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Open Data? Amtliche Liegenschaftskataster für Werbungtreibende erschlossen Deutsche Post Direkt und Bezirksregierung Köln „verschneiden“ ihre Daten

Redakteur: Gerald Viola

Es ist die größte georeferenzierte Gebäudedatenbank Deutschlands: Die Deutsche Post Direkt und die Bezirksregierung Köln haben „die Verschneidung der postalischen Daten mit dem bundesweiten Referenzdatenbestand der amtlichen Hauskoordinaten der deutschen Vermessungsverwaltung“ vereinbart. Geld ist nicht geflossen. Die Datenschützer wurden nicht gefragt.

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Open Data oder PPP: zu jedem Gebäude exakte Geodaten für Post Direkt
Open Data oder PPP: zu jedem Gebäude exakte Geodaten für Post Direkt
( Archiv: Vogel Business Media )

Open Data der besonderen Art, denn jetzt hat die Deutsche Post Direkt exakte Geo- und Adressdaten für jedes Gebäude in Deutschland. Post Direkt sagt das so:

„Mithilfe der amtlichen Hauskoordinaten wird die Position von mehr als 20 Millionen Gebäuden in Deutschland präzise bestimmt und mit den korrekten postalischen Angaben verknüpft. Anders als durch Interpolation berechnete Daten zeichnen sich die von den Vermessungsverwaltungen erhobenen Hauskoordinaten durch hohe geometrische Lagegenauigkeit aus.

Quelle der Hauskoordinaten ist das Liegenschaftskataster der Länder, in dem alle Flurstücke und Gebäude in Deutschland geführt werden.

Die postalischen Daten stammen aus der Gebäudedatenbank der Deutschen Post, die alle bundesweit zustellrelevanten Gebäude umfasst.“

Drei Fragen zu Open Data und Datenschutz

Ist das ein Open-Data-Projekt? fragte eGovernment Computing die Deutsche Post Direkt. Antwort: „Nein.“

Ist Geld geflossen? „Nein.“

Und welcher Datenschützer hat das abgesegnet? „Die Natur der Datenbestände machte dies nicht erforderlich. Insofern findet auch das Bundesdatenschutzgesetz hier keine Anwendung“, antwortet Dirk Klasen, der Pressesprecher der Deutschen Post DHL.

Und Oliver Moritz, Pressesprecher der Bezirksregierung Köln, bekräftigt: „Weder die datenschutzrechtlichen Regelungen des Bundes noch die des Landes NRW machten ein solches Procedere notwendig.“

Post Direkt macht kein Geheimnis daraus, wie die amtlichen Daten künftig von ihr vermarktet werden: „Aufgrund der Kooperation bietet die Deutsche Post Direkt ab sofort zwei etablierte Produkte im Adressmanagement zusätzlich mit hausgenauen Geodaten an: Datafactory Geocode enthält Geokoordinaten auf Postleitzahl-, Straßen- und Gebäudeebene sowie die geocodierten Flächen der Postleitzahlgebiete in Deutschland.

Werbungtreibende können die Geodaten in ihre eigenen Applikationen integrieren, die Adressen ihrer Kundendatenbanken prüfen und in digitalen Karten raumbezogen darstellen. Damit werden beispielsweise Verkaufsgebiete und Marktpotenziale visualisiert, Standorte geplant und der Vertrieb gesteuert.

Mithilfe von Addressfactory verbessern Werbungtreibende die Qualität und Zustellbarkeit ihrer Kundendaten. Die Adressaktualisierung erfolgt auf Basis der Postreferenz-Datei von der Deutschen Post Direkt, die mehr als 190 Millionen aktuelle und ehemalige Privatadressen umfasst. Durch die Anreicherung der exakten Koordinaten auf Gebäudeebene können Kundenadressen jetzt noch präziser für die Vertriebsoptimierung, Routen- oder Standortplanung qualifiziert werden.“

Und noch ein Lob für die exakten Daten der Vermessungsämter: „Die hausgenaue Lokalisierung ist mittlerweile unverzichtbar,

  • im behördlichen Umfeld,
  • für Navigations- und Zustelldienste, Netzbetrieb und Standortplanung sowie
  • für die Zielgruppen-Findung werbungtreibender Unternehmen.

Immer wichtiger werden dabei die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Daten, denn Glaubwürdigkeit und Aussagekraft einer geobasierten Anwendung steigen mit ihrer Nähe zur Realität.“

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