eGovernment Summit 2008 Die Herausforderungen der Verwaltung nicht isoliert betrachten

Redakteur: Manfred Klein

Es ist soweit: eGovernment Computing wird am 30. und 31. Oktober auf dem Bonner Petersberg den eGovernment Summit durchführen. Auf der Veranstaltung werden die Spitzen aus Politik und Verwaltung die Frage diskutieren, wie eGovernment zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen kann. An der Agenda zeigt sich, dass die Probleme nicht isoliert betrachtet werden können.

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( Archiv: Vogel Business Media )

So hat sich inzwischen als eines der zentralen Themen der Verwaltungsmodernisierung, das alle anderen Aspekte dominiert, der demografische Wandel mit seinen Folgen herauskristallisiert.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble brachte dies anlässlich der Eröffnung der Behördenleitungstagung des Bundes so zum Ausdruck: „Verantwortung übernehmen, Entscheidungen mit Mut und Augenmaß treffen und notfalls auch gegen Widerstände durchsetzen – das macht Führung aus. Dabei muss Führung die sich wandelnden Bedingungen im Blick haben, nach denen die Gesellschaft funktioniert. Den technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen können wir uns nicht einfach entziehen. Wir können sie aber mitgestalten. Und in Zeiten tiefgreifender Veränderungen sind wir gezwungen, unsere eigene Arbeit, Ziele, Instrumente und Verfahrensweisen in immer kürzeren Abständen zu überprüfen, anzupassen und neue Lösungen zu suchen.“

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Dazu brauche die Verwaltung vielseitige und flexible Mitarbeiter, die die Übersicht behalten und – im Ausgleich der Interessen – ebenso selbstbewusst wie besonnen staatliche Gestaltungsaufgaben wahrnähmen.

Die richtige Balance

Schäuble rief deshalb die Führungskräfte dazu auf, sich der Entwicklung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders anzunehmen und ihnen den notwendigen Freiraum für ihre Fortbildung zu geben. Genauso wichtig wäre es aber auch, dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten sich auch an ihrem Arbeitsplatz entwickeln können und – in der richtigen Balance von Führung und Freiraum für eigenverantwortliches Handeln – an ihren Aufgaben wachsen.

Christoph Lahmann, IT-Bevollmächtigter der Landesverwaltung Niedersachsen, der auf dem Summit einen Impulsvortrag zum Thema „Erfolgreiche Verwaltungsreform auf Länderebene: Strategie, Konsolidierung, Change Management halten“ wird, stellt sich dieser Zusammenhang so dar: „Die wesentlichen Herausforderungen für die Verwaltung sind nur durch ganzheitliche Konzepte in den Griff zu bekommen. Die Globalisierung und damit der erhöhte Wettbewerbsdruck auf die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten, der nachhaltige Umgang mit Ressourcen, der bevorstehende soziodemografische Wandel in der Bevölkerung und ein sich wandelndes Anspruchsdenken bei Bürgern und Unternehmen gegenüber ihrem Staatsapparat liefern Herausforderungen für die Verwaltung, die keine Verwaltungseinheit meistern wird. Wir alle kennen den Slogan der Strategieberater: ‚IT follows Business‘ – oder hieß es nicht ‚Business follows IT‘? Interessanterweise sind eben beide Versionen im Umlauf und genau in dieser Koexistenz liegt der eigentliche Wahrheitsgehalt. Nur in einer engen Verzahnung von Forschung, Technik, Organisation und Fachbereich lassen sich die Herausforderungen erfolgreich meistern.“

Auch Petra Manefeld bei Hewlett-Packard, einem der Sponsoren der Veranstaltung, im Geschäftsbereich Öffentliche Auftraggeber, teilt die generelle Einschätzung dieser Situation: „Einschneidende Veränderungen für die Zukunft werden der demografische Wandel, die Sicherung der Energieversorgung und die Sicherung des Wirtschafts-und Innovationsstandorts Deutschland sein.“ Dazu müssten in Deutschland innovative Konzepte entwickelt werden, stellt sie ausdrücklich fest.

Giso Schütz, Präsident des Bundesverwaltungsamtes, hatte schon im vorangegangen Bericht auf die Folgen des demografischen Wandels hingewiesen. Schütz ist der festen Überzeugung, dass sich die Folgen dieser Umwälzung – Fachkräftemangel und sinkende beziehungsweise stagnierende finanzielle Mittel – nur durch Bündelungsmaßnahmen und durch einen übergreifende IT-Einsatz in den Griff bekommen lassen.

Ähnlich sieht diese Zusammenhänge auch Martin Schallbruch, IT-Direktor im Bundesinnenministerium. Schallbruch sieht die drängendsten Herausforderungen im Bereich der Verwaltungsmodernisierung in folgenden Faktoren: „Heute schon stehen weniger Beschäftigte zur Verfügung. Die Altersstruktur wird sich ändern. Die Zahl der älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nimmt zu.“ Mit den Folgen dieser Entwicklung gelte es, konstruktiv umzugehen.

Verbesserung der Zusammenarbeit

Eine Lösung sieht Schallbruch daher vor allem in einer Verbesserung der Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen – auch dies übrigens ein Thema des eGovernment Summits – da sich nur so die genannten Aufgaben bewältigen ließen: „Aus Sicht des Bundesministeriums des Innern liegt die Lösung in einem einheitlichen und akzeptierten Governance-Modell. Das CIO-Konzept des Bundes ist hier ein wichtiger Schritt. Die Verstetigung der Deutschland-Online-Strukturen durch die Föderalismuskommission II wäre ein weiterer.“

Eine Einschätzung, die Horst Westerfeld, CIO des Landes Hessen teilt. Westerfeld, der auf dem Summit eine Keynote zum Thema „eGovernment 2020: Herausforderungen, Chancen und Perspektiven“ halten wird, erklärt dazu im Vorfeld: „Zur erfolgreichen Umsetzung der IT und der Ausrichtung an den Geschäftszielen einer Verwaltung sind aber auch die entsprechenden IT-Governance-Mechanismen und die dazugehörigen Organisationsstrukturen zu etablieren.“

Eine Kerbe, in die auch Christian Ege, CIO des Saarlandes, schlägt: „Die Diskussion um die Föderalismuskommission II zeigt es auf: wie soll die Zusammenarbeit zwischen den subsidiären staatlichen Ebenen Bund, Ländern und Kommunen zukünftig im IT-Bereich funktionieren und nach welchem Modus werden Entscheidungen getroffen? Kooperationen entstehen, wenn Partner gemeinsamen Nutzen aus der Zusammenarbeit ziehen. Die IT bietet vielfältige Kooperationspotenziale zwischen und für deutsche Verwaltungen. Wenn Bund, Länder und Kommunen IT-Lösungen mit guter Qualität vergleichsweise preiswerter erarbeiten und betreiben können und Entscheidungen gemeinsam getroffen und getragen werden, ohne dass dauerhafte Majorisierungen entstehen, werden mehr Kooperationen und Standards entstehen. Dies gilt auch für Public-Private-Partnership-Kooperationen mit der Wirtschaft.“

Christian Ege wird diese Zusammenhänge auf dem eGovernment Summit in einem Vortrag mit dem Titel „Föderalismus und eGovernment: Spannungsfelder und Gestaltungsspielräume“ vertiefen.

Das Summit-Programm

Auch alle weiteren Programmpunkte des eGovernment Summit spiegeln diese komplexe Verflechtung der unterschiedlichen Herausforderungen, denen sich die Verwaltungen heute gegenübersehen, wider.

Schon der Beginn der Veranstaltung wird mit zwei Keynotes mit dem Titel „eGovernment 2020: Herausforderungen, Chancen und Perspektiven“ den Spannungsbogen der Entwicklungen aufzeigen. Möglich wird dies dadurch, dass die beiden Referenten mit einer unterschiedlichen Betrachtungsweise an die Thematik herangehen. Prof. Helmut Krcmar von der Technischen Universität München wird das Thema aus Sicht der Wissenschaft angehen, während sein Widerpart, der hessische CIO Horst Westerfeld, sich des Themas aus der Sicht der Verwaltung annehmen wird. In der anschließenden Diskussion können die Teilnehmer dann das Thema vertiefen.

Verwaltungsmodernisierung

Dieses Muster zieht sich auch durch alle anderen Themenblöcke: kurze, prägnante Vorträge geben das Thema vor, dann folgt die Diskussion. So schließt sich etwa an den Redebeitrag von Giso Schütz, der über die Chancen eines erfolgreichen Personalmanagements durch den Einsatz von IT referieren wird, eine Diskussion an, die untersuchen soll, wie etwa die Attraktivität der Öffentlichen Verwaltung für potenzielle Mitarbeiter gesteigert werden kann. Die Themen Verwaltungsreform, Zusammenarbeit im Föderalismus oder die Bilanz der Ergebnisse von Deutschland-Online werden in analoger Weise behandelt.

Begleitet wird das Programm durch ein vielfältiges Angebot zum Erfahrungsaustausch. So wird es am Abend des ersten Tages vielfältige Gelegenheiten zu Kamingesprächen geben.

Daniela Schilling, Leiterin der eGovernment Akademie: „Wir wollen nicht einfach eine weitere Veranstaltung aus der Taufe heben, sondern unseren Teil zum Fortschritt der Verwaltungsmodernisierung beitragen, indem wir eine tragfähige Basis für den gemeinsamen Erfahrungsaustausch schaffen.“

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