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BDBOS vergibt Entwicklung eines Kryptoreferenzsystems Deutschland erfindet den Digitalfunk neu

| Redakteur: Manfred Klein

Bekanntlich funkt die Polizei in Deutschland noch analog. Ein Merkmal, das sie in Europa nur noch mit den Kollegen in Albanien teilt. Doch bald sollen die deutschen Sicherheitsbehörden mit einem deutschen Verschlüsselungssystem kommunizieren, das im Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) entwickelt wurde. Ein entsprechender Auftrag an die Industrie wurde jetzt vergeben.

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Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble startete Mitte 2007 den Digitalfunk-Testbetrieb
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble startete Mitte 2007 den Digitalfunk-Testbetrieb
( Archiv: Vogel Business Media )

Kernstück des Auftrags ist die Entwicklung eines Kryptoreferenzsystems durch die Siemens Enterprise Communications für das geplante Digitalfunknetz für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Mit dem System soll die Interoperabilitäts- und Konformitätsprüfung der BOS-Endgeräte mit dem vom BSI entwickelten Verschlüsselungssystem durchgeführt werden. Nach Fertigstellung des Systems Ende dieses Jahres soll mit dessen Hilfe überprüft werden, ob die neuen Endgeräte die Anforderungen des BOS-Kryptosystems erfüllen und interoperabel zu anderen Hersteller sind.

Der Auftrag wirft aber auch Fragen bezüglich des Entwicklungstandes des Behördenfunks und der Sicherheit der geplanten Verschlüsselungstechnologien auf.

Auf Anfrage von eGovernment Computing erklärte die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) dazu: „Für einen funktionsfähigen Betrieb des Digitalfunk BOS ist es unerlässlich, dass sämtliche Endgeräte störungsfrei mit allen anderen Komponenten des Digitalfunk BOS zusammenwirken und bestimmte – von der BDBOS in Abstimmung mit den Bedarfsträgern definierte – Leistungsmerkmale erfüllen. Aus diesem Grund dürfen nur solche Endgeräte eingesetzt werden, die entsprechend technisch überprüft und von der BDBOS zertifiziert worden sind.“

Auch die Befürchtung, dass Deutschland wieder eine, zwar technisch führende, aber isolierte Lösung entwickeln könnte, teilt man beim BDBOS nicht: „Ein Leistungsmerkmal des Digitalfunk ist die Ende-zu-Ende Verschlüsselung. Mit dieser Lösung ist Deutschland international führend. Die Verschlüsselung erfolgt unter anderem durch eine Sicherheitskarte, die vom BSI zur Verfügung gestellt wird und von den verschiedenen Endgeräteherstellern adaptiert werden muss.“

Im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens werde nun geprüft, ob die Verarbeitung der Daten auf der Chipkarte in den verschiedenen Endgeräten konform zu den Spezifikationen des Kryptosystems erfolge.

Auch eine Verzögerung im Projektablauf sieht die Bundesanstalt nicht: „Die Bereitstellung eines Kryptoreferenzsystem wurde von Anfang an in den Einführungsplanungen berücksichtigt und ist Teil der Gesamtentwicklung des Ende-zu-Ende Sicherheitssystems. Es hat keinen zusätzlichen Einfluss auf die Kosten für die Einführung des Digitalfunks BOS.“ Der Zeitplan werde eingehalten, die ersten Netzabschnitte des BOS-Digitalfunknetzes im Herbst in Betrieb genommen. Auch sei mit dem Referenzsystem nicht die Gefahr verbunden, dass die verschiedenen europäischen Systeme nicht miteinander kommunzieren können, die grenzüberschreitende Kommunikation sei sichergestellt.

Und wie? Das BSI: „Der grenzüberschreitende Verkehr wird durch geeignete Maßnahmen sichergestellt.“

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