Monitoring-Report Deutschland Digital 2011 Deutschland im eGovernment nach wie vor nur mittelmäßig

Redakteur: Manfred Klein

Deutschland erreicht als Standort für die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) im Vergleich der Top 15 IKT-Nationen in diesem Jahr gemeinsam mit Schweden Platz sechs. Damit verbessert sich Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um einen Rangplatz und erreicht 56 von maximal 100 möglichen Indexpunkten. Der Abstand Deutschlands zum führenden Südkorea ist mit 14 Prozentpunkten jedoch wie im Vorjahr deutlich. Das sind die Ergebnisse des „Monitoring-Report Deutschland Digital 2011“, der anlässlich des Sechsten Nationalen IT-Gipfels der Bundesregierung in München vorgestellt wurde.

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Die Unterschiede im eGovernment bei den Staaten der EU sind bedeutend
Die Unterschiede im eGovernment bei den Staaten der EU sind bedeutend
( Public Sector Parc in Halle 7 (Fotos: Gerald Viola) )

Deutlich schlechter fällt die Platzierung Deutschlands im eGovernment aus. Hier erreicht die Bundesrepublik nur Rang 10. Und auch hier wird die Spitzenposition von Südkorea gehalten. Deutschland erreicht im Vergleich der Benchmark-Länder laut Vereinten Nationen mit 83 Punkten den zehnten Platz. Die Differenz zu dem führenden Südkorea ist mit 17 Indexpunkten deutlich.

Auf Rang zwei liegen die USA mit 97 Punkten. Darauf folgen Großbritannien (93 Punkte) auf Platz drei die Niederlande (92 Punkte) auf Rang vier und Norwegen (91 Punkte) an fünfter Stelle. Dänemark erreicht mit 90 Punkten Rang sechs. Spanien schafft mit 86 Punkten den siebten Platz, knapp vor Frankreich und Schweden mit jeweils 85 Punkten auf Platz acht.

Dabei kommt die Studie zu folgendem positiven Zwischenergebnis: „Betrachtet man die Interaktion von Unternehmen (mehr als zehn Beschäftigte, ohne Bankensektor) mit Öffentlichen Verwaltungen über das Internet im europäischen Vergleich, so zeigt sich eine konstante Weiterentwicklung der Nutzung von eGovernment-Angeboten durch Unternehmen auf hohem Niveau.“

eGovernment-Leistungsvergleich in Europa

Finnland führt den europäischen Vergleich an. 96 Prozent der Unternehmen nutzen hier das Netz, um mit öffentlichen Stellen zu interagieren. Die Niederlande konnten sich deutlich um 13 Prozentpunkte verbessern und belegen den zweiten Platz mit einer Nutzungsrate von 95 Prozent.

Deutschland konnte sich 2010 um vier Prozentpunkte verbessern, liegt damit jedoch weiterhin unter dem EU15-Durchschnitt von 75 Prozent. Deutschland zieht aber mit Spanien und Großbritannien gleich. Alle Länder erzielen jeweils 67 Prozent Nutzungsrate.

In Norwegen ging die Interaktion von Unternehmen mit öffentlichen Stellen über das Internet um zwei Prozentpunkte auf 79 Prozent zurück.

Sechs Empfehlungen für den Weg zur Weltspitze

In einem mit hochkarätigen IKT-Experten besetzten Workshop wurden die Ergebnisse des TNS-Benchmarks diskutiert und Handlungsempfehlungen erarbeitet um Deutschland an die Weltspitze zu führen. Diese Empfehlungen richten sich an alle Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Einerseits geht es aus Sicht der Experten darum, die Standortchancen auszubauen:

  • Fokus auf vielversprechende branchenübergreifende Industriekonvergenzfelder: Die politische Unterstützung solle sich gleichermaßen auf alle Industriekonvergenzfelder eEnergy/Smart Grids, eMobility, Smart Building/Smart Home und eHealth erstrecken
  • Fokussierung von FuE auf strategische Wachstumsfelder: Die Experten empfehlen, die staatliche Förderung auf die branchenübergreifenden Wachstumsfelder Embedded Systems, Cloud Computing und IT-Sicherheit sowie auf die oben genannten Industriekonvergenzfelder zu fokussieren. Darüber hinaus sind Fördermaßnahmen zur Marktumsetzung von Innovationen zu initiieren. FuE sollte zudem steuerlich begünstigt werden, um den deutschen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen OECD-Mitgliedern abzubauen.
  • Nutzung der Chancen eines zügigen Ausbaus digitaler Infrastrukturen: Ziel des Netzausbaus muss ein Technologiemix sein. Der Ausbau des mobilen Breitbands ist zügig voranzutreiben, damit sich neue Anwendungen im Massenmarkt durchsetzen können. Für B2B-Anwendungen sind hohe Bandbreiten, Netzstabilität und Netzsicherheit zu gewährleisten. Die Breitbandstrategie des Bundes ist zügig umsetzen.

Beseitigung der Standortnachteile

Andererseits geht es laut Experten um die Beseitigung der wichtigsten Standortnachteile:

Qualifizierung und Qualifikation: Dem Fachkräftemangel ist durch qualifizierte Zuwanderung und verbesserte Ausbildung entschieden entgegen zu wirken. Laut Experten sind Investitionen in Bildung noch wichtiger als Investitionen in Netze. Die Ausgaben für Bildung seien bis 2015 auf sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen.

Zeitnahe Anpassung des digitalen Rechtsrahmens: Rechtsungleichheit im internationalen Wettbewerb und Rechtsunsicherheit vor allem bei Datenschutz und Urheberrecht bedeuten für Deutschland einen Standortnachteil. Hier sollte Chancengleichheit zwischen deutschen und ausländischen Anbietern geschaffen werden.

Internationalisierung des Mittelstands: Die kleinen und mittleren Unternehmen sollten auf ihrem Weg in die Internationalisierung von der Förderpolitik begleitet werden. So sei auch der Aufbau von mehr Global Playern und besseres Entrepreneurship am deutschen IKT-Standort möglich.

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