Zukunftsmesse Kleinstädte

Die Digitalisierung ist kommunal

| Autor / Redakteur: Franz-Reinhard Habbel / Manfred Klein

Bei der Digitalisierung geht es um neue Formen der Kommuni­kation, neue vernetzte Strukturen und moderne Arbeitsweisen
Bei der Digitalisierung geht es um neue Formen der Kommuni­kation, neue vernetzte Strukturen und moderne Arbeitsweisen (© Gorodenkoff Productions – stock.adobe.com)

Erstmals veranstalten drei Bezirksregierungen im Herbst eine Zukunftsmesse, um die Chancen der Digitalisierung für Kommunen auszuloten. Franz-Reinhard Habbel gibt einen Überblick über die Veranstaltung.

Was die Zukunft der Mobilität, der Bildung, der Migration, des Klimas, der Gesundheit, der Energie und des Wohnens betrifft, stehen die Kommunen vor großen Herausforderungen. Gleiches gilt für die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land, die zu den zentralen Themen der Politik zählt. Die massiv fortschreitende Digitalisierung wird großen Einfluss auch auf die Stadt- und Gemeindeentwicklung haben.

Betroffen sind Metropolen, Mittel- und Kleinstädte, aber auch Dörfer. Deutschland ist ein Flächenland mit über 11.000 Kommunen. Mehr als die Hälfte der Wertschöpfung wird im ländlichen Raum erzielt, mehr als die Hälfte der 3,5 Millionen Betriebe in Deutschland ist im ländlichen Raum angesiedelt. Viele Hidden Champions produzieren als Weltmarktführer in Kleinstädten und Gemeinden. Die Digitalisierung darf sich deshalb nicht nur auf Smart City beschränken. Deutschland braucht smarte Regionen. Wie gerade kleinere Kommunen den Wandel zur Nachhaltigkeit, zur Schonung von Ressourcen und zu mehr Effizienz gestalten, soll auf der Zukunftsmesse westfälischer Kleinstädte am 17. September 2019 in Arnsberg gezeigt werden.

Wie wir leben, arbeiten, uns bilden oder unsere Freizeit verbringen wird immer mehr vom Internet bestimmt. Die damit verbunden Veränderungen betreffen Gesellschaft, Wirtschaft, Staat und Kommunen gleichermaßen. Es gilt, mit neuen Instrumenten, mit mehr Vernetzung und mehr Zusammenarbeit die Zukunft der Kommunen zu gestalten.

Digitalisierung ist mehr als eGovernment

Daten gewinnen rasant an Bedeutung. Neben Recht und Finanzen werden sie in Zukunft zu einem wichtigen Steuerungsinstrument der Kommunen. Die Zukunftsmesse Kleinstädte will hier Zeichen setzen. Eingeladen sind Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie weitere Vertreter der Verwaltungen. Die Zukunftsmesse Kleinstädte versteht sich als Markt der Möglichkeiten im Zeitalter der Digitalisierung.

Die Veranstaltung fordert einen hohen Grad an Selbstorganisation. Sie ist als World-Café konzipiert, das heißt, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestimmen das Programm weitgehend selbst. Die drei attraktivsten Themen der Veranstaltung werden in von den Bezirksregierungen unterstützten Netzwerken fortgesetzt.

Land und Kommunen ziehen an einem Strang

Es ist eine „Mit-Mach-Veranstaltung“, die in dieser Form in Arnsberg erstmalig stattfindet wird. Vorträge gibt es nicht, nur kurze Impulse. Zwei Impulse „eGovernment – einfach machen!“ und „eDaseinsvorsorge in der Zukunftskommune“ eröffnen in zwei Arenen die Arbeit in den Workshops. In jeder Arena werden zehn Themen diskutiert. Jeweils fünf davon sind vorab gesetzt, weitere fünf Themen werden im Rahmen der Eröffnung der Veranstaltung von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in einer Live-Umfrage bestimmt. Damit werden solche Themen in den Mittelpunkt gestellt, die gerade die Kleinstädte bei der Digitalisierung besonders betreffen. Zu den vorab gesetzten Themen zählen u.a. OZG/Portalverbund, Bürgerbeteiligung, Raumbuchungssysteme, Zukunft ländlicher Räume, Stadtentwicklung und Stadtplanung, Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, der stationäre Einzelhandel versus Onlinehandel sowie Mobilität. Insgesamt geht es um mehr Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Kommunen. Die Digitalisierung bietet hier neue Möglichkeiten, die gerade für kleinere Kommunen besonders wirkungsvoll sind.

Der Nachmittag soll dann ganz im Zeichen der Start-ups stehen. Junge Unternehmen werden im Format eines Elevator-Pitch jeweils in 100 Sekunden über ihre Arbeit im Bereich Government berichten, Kommunen stellen sich und ihre Bedarfe vor. Diese Challenges ­greifen die Startups dann mit dem Ziel auf, Lösungen zu erarbeiten. Von den rund 9.000 Start-ups in Deutschland zeigen immer mehr Interesse, auch im Bereich der ­eDaseinsvorsorge tätig zu werden.

Ergänzendes zum Thema
 
Zukunft gemeinsam gestalten

Für die Kommunen geht es in diesem Bereich – neben der Verbesserung der Rahmenbedingungen für Start-ups auch darum – die kreativen Potenziale der Digitalisierung, zur Erfüllung der eigenen Aufgaben zu nutzen. Auf der Zukunftsmesse in Arnsberg wird auch die Arbeitsweise von Start-ups diskutiert. Neue Erkenntnisse sollen dazu beitragen, eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Start-ups zu ermöglichen und zu unterstützen.

Zuvor wird DStGB-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg einen Impulsvortrag zur Zukunft der Kleinstädte halten. Zu den Start-ups zählen Unternehmen wie Evopark (Parkmanagement), Third Element Aviation (spezialisiert auf Drohnenanwendungen), Tech­TinyHouse (Bau von Häusern auf eine neue Art), Stadt Land Netz (Planung, Vergabe, Durchführung, Kontrolle freigestellter Schülerverkehre) und Famigo (wie Kommunen Familienangebote besser präsentieren können.) Bei den Vorbereitungen zur Zukunftsmesse Kleinstädte zeigt sich bereits jetzt ein hohes Interesse junger Unternehmen, mit den Kommunen ins Gespräch zu kommen.

Globalisierung und Digitalisierung sind die zwei großen Treiber, die unsere Welt verändern. Die ersten Vorläufer der neuen Arbeitswelt 4.0 zeigen sich bereits: Arbeits­orte und Arbeitszeiten verlieren ihr starres Gerüst. Arbeitsinhalte und Arbeitsformen verändern sich und werden zunehmend flexibler. Auch die Kommunikation verändert sich. Das Internet und insbesondere soziale Netzwerke machen es möglich, in Sekunden weltweit Informationen auszutauschen, Gemeinschaften zu bilden und sich zu vernetzen. Von diesen Entwicklungen sind auch die kleineren Städte und Gemeinden als Lebensort der Menschen und als Standort von Wirtschaft und Handel unmittelbar betroffen.

Es gilt, die kommunale Gestaltungskraft in dieser sich verändernden dynamischer werdenden Welt zu stärken, Menschen an der Politik teilhaben zu lassen, ja sie zu Akteuren zu machen, moderne Infrastrukturen auf den Weg zu bringen und letztlich eine offene Gesellschaft zu fördern.

Die Digitalisierung fördert Vernetzung, Dezentralität und Subsidiarität und trägt nicht zuletzt zur Stärkung der Kommunen bei. Sie rückt Fragen wie „Wie wollen wir in Zukunft leben?", „Welche neuen Infrastrukturen sind notwendig?“ und „Wer darf wie welche Daten nutzen?“ in den Vordergrund.

Daseinsvorsorge ist gleich Digitalisierung

Die zentralen Themen wie Mobilität, Bildung, Gesundheit, Energie und Sicherheit werden massiv von der Digitalisierung beeinflusst. Smarte Kommunen und smarte Regionen nutzen digitale Instrumente für mehr Nachhaltigkeit, Schonung der Ressourcen und mehr Effizienz. Die Digitalisierung stellt Instrumente zum Abbau des Stadt-Land-Gefälles zur Verfügung. Das betrifft insbesondere die gesundheitliche Versorgung, die Erreichbarkeit von Orten, den Zugang zu Bildung, die Versorgung mit Gütern, aber auch Tourismus und Freizeit. Die Stärkung der Regionen ist auch eine eminent wichtige politische Aufgabe. Nur wenn Menschen in dem Raum, in dem sie leben, eine Perspektive haben, werden sie sich wohlfühlen, sich an der Gestaltung der Zukunft beteiligen und sich für die Gemeinschaft einsetzen.

Auch die Ansprüche an die Verwaltung befinden sich im Wandel. Der Bürger ist nicht länger Bittsteller, sondern dienstleistungsorientierter Kunde, der vom Onlineshopping intuitive, medienbruchfreie und schnelle Wege gewohnt ist und dies zunehmend auch bei Verwaltungsleistungen einfordert.

Die Zukunft wird lokal gemacht. Ein Jahrhundert der Kommunen liegt vor uns. Probleme entstehen lokal, sie müssen auch lokal und regional gelöst werden. Internationale Konferenzen und deren Vereinbarungen, wie zum Beispiel beim Klimaschutz, nutzen wenig, wenn sie vor Ort nicht zügig umgesetzt werden. Umsetzung bedeutet aber Verhaltensänderung und diese findet durch Menschen in den Kommunen statt. Die Digitalisierung wird auch hier zu einem wichtigen Gestaltungselement. Sie ist weit mehr als eGovernment. Sie unterstützt und optimiert nicht nur die wichtigen Politikbereiche, sondern auch die Organisation und das Personal der Verwaltung.

Auch die Mitarbeiter der Verwaltung spielen bei der Transformation eine entscheidende Rolle. Bei der Digitalisierung muss der Mensch im Mittelpunkt stehen. Es geht nicht nur um Technik, wie Sensoren, Plattformen und Breitband, sondern um neue Formen der Kommunikation, neue vernetzte Strukturen und moderne Arbeitsweisen der Zusammenarbeit in Behörden und zwischen Behörden beziehungsweise der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft.

Das Vorhandensein von Hochleistungsnetzen auf der Basis von Glasfaserleitungen ist eine absolut zwingende Voraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie. Sowohl in der Verwaltung als auch in kleinen und mittleren Unternehmen ist ein Kapazitätsaufbau zur Schaffung von umfassender Medienkompetenz notwendig.

Fazit

Gemeinsame Veranstaltungen zwischen Wirtschaft und Verwaltung wie die Zukunftsmesse sind hier sinnvoll und schaffen ein Bewusstsein vom gemeinsamen lebenslangen Lernen und Zusammenarbeit. „Zukunft wird aus Zuversicht gemacht“. Dieser Leitspruch ist Ansporn zu mehr Mut zur Veränderung. Dazu will die Zukunftsmesse Kleinstädte in Arnsberg einen Beitrag leisten. Die Chancen der Digitalisierung können Kommunen nur nutzen, wenn sich alle Akteure gemeinsam mit den Möglichkeiten, aber auch den Risiken, frühzeitig auseinandersetzen.

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Als Mitglied von buergerservice.org begrüßen wir als derzeit einziger Anbieter einer vollständig...  lesen
posted am 09.08.2019 um 08:58 von Unregistriert

Gerade in NRW gibt es sicherlich genügend aktuelle Veranstaltungen vom Land, von den KSVen sowie...  lesen
posted am 24.06.2019 um 18:51 von Unregistriert

Sehr gut finde ich diese Veranstaltung. Hoffentlich nehmen viele in den Kommunen Verantwortliche...  lesen
posted am 21.06.2019 um 15:12 von Unregistriert


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