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Virtuelle Realität im Alltag Dezente Datenbrille, die auch Weitsichtigkeit ausgleicht

| Redakteur: Hendrik Härter

Forscher haben eine Datenbrille entwickelt, die nicht nur einen kleinen und unauffälligeren Aufbau bietet. Mit einer entwickelten Technik lässt sich zudem Weitsichtigkeit korrigieren.

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Das Near-to-Eye-Display mit Durchsichtfunktionalität ermöglicht einen kleinen, unauffälligen Aufbau.
Das Near-to-Eye-Display mit Durchsichtfunktionalität ermöglicht einen kleinen, unauffälligen Aufbau.
(Fraunhofer IOF)

Augmented Reality hat Potenzial: Der Technologiekonzern Apple übernahm das Münchner Unternehmen Metaio, das sich auf die erweiterte Realität spezialisiert hat. Datenbrillen sollen unser Leben erleichtern und uns mit zusätzlichen Informationen füttern.

Dabei müssen diese Augengläser nicht riesig und unansehnlich sein. Fraunhofer Forscher am Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena haben ein Modell entwickelt, das einen kleinen und unauffälligen Aufbau bietet.

Denn bisherige Modelle bestehen aus einem Mikrodisplay, der das Bild erzeugt, und einer Optik, die das Bild an die gewünschte Stelle projiziert. Beide Einheiten sind am Brillenbügel befestigt. Zwar ist das Mikrodisplay der Brille mit 8 mm x 15 mm ähnlich groß wie herkömmliche Modelle. Die Optik dagegen ist mit fünf Millimetern nur etwa ein Fünftel so lang wie bisherige Ausführungen. Denn statt einer langen Optik setzen die Wissenschaftler viele kleine Optiken nebeneinander – Experten nennen dies Array.

Informationen direkt im Blick

Eine weitere Neuerung: Während handelsübliche Datenbrillen das Bild oft an den Rand des Sichtfelds projizieren – der Nutzer muss beispielsweise nach rechts oben schauen – sieht er die Infos beim neuen Modell genau dort, wo sie inhaltlich hinpassen, also etwa direkt neben dem Baudenkmal.

Dazu bringen die Forscher eine für das menschliche Auge unsichtbare Gitterstruktur im Nanomaßstab auf die Brillengläser auf und funktionieren sie somit zum Lichtleiter um. Kurzum: Das Lichtbild wird durch ein Gitter in das Brillenglas eingekoppelt, bis zur gewünschten Stelle geleitet, dort ebenfalls durch ein Gitter ausgekoppelt und in das Sichtfeld des Trägers eingespiegelt.

„Die entsprechenden Herstellungsverfahren sind massentauglich und werden in der Industrie bereits angewandt. Die Brille lässt sich einfach und kosteneffizient herstellen“, bestätigt Dr. Peter Schreiber, Gruppenleiter in der Abteilung Mikrooptische Systeme am IOF.

Video: Metaio Showreel

Brille gleicht die Weitsichtigkeit aus

Brauchen Menschen eine Lesebrille, hätten sie üblicherweise auch Schwierigkeiten, die eingeblendeten Informationen zu lesen. Deshalb gleicht die Brille Weitsichtigkeit aus. „Unser Multikanalansatz ermöglicht es, Weitsicht gänzlich ohne mechanisch bewegte Elemente wie beispielsweise am verstellbaren Okular eines Feldstechers auszugleichen und die Bildschärfe individuell rein elektronisch einzustellen“, erklärt Schreiber.

Für den Nutzer heißt das: Auf seinem Smartphone, das via Bluetooth die entsprechenden Inhalte und Informationen an die Brille sendet, gibt er in der entsprechenden App die Werte seiner Fehlsichtigkeit ein. Alles Weitere geschieht automatisch: Die Brille verzerrt die eingeblendeten Bilder so vor, dass sie dem Anwender scharf erscheinen. Auch andere Sehfehler wie Astigmatismus oder Kurzsichtigkeit kann die Brille teilweise kompensieren.

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