VIP-Forum elektronische Gesundheitskarte (Teil 3)

Die eGK ist kein Speichermedium, sondern vor allem Zugangsschlüssel

| Autor / Redakteur: Prof. Dr. Arno Elmer, gematik-Geschäftsführer / Gerald Viola

Milliardenprojekt elektronische Gesundheitskarte
Milliardenprojekt elektronische Gesundheitskarte

Die eGK führt das Leben eines Untoten. Immer wieder einmal wird sie für tot erklärt, ohne dass dies zu einem wirklichen Ableben führen würde. Auf der andere­n Seite ist die Karte weiter denn je davon entfernt, zu einem Stück Lebenswirklichkeit zu werden. eGovernmen­t Computing hat Experten befragt, wie es weitergehen soll: Prof. Dr. Elmer.

Professor Dr. Arno Elmer
Professor Dr. Arno Elmer

Der Bedarf bei den Ärzten an sachlichen Informationen – gerade wenn es um die elektronische Gesundheitskarte (eGK) geht – ist zweifelsohne hoch. Das hat der Beschluss des 115. Deutschen Ärztetags in Nürnberg erneut deutlich gezeigt. Denn das Projekt „elektronische Gesundheitskarte“ zielt mitnichten dar­auf ab, eine „flächendeckende Elektronifizierung der Patientenversorgung unter der Führung der Krankenkassen sowohl transparente Patienten als auch transparente Ärzte herzustellen“. Im Gegenteil: Die eGK trägt dazu bei, die ver­trauens­volle Patient-Arzt-Beziehung und ärztliche Therapiefreiheit auch in Zukunft zu erhalten.

Eine vom Deutschen Ärztetag dar­über hinaus befürchtete „Verwandlung von Arztpraxen und Klinikambulanzen in Online-Außerstellen der Krankenkassen“, wird es definitiv nicht geben. Bereits heute werden auf der Krankenversicherungskarte die administrativen Daten der Versicherten wie Name, Geburtsdatum oder Anschrift gespeichert. Was sich im Unterschied zur bisherigen Karte mit der eGK ändert, ist die Aktualisierung der Daten. Mussten bislang die Karten beispielweise nach einem Umzug des Versicherten ausgetauscht werden, können durch die Online-Anbindung beim Einlesen der eGK die Verwaltungsdaten des Versicherten automatisch aktualisiert werden. Dadurch sinken die Verwaltungskosten im Gesundheitswesen.

Die eGK ist nicht vordergründig als Speichermedium, sondern vor allem als Zugangsschlüssel konzipiert. Das bedeutet, dass unter Einsatz moderner Verschlüsselungsverfahren die medizinischen Daten je nach Anwendung auf verschiedenen Serversystemen gespeichert werden – gerade um Hackerangriffe zu verhindern. Das Sammeln von medizinischen Daten bei der Behandlung von Patienten aus „renditebringenden Interessen von Gesundheitskonzernen“ ist mit der Gesundheitskarte ausgeschlossen.

Indem die medizinischen Daten ausschließlich verschlüsselt und mit Zustimmung der Patienten in der Telematikinfrastruktur gespeichert werden, ist sichergestellt, dass dies­e nicht in unbefugte Hände gelangen. Ausschließlich der Versicherte selbst entscheidet, welche der Daten überhaupt gespeichert werden und von wem sie gelesen und genutzt werden dürfen. Damit nimmt dieser sein informationelles Selbstbestimmungsrecht in einem zunehmend vernetzten Gesundheitswesen wahr. § 291a Absatz 4 SGB V regelt zudem eindeutig, wer auf die Daten zugreifen darf – die Krankenkassen fallen nicht darunter. Die Bedenken der Ärzte sind also unbegründet.

Natürlich respektieren wir den Beschluss des Ärztetags und nehmen diesen ernst. Doch sehen wir ihn vielmehr als Ansporn, Ärzte fernab einer einseitigen Interessenvertretung über die Vorteile der elektronische Gesundheitskarte und einer Telematikinfrastruktur für alle Beteiligten zu informieren und vom Nutzen für alle Beteiligten – sowohl Ärzte als auch Patienten – zu überzeugen. Denn trotz der kontroversen Beschlusslage hat der Ärztetag eines ganz klar gezeigt, dass die gematik und die Ärzteschaft bei einem entscheidenden Punkt an einem Strang ziehen: die Verbesserung der Patientenversorgung.

Zum ersten Mal waren wir – auf Einladung der Bundesärztekammer – mit einem eigenen Messestand vertreten. So konnten wir die zahlreichen Fragen von Ärzten, die tagtäglich in der Patientenversorgung tätig sind, direkt vor Ort beantworten. Damit konnte die gematik der kritisch bis ablehnenden Haltung in der Ärzteschaft mit sachlichen und guten Argumenten begegnen. In dem Sinne war der diesjährige Ärztetag also für die gematik ein wichtiger Etappensieg auf dem Weg hin zu mehr Zuspruch seitens der Ärzteschaft. Um diesen zu stärken, wollen wir gerade mit den Ärzten und anderen Leistungserbringern noch intensiver in einen offenen und gern auch kritischen Dialog zum laufenden Projekt treten. Nur so können wir gemeinsam sicherstellen, dass wir unsere Ziele erreichen und diese auch von allen getragen wird.

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Der Hinweis auf den § 291a Absatz 4 SGB V ist nicht ganz auf der Höhe der Zeit bzw. der...  lesen
posted am 03.08.2012 um 14:41 von Unregistriert


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