Studie eGovernment-Monitor 2019

Deutschland weiterhin mit Aufholbedarf

| Autor: Manfred Klein

Bekannte Hürden bleiben bestehen

Angesichts der weiteren Studienergebnisse des eGovernment-Monitors der Initiative D21 dürfte manchem Besitzer einer klassischen Bildung der Satz „Nichts Neues unter der Sonne“ durch den Kopf schießen, denn die Probleme im eGovernment haben sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert. Nur die Zahlenwerte haben sich verschoben.

So nutzen in allen Vergleichsländern Jüngere und Ältere sowie Männer und Frauen eGovernment etwa gleich viel. Ganz entgegen dem Trend bei anderen digitalen Aktivitäten, die Jüngere sowie Männer meist stärker wahrnehmen.

Digitale Spaltung bleibt

Bei digitalen Behördendiensten zeigt sich eine digitale Spaltung am stärksten nach dem Niveau der Bildung: 67 Prozent der Menschen mit hoher Bildung nutzen eGovernment-Angebote, im mittleren Bildungsbereich sind es 59 Prozent, bei OnlinerInnen mit niedriger Bildung sind es nur noch 41 Prozent.

„Wenn wir digitale staatliche Dienstleistungen allen Menschen zugänglich machen möchten, brauchen wir einfache Sprache, intuitive Bedienung und nachvollziehbaren Mehrwert, etwa durch proaktive Hinweise auf Fristen oder beantragbare Leistungen“, kommentiert Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21 dieses Ergebnis.

Die eigene Identität weisen die OnlinerInnen am häufigsten per Benutzername/Passwort, gefolgt von PIN-/TAN-Verfahren nach. Das Ergebnis sind verschiedene digitale Identitäten und Passwörter, die sie verwalten müssen. Nur ein Viertel der Inhaber von mehr als drei Identitäten verwaltet diese über einen Passwort-Manager oder ein vergleichbares Instrument. Trotz der Komplexität ist die Bereitschaft für die Verwendung mehrerer digitaler Identitäten in allen drei Ländern hoch. Fast zwei Drittel der Nutzer empfinden den Umgang mit verschiedenen Identitäten als mühsam, aber sinnvoll. Knapp ein Drittel fühlt sich mit der Handhabung verschiedener digitaler Identitäten jedoch überfordert.

Der elektronische Personalausweis, der in Deutschland in diesem Zusammenhang lange als Hoffnungsträger galt, konnte sich auch 2019 nicht durchsetzen. In Österreich nutzt jedoch bereits fast jede/r Zweite die staatliche Lösung.

Digitale Identitäten stellt der Staat aus, um eine sichere Online-Identifikation und Authentifizierung insbesondere in der Behördenkommunikation zu ermöglichen. Deutschland führte hierzu 2010 den Personalausweis im Scheckkartenformat mit der sogenannten Online-Ausweisfunktion (eID) ein. Laut aktuellem eGovernment-Monitor besitzen rund drei Viertel der deutschen OnlinerInnen den Personalausweis im Scheckkartenformat und damit die Möglichkeiten für eine digitale Identifikation. Die eID-Funktion hat jedoch nur ein Viertel freigeschaltet. Die tatsächliche Nutzung der eID-Funktion bleibt gering, nur sechs Prozent haben sie bereits genutzt, der Großteil davon über ein entsprechendes Kartenlesegerät.

Seit 2017 besteht zudem die Möglichkeit, die NFC-Schnittstelle von Android-Smartphones zur Verwendung der eID-Funktion ohne ein zusätzliches Kartenlesegerät zu nutzen. Fast zwei Drittel der potenziellen Nutzer ist diese Möglichkeit allerdings unbekannt. Für Apple-Smartphones besteht die Möglichkeit erst seit diesem September.

Neue eID-Verfahren?

Eine Akzeptanzsteigerung für den Personalausweis versprechen sich die Autoren hauptsächlich von weiteren Anwendungen – mithin vom OZG. Zudem seien weitere Entwicklungen und Anwendungsformen für den Personalausweis und die staatliche digitale Identität denkbar. So könne sich fast die Hälfte der deutschen OnlinerInnen vorstellen, die Informationen ihres Personalausweises auf einer sicheren Plattform im Internet zu speichern und diese dann zur Identifizierung bei verschiedenen Diensten zu nutzen.

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