Suchen

Microsoft und Amazon kommen zum Zug Deutsche Bahn wechselt in die Cloud

Autor: Julia Mutzbauer

Die Deutsche Bahn (DB) hat jetzt ihre komplette IT in die Cloud überführt und das eigene Rechenzentrum geschlossen. Damit beendet der Konzern eines seiner größten IT-Projekte zwei Jahre früher als geplant.

Firmen zum Thema

Durch den Wechsel in Cloud will die Deutsche Bahn die Geschwindigkeit der Digitalisierung weiter erhöhen und neue Kundenservices schneller umsetzen
Durch den Wechsel in Cloud will die Deutsche Bahn die Geschwindigkeit der Digitalisierung weiter erhöhen und neue Kundenservices schneller umsetzen
(© nokturnal – stock.adobe.com)

„Unsere IT ist jetzt vollständig in der Cloud. Damit sind wir europaweit Vorreiter und einer der ersten großen Konzerne, der konsequent auf die Cloud setzt. Diese Entscheidung hat sich in Zeiten von Corona als goldrichtig erwiesen“, so Christa Koenen, IT-Chefin der Deutschen Bahn (DB). Das konzerneigene Rechenzentrum wurde verkauft. Künftig nutzt die Deutschen Bahn die Rechenzentren von Microsoft und Amazon, die mit ihren Diensten Azure und AWS Speicherplatz und Rechenleistungen über das Internet bereitstellen.

Entscheidung für Cloud-Anbieter

„Wir haben uns damals nach intensiver Prüfung für Cloud-Anbieter entschieden, deren Lösungen zu unseren Anforderungen gepasst haben. Zum Zeitpunkt der Ausschreibung gab es zwischen den Anbietern aus den USA und den europäischen Wettbewerbern noch eine deutliche funktionale Lücke“, erklärt Koenen.

Nach Einschätzung der DB-Experten habe sich das bis heute noch nicht ausreichend geändert. „Wir beobachten den Markt weiter sehr intensiv, weil wir davon ausgehen, dass sich selbstverständlich der Markt in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird. Deshalb verfolgen wir die aktuellen Entwicklungen, etwa rund um GAIA-X, mit großem Interesse“, heißt es bei der DB.

Fokus auf Sicherheit und Datenschutz

Zum Thema Datensicherheit- und Schutz verlautet aus dem Konzern, dass die Daten datenschutzkonform verschlüsselt und ausschließlich auf europäischen Servern in Deutschland und den Niederlanden gespeichert werden. „Wir haben natürlich gleich zu Anfang des Projektes einen ganz besonderen Fokus auf Sicherheit und Datenschutz gelegt. Wir verschlüsseln alle Daten, und nur wir können sie entschlüsseln. Das heißt, nur wir haben Zugriff auf die Schlüssel und nicht die Cloud-Provider“, betont die Bahn-IT-Chefin.

„Unsere IT-Systeme funktionierten auch geräuschlos, als zehntausende Mitarbeitende gleichzeitig ins Homeoffice wechselten. Zudem konnten wir die IT vollständig remote betreiben. Mit physischen Rechenzentren wäre das nicht so einfach möglich gewesen“, fügt Koenen hinzu. Die rund 1.000 Mitarbeiter, die von der Schließung betroffen sind, arbeiten nach den Angaben der DB fast alle weiter als IT-Experten im Unternehmen.

„Wir haben versucht, den Neustart so einfach wie möglich zu machen. Unterstützt durch Schulungen, Coaching und Beratung haben sich die Mitarbeiter in die neuen Aufgaben eingearbeitet“, so die IT-Chefin weiter. Darüber hinaus profitiere die Deutsche Bahn auch als Arbeitgeber. Pro Jahr stellt der Konzern nach eigenen Angaben rund 1.000 IT- und Digitalexperten ein, Tendenz steigend.

Bereits 2016 hatte die Deutsche Bahn entschieden, die IT grundlegend neu zu strukturieren. Rund 450 Anwendungen wurden seitdem in die Cloud migriert. Der Vorteil liege vor allem in der größeren Flexibilität. In der Cloud könne ein virtueller Server einschließlich Rechenleistung, Speicher und Netzwerk in wenigen Minuten bereitgestellt werden.

Auch die höhere Stabilität und Ausfallsicherheit seien gerade in Krisen enorm wichtig. „Davon profitieren auch die Reisenden, weil die Systeme auch unter extremer Last verlässlich laufen, zum Beispiel die Fahrplanauskunft bei einem Sturm“, heißt es dazu. Ein stabiler IT-Betrieb sei die Voraussetzung für einen stabilen Bahnbetrieb. Künftig soll auch alles Neue direkt in der Cloud entstehen, etwa neue Services auf Basis künstlicher Intelligenz. Die DB will so die Geschwindigkeit der Digitalisierung weiter erhöhen und Innovationen und neue Kundenservices schneller umsetzen.

(ID:46959160)

Über den Autor

 Julia Mutzbauer

Julia Mutzbauer

Redaktion, eGovernment Computing