Risikomanagement

Die Bundesagentur für Arbeit in der Vorreiterrolle

| Autor / Redakteur: Prof. Dr. Rainer Kalwait / Susanne Ehneß

Die Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg
Die Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg (Foto: BA)

„Stempeln gehen“ – nach Dudendefinition ein alter Ausspruch, dass früher „bei Auszahlung des Arbeitslosengeldes zur Kontrolle jedes Mal das Datum in die Papiere des Arbeitslosen gestempelt wurde“. Eine sperrige Formulierung, aus der die hemmende Bürokratie alter Tage hervortritt. Dies änderte sich 2004 mit einer internen Reform.

Ein Ziel in der Organisation der Bundesagentur für Arbeit (BA) war eine Verbesserung des Prozessablaufs, unter Berücksichtigung eines geschäftspolitischen Risikomanagements – wichtig unter dem Aspekt von mehr als zwei Millionen Arbeitslosen und deren „Entgeltersatzleistungen“.

Agentur statt Verwaltung

Am 1. Januar 2004 trat das „Dritte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ (Hartz III) in Kraft. Diesem folgten eine Reihe struktureller Änderungen innerhalb der BA. Mit den Veränderungen verbanden die Führungsköpfe der Bundesagentur von Beginn an das oberste Ziel, die bisherige Behörde in eine effektiv arbeitende und moderne Agentur umzubauen. Ein Vorstandsbeschluss im Jahr 2004 machte den Weg frei hin zu einem professionellen Risikomanagement innerhalb der BA.

Mit diesem Schritt nimmt die Bundesagentur eine Vorreiterstellung im Öffentlichen Sektor ein. Und das unter dem Aspekt eines neuen Gesamtrisikomanagements sowie als größte Behörde des Bundes mit über 100.000 Mitarbeitern in Deutschland. Mit anderen Worten: Die BA-Verantwortlichen standen 2004 vor einer immensen Aufgabe, um ein Risikomanagement Agentur-weit zu integrieren. Im Einzelnen heißt das für die Bundesagentur:

  • eine Zentrale mit den Vorständen sowie sieben Geschäftsbereichen auf Bundesebene einzubinden,
  • sämtliche operativen Einheiten, inklusive zehn Regionaldirektionen, auf Landesebene zu integrieren und
  • die lokale Ebene mit über 150 Agenturen für Arbeit und mehr als 300 Jobcenter bundesweit aufzunehmen.

Das Risikomanagement erfüllt in der BA eine wichtige Aufgabe mit Blick auf die dezentrale Struktur der Behörde bis in die entlegensten Winkel Deutschlands und der Herausforderungen im täglichen Umgang mit den sozialen Sorgen der Betroffenen.

Größenordnung

Robert Winter, Leiter Controlling bei der Bundesagentur für Arbeit, verdeutlicht die Größenordnungen an einem Beispiel: „Die BA hat an einem Tag Zugänge in die Arbeitslosigkeit von über 14.000 Menschen, während am gleichen Tag mehr als 13.000 Abgänge verzeichnet werden.“ Oder steigende Leistungsansprüche aufgrund neuer Anträge an einem Tag, die sich schnell im zweistelligen Euro-Millionenbereich bewegen. „Das sind Zahlen, die in eine vorausschauende Planung und einen organisationsweiten Risikomanagementprozess einfließen müssen“, erklärt Winter. Und er ergänzt: „Weitere Änderungen aufgrund von Fördermaßnahmen sind darüber hinaus noch zu berücksichtigen und beeinflussen die zukünftigen Zu- und Abgänge.“

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