eHealth

Die Gesundheitskarte hängt am Tropf

31.10.2008 | Autor / Redakteur: Manfred Klein / Manfred Klein

Eigentlich sollte die Gesundheitskarte schon 2006 flächendeckend eingeführt sein, doch noch heute warten Patienten und Ärzte auf ihren Einsatz. Zudem gerät das technische Großprojekt zunehmend in die Kritik. Vor allem unter dem Kosten- und Sicherheitsaspekt. Auch stellt sich die Frage, ob sich Deutschland eine weitere Karte mit Signaturfunktion leisten will.

So erklärte der Chaos Computer Club im Frühjahr nachdem die geplante Einführung der Karte wieder einmal verschoben werden musste: „Es werden neue riesige Datenberge angehäuft, ohne dass das Sicherheitskonzept zum Zugriff auf die medizinischen Daten bisher erprobt wurde. Ein Feldtest des Kommunikationssystems konnte aufgrund der fehlenden Ausschreibung gar nicht erfolgen.“

Weiter kritisierten die Datenschützer, dass es in den bisherigen Feldtests nach Angaben der gematik Probleme mit dem Zugriff auf die Karten sowie mit dem Einsatz des neuen elektronischen Rezeptes, das als die Hauptanwendung der eCard beworben werde, gegeben habe. Außerdem seien die ursprünglich vorgesehenen Feldtests mit 100.000 Karten gleich ganz abgeblasen worden.

Damit nicht genug erklärte der Club: „Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt wird zeitgleich mit der Gesundheitskarte jedem Bürger eine eindeutige Nummer (Patienten-ID) zugewiesen. Damit kann jeder Mensch und seine Krankengeschichte auch nach Jahren noch zurückverfolgt werden. Die Stammdaten aller Versicherten werden zentral und unverschlüsselt gespeichert sowie zur Authentifizierung genutzt. Zusätzlich wird auch die bislang freiwillige elektronische Patientenakte (ePA) zentral gespeichert, auch wenn die Bundesregierung immer wieder behauptet, dass die Kontrolle über die sensiblen Daten beim Versicherten bleibt.“

Und weiter: „Aus der bisher vorliegenden technischen Dokumentation der Gesundheitskarte geht außerdem hervor, dass es später sogenannte Mehrwertdienste geben wird. Durch dieses fragwürdige Geschäftsmodell sollen in Zukunft die immensen Kosten der Einführung und des Betriebes der Infrastruktur refinanziert werden.“

Selbst in der IT-Industrie machen sich Zweifel am Erfolg breit, wenn Branchenvertreter hinter vorgehaltener Hand monieren, dass noch nicht einmal alle Basisanwendungen der Karte anwendungsreif seien. Und auch die Begeisterung der Versicherten hält sich in Grenzen.

Stand der Planung

Nur im Gesundheitsministerium bleibt man bislang unbeirrt. Auf den Internetseiten des Ministeriums heißt es aktuell zum Test der Karte: „Die Feldtests mit Echtdaten haben Mitte Dezember 2006 in Schleswig-Holstein und Sachsen mit der Erprobung des Auslesens der administrativen Daten begonnen. Mittlerweile sind auch die anderen Testregionen (Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz) in die Praxistests eingestiegen und testen das elektronische Rezept sowie die Notfalldaten. Bis jetzt wurden über 59.000 elektronische Gesundheitskarten an Versicherte ausgegeben. Insgesamt engagieren sich derzeit 189 Ärzte, 115 Apotheken und 11 Krankenhäuser.“

Zum weiteren Testverlauf erklärt das Ministerium: „Als nächstes sollen die Online-Funktionalitäten, zunächst der Versichertenstammdatendienst und das online übermittelte elektronische Rezept, in die Testung einbezogen werden. Diese Arbeiten werden flankiert durch ein vom Bundesministerium für Gesundheit gefördertes Forschungs- und Entwicklungsprojekt.“

Nach den Beschlüssen der Selbstverwaltung sei es dann auf Basis der von der gematik vorgelegten Rollout-Planung im nächsten Schritt möglich, die Vertragsärzte mit zukunftsfähigen Kartenterminals auszustatten. Auf dieser Basis seien die Krankenkassen dann in der Lage, an ihre Versicherten elektronische Gesundheitskarten auszugeben.

Zum aktuellen Stand heißt es: „Die aktuellen Planungen der gematik sehen einen flächendeckenden Rollout-Prozess, beginnend in der Startregion Nordrhein vor. Nach erfolgreicher Ausstattung der ersten Region wird der Rollout in den jeweils angrenzenden Regionen fortgesetzt.“

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