Studie eGovernment-Monitor 2019

Deutschland weiterhin mit Aufholbedarf

| Autor: Manfred Klein

eGovernment-Nutzung braucht mehr Anwendungen
eGovernment-Nutzung braucht mehr Anwendungen (© ipopba – stock.adobe.com)

Der eGovernment-Monitor der Initative D21 macht auch in diesem Jahr den immer noch großen Abstand der Bundesrepublik im eGovernment zu Österreich deutlich. Kann die OZG-Umsetzung die Misere beenden?

Der eGovernment Monitor der Initiative D21 untersucht traditionell die eGovernment-Entwicklung in den DACH-Staaten Deutschland, Österreich Schweiz. In den vergangenen Jahren gaben die Studienergebnisse in den deutschen Verwaltungen keinen Anlass zum Jubeln: Zu abgeschlagen war die Bundesrepublik mit ihren eGovernment-Angeboten.

D21-Geschäftsführerin Lena-Sophie Müller spricht sich für eine verstärkte Nutzung der Innovationslabore bei der OZG-Umsetzung aus
D21-Geschäftsführerin Lena-Sophie Müller spricht sich für eine verstärkte Nutzung der Innovationslabore bei der OZG-Umsetzung aus (© )

Daran hat sich auch in der aktuellen Erhebung wenig geändert. In der Studie heißt es dazu: „Informationen und Dienste von Behörden, die über das Internet genutzt werden können, sind eGovernment- beziehungsweise digitale Verwaltungsdienste. In Deutschland nutzt sie fast jeder Zweite (48 Prozent, das ist ein Anstieg um 8 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr). Insbesondere die mittlere Altersgruppe zwischen 35 und 54 Jahren entdeckt digitale Behördendienste zunehmend für sich, hier gibt es den größten Anstieg seit Beginn der Untersuchung 2012. Damit liegt die Nutzungsquote weiterhin deutlich unter denen der Vergleichsländer Österreich (70 Prozent, -4 Prozentpunkte) und Schweiz (58 Prozent, +2 Prozentpunkte). Im Langzeittrend konnten die BürgerInnen bisher kaum zu einer verstärkten Nutzung motiviert werden (2012: 45 Prozent zu 2019: 48 Prozent). Im EU-Vergleich liegt Deutschland an 24. Stelle und damit weit unter dem EU-Durchschnitt.“

Zur Bewertung des wenig erfreulichen Ergebnisses heißt es in der Studie wenigstens weiter: „Der rückläufige Trend bei der Inanspruchnahme von Behördendiensten über das Internet ist sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz aktuell gestoppt, die Nutzung im Jahresverlauf steigt in beiden Ländern an.“

Dennoch wirkt die Aussage, bei der Nutzung der eGovernment-Dienste würden sich die drei Ländern einander annähern, doch arg beschönigend, vor allem wenn es wenig später schon relativierend heißt: „ Österreich kann das hohe Niveau aktuell nicht halten, trotz sinkender Nutzungsquote werden hier aber weiterhin die meisten eGovernment-Dienste genutzt.“

Als Ursache für die Misere machen die Studienautoren folgenden Umstand aus: „Ein großes Hindernis für die Nutzung von eGovernment-Angeboten bleibt, dass die gewünschten Dienste nicht oder nicht vollständig online angeboten werden. Allerdings sieht das Onlinezugangsgesetz (OZG) vor, dass bis 2022 alle Verwaltungen ihre dazu fähigen Verwaltungsleistungen online anbieten und im übergreifenden Portalverbund nutzbar machen.“

Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21, erklärte dazu: „Das Onlinezugangsgesetz und die Digitalisierungslabore von Bund und Ländern haben großes Potenzial, die Nutzung der digitalen Verwaltung durch konsequente Bürgerorientierung voranzubringen. Wir müssen auch beobachten, ob die Identifikationsmöglichkeiten über Smartphones per NFC-Schnittstelle den Zugang erleichtern. Wichtig ist, dass wir die Akzeptanz und Wirkung kontinuierlich auf den Prüfstand stellen und Bund und Länder bereit sind, die Services kontinuierlich zu optimieren.“

Anlass zu vorsichtigem Optimismus gibt es aber auch, denn die Zufriedenheit mit den digitalen Verwaltungsdiensten steigt – laut Studie – in allen drei Ländern im Vorjahresvergleich leicht an. In Deutschland sind 60 Prozent mit den Angeboten zufrieden, in Österreich 74 und in der Schweiz 73 Prozent (jeweils +2 Prozentpunkte). Ob die Tatsache, dass im Langzeittrend seit 2012 die Zufriedenheit vergleichsweise stabil ist, positiv zu werten ist, muss vorläufig aber offen bleiben.

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