Medica 2014

Die ganze Welt der Health-IT und Vernetzung

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Big Data: „Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts“

Wenn es um Telemedizin geht, dann darf die Diskussion um Apps heutzutage nicht fehlen. So wird sich beispielsweise Dr. Urs-Vito Albrecht, Leiter des „MedAppLab“ an der Medizinische Hochschule Hannover, der Diskussion stellen. Seine Forschergruppe beschäftigt sich unter anderem mit den ethischen sowie rechtlichen Rahmenbedingungen, der Analyse von Sicherheitsaspekten und der Wirtschaftlichkeit von Mobilgeräten und Applikationen (Apps). Er erläutert ebenfalls am Donnerstag die Anforderungen an vertrauenswürdige Gesundheits-Apps. Moderiert wird das Symposium zum Thema „mHealth und Prävention“ von Prof. Silke Schmidt, Heinz-Nixdorf Lehrstuhl für Gesundheit und Prävention der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald.

Natürlich wird es auch um das Thema „Big Data in der Medizin“ gehen. „Is it wise to expose personal data in the cloud?“ Das fragt Dr. Stefan Rüping, Fraunhofer Institute for Intelligent Analysis and Information Systems IAIS (tbc.) am Freitag, 14. November, im Rahmen des Medica Health IT Forums. Rund um die personalisierte Medizin entwickelt das Fraunhofer IAIS Big-Data-Verfahren für die Analyse komplexer medizinischer Daten, zum Beispiel zur klinischen Meinungsfindung und der Überwachung der Qualität. Datenschutz und Privatsphäre sollen dabei gewährleistet sein – doch wie lässt sich das bewerkstelligen? Die Antwort darauf wird sicher spannend.

Die Chancen von Big Data werden in einer Diskussion am Donnerstag, 11. November, erläutert. Moderiert wird dies von Dr. Peter Langkafel, SAP. Der Buchautor von „Big Data in Medizin und Gesundheitswirtschaft“ (Med Hoch Zwei Verlag, 2014, ISBN 978-3-86216-182-9) prognostiziert, dass hier die Teilnehmer vom Expert Circle des Medica Health IT Forums, von T-Systems, Accenture, Hasso-Plattner-Institut und Oracle unterschiedliche Sichtweisen darlegen werden.

Langkafel selbst glaubt zwar, dass Big Data eines der wichtigen Zukunftsthemen sei und sagt: „Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts.“ Auf der anderen Seite sieht er durchaus Gefahren und Parallelen zur Nukleartechnologie, die teilweise erwünscht und gefördert werde (unter anderem in Bereichen der Medizin), andererseits aber auch gefürchtet sei – etwa bei Atomwaffen. In einigen Bereichen, die unter den Begriff „Big Data“ fallen, sieht er durchaus Regelungs- und insgesamt einen breiten Diskussions-Bedarf.

Ein Beispiel sei der Datenschutz: „Wie bei allen Prozessen in der Medizin – ob mit IT oder ohne – muss der Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben.“ Wenn Datenschutz oder manchmal auch der Vorwand „Datenschutz“ wichtige Einsichten verhinderten, dann stünde er jedoch auf dem Prüfstand. Denn die Gefahr sei gegeben, dass „Datenschutz zum Täterschutz“ werde und „damit ein gemeiner Vorwand, dringend benötigte Transparenz zu verhindern.“

IT-„Landschaft“ der Kliniken ist sehr heterogen

Die deutschen Kliniken gehen dabei unterschiedlich mit dem Thema um. Es gebe einige Vorreiter, so genannte Early Adopters, wie die Charité Berlin und das DKFZ Heidelberg, die hervorragende Projekte verwirklichten. Aber viele Krankenhäuser sähen das Thema nicht so weit vorn. Langkafel nennt drei Gründe dafür: Zum einen fehle oft das Verständnis, dass man über das „Nervensystem der Einrichtung“ rede. Zudem sei die Systemlandschaft sehr heterogen. Die Vielfalt der Systeme stünde einer einheitlichen Datenverarbeitung im Weg. Zum Dritten seien die Ziele der Digitalisierung oft nicht definiert und werde vieles noch auf Papier erledigt. Trotz solcher Herausforderungen steht für Langkafel fest: „Es ist ein großes Thema, das wir uns anschauen.“ Und es sei eine Diskussion, die alle angehe – auch die Industrie.

Premiere für das „Medica Connected Healthcare Forum“

Premiere feiert bei der Medica in diesem Jahr das Medica Connected Healthcare Forum (ebenfalls in Halle 15). Hier werden neue Erkenntnisse, Technologien und Lösungen für die vernetzte und mobile Gesundheitsversorgung vorgestellt. Das Programm startet am Mittwochvormittag mit den Themen „Big Data und Health Systems“ mit Firmenbeteiligungen wie Intel, Stanley Healthcare,, Unify, Swisscom und Qualcomm Live. So wird Thomas Olesen, Commercial Director, Qualcomm Live, die Vision von „Frictionless Health Care” erläutern – eine Gesundheitsversorgung ohne Reibungsverluste! Im „HealthyCircles“ jedenfalls will Qualcomm alle Gesundheitsdaten zusammenbringen und allen Mitgliedern des Behandlungsteams einfach zur Verfügung stellen. Das auf einer „Cloud“ basierende System soll mit unterschiedlichsten medizinischen Geräten und Anwendungen zusammenarbeiten können – und alle „Big Data“ zusammengefasst ermöglichen dem Behandlungsteam gemeinsam mit dem Patienten, die optimale individuelle Therapie und Lebensbegleitung umzusetzen.

Eine sehr futuristische Perspektive also für die Zukunft des Gesundheitswesens. Die Halle 15 dürfte diesbezüglich einen guten Vorgeschmack bieten.

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