deutschen Messe, am Montag in Hannover. Man habe jedoch die jungen Leute nicht mehr erreichen können. „Diese Zielgruppe erwartet andere Formate als eine traditionelle Messe.“ Das werde die CEBIT nun ab diesem Jahr bieten.

Die neue CEBIT solle „gelebte digitale Transformation“ sein, sagte Frese. „Das digitale Heute verstehen, das Digitales Morgen entdecken“ - darum gehe es in dieser Woche auf dem Messegelände. „Die Industrie ist diesen Weg begeistert mitgegangen.“ Während Microsoft als langjähriger Aussteller in diesem Jahr nicht dabei ist und auch die Telekom ihren Auftritt merklich reduziert hat, konnten die Veranstalter neue Kunden wie Facebook oder Oracle gewinnen. Insgesamt werden rund 2.800 Aussteller erwartet.

Intel zeigt etwa das erste bemannte Flugtaxi Volocopter auf seinem Stand sowie eine „stehende Welle“. Aus den Augen des Surfers sollen Besucher mit Hilfe von High-tech-Kameras und Künstlicher Intelligenz in Echtzeit die Tour mit einer Virtual-Reality-Brille miterleben können.

Künstliche Intelligenz und Robotik

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI demonstriert an seinem Stand, wie Roboter etwa in Indien oder China per „Fernlehrgang" neue Fertigkeiten erlernen können. Ein optisches Highlight kommt von SAP. Schon am Montag war das Riesenrad des Software-Spezialisten auf dem Campus der Messe in Hannover weithin sichtbar. Es könnte das Zeug dazu haben, ein neues Wahrzeichen der CEBIT zu werden.

Die fundamentale Neuausrichtung sei ein „mutiger, aber auch notwendiger Schritt“, sagte Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom. Ob der Wandel gelinge, werde man jedoch voraussichtlich erst in zwei oder drei Jahren bemessen können.

Die Digitalwirtschaft in Deutschland zeigt sich derweil in guter Verfassung. Die Umsätze der ITK-Branche steigen nach Schätzungen des Bitkom in diesem Jahr um 1,7 Prozent auf 164 Milliarden Euro. Voraussichtlich wird mit 1,13 Millionen die Zahl der Beschäftigten um 3,8 Prozent steigen. Allerdings wächst auch der Fachkräftemangel mit. Laut Bitkom fehlen aktuell 55.000 IT-Spezialisten.

Der Bitkom rückt auf der CEBIT deshalb auch die Suche nach Fachkräften in den Mittelpunkt seines Auftritts. Auf dem Freigelände hat der Verband auch ein „Recruiting Center“ eingerichtet. „Die Digitalisierung schafft viele spannende und lukrative Jobs - und auch völlig neue Perspektiven“, sagte Berg. In Hannover wolle der Verband zeigen, „dass die Digitalisierung spannend ist und Spaß macht“.

Den Mangel an Fachkräften sehen einer Studie des Bitkom zufolge 42 Prozent der Unternehmen in Deutschland als Hürde für den Einsatz neuer Technologien. Aber auch die neue Datenschutzgrundverordnung werde als Hemmschuh gesehen: 63 Prozent der in der am Montag vorgestellten Studie befragten Unternehmen sehen demnach die entsprechenden Anforderungen als Hürde für den Technologie-Einsatz. Es gebe bislang „keine wirklich funktionierende Balance zwischen dem Schutz von Privatsphäre und der Nutzung von Daten“, kritisiert Berg.

Neun von zehn Unternehmen in Deutschland sehen dem Bitkom zufolge die Digitalisierung als große Chance, doch nur 23 Prozent investieren demnach in digitale Geschäftsmodelle. Die Bedeutung der Digitalisierung sei erkannt, nur bei der Umsetzung hapere es noch, sagte Berg. 32 Prozent der Befragten Führungskräfte gaben wegen voller Auftragsbücher fehlende Zeit als Grund dafür an - „Digitalisierung gibt es aber nicht zum Nulltarif“, betonte Berg.

Roboter-Auto von Volkswagen

Volkswagen hat auf der CEBIT eine neue Version seines Roboterwagen-Konzepts Sedric vorgestellt. Diese Studie sei für sportlich aktive Menschen gedacht, sagte Digitalchef Johann Jungwirth auf der Technologiemesse in Hannover am Montag. Die Idee sei, dass der Sedric Active einen Nutzer zum Beispiel am Startpunkt einer Mountainbike-Tour absetze und dann autonom zum Zielort fahre. Dafür müsse man dem Wagen den Zugriff auf die eigenen Ortungsdaten gewähren. Alternativ könne man den Wagen auch zum Schluss per Knopfdruck rufen.

Volkswagen stellte bereits mehrere Sedric-Varianten vor. Dazu gehören Sedric 42 für Familien, die Nightlife-Version mit pinkem Sofa und goldenem Karaoke-Mikrofon sowie ein gelber Schoolbus für Schüler. VW will sich vom Autohersteller zu einem führenden Mobilitätsanbieter wandeln und gründete dafür extra die neue Marke Moia.

Konzepte wie Sedric seien „nicht weit weg" vom Alltag, betonte Jungwirth. „Ich glaube fest daran, in den nächsten ein, zwei Jahren werden wir den ersten umgesetzten Betrieb sehen, zunächst in den USA.“ Mit den automatisierten Fahrdiensten würden auch neue Geschäftsmodelle einhergehen, zeigte er sich überzeugt: „Warum soll nicht Edeka für die Fahrt zum Edeka bezahlen?“ Genauso könne auch der Preis der Fahrt bei einem Restaurant-Besuch oder einer Hotel-Übernachtung von den Anbietern getragen werden.

LTE an Hauptverkehrsadern

Vodafone will entlang der Autobahnen, Bahngleise und auf Flughäfen in Deutschland sein LTE-Netz deutlich ausbauen. Ziel sei eine verbesserte Versorgung für alle Hauptverkehrsadern für die Mobilität der Zukunft, teilte das Unternehmen am Montag zum Start der CEBIT in Hannover mit. Bis zum Ende des kommenden Jahres will Vodafone LTE flächendeckend auf allen Autobahnen und entlang der ICE-Hauptstrecken anbieten. Fahrzeuge auf dem 13.000 Kilometer umfassenden Autobahnnetz könnten sich damit in Zukunft gegenseitig auch per Mobilfunk vor Gefahren warnen.

Auch die Telekom arbeitet an der Verfügbarkeit seiner LTE-Netze. Nach Berechnungen der Marktbeobachter von OpenSignal hat der Vodafone-Konkurrent insgesamt derzeit in Sachen Verfügbarkeit und Schnelligkeit von LTE die Nase vorn.

Fachkräftemangel

Der Digitalverband Bitkom rückt in Hannover die Suche nach Fachkräften in den Mittelpunkt seines Auftritts. Auf dem Freigelände hat der Verband neben einem Container Camp und einer Lounge Bar auch ein „Recruiting Center“ eingerichtet. „Die Digitalisierung schafft viele spannende und lukrative Jobs – und auch völlig neue Perspektiven“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg zum Auftakt der Messe. Auf der CEBIT wolle der Verband zeigen, "dass die Digitalisierung spannend ist und Spaß macht".

Den Mangel an Fachkräften sehen einer Studie des Bitkom zufolge 42 Prozent der Unternehmen in Deutschland als Hürde für den Einsatz neuer Technologien. Aber auch die neue Datenschutzgrundverordnung werde als Hemmschuh gesehen: 63 Prozent der in der am Montag vorgestellten Studie befragten Unternehmen sehen demnach die entsprechenden Anforderungen als Hürde für den Technologie-Einsatz. Es gebe bislang "keine wirklich funktionierende Balance zwischen dem Schutz von Privatsphäre und der Nutzung von Daten", kritisiert Berg.

Als wettbewerbsentscheidende Schlüsseltechnologien sehen der Studie zufolge 76 Prozent der Unternehmen das Internet der Dinge an, dicht gefolgt von der Nutzung großer Datenmengen (Big Data, 74 Prozent). Robotik spielt für 66 Prozent eine große Rolle.

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