Bearingpoint-Studie

Der Weg zur agilen Behörde ist noch weit und beschwerlich

| Redakteur: Manfred Klein

Mythos agile Verwaltung?
Mythos agile Verwaltung? (Bild: mandarin457 - Fotolia.com)

Die deutschen Verwaltungen tun sich schwer mit der agilen Behörde. So jedenfalls das Ergebnis einer Studie der Management- und Technologieberatung Bearingpoint, für die rund 70 Institutionen der Öffentlichen Verwaltung in Deutschland befragt wurden. Demnach äußert nur ein kleiner Teil der Befragten agile Ansätze in der Verwaltung bereits zu registrieren.

Der Weg zur agilen Behörde ist insgesamt noch weit. Die Erfahrungen mit diesen agilen Initiativen zeigen darüber hinaus, dass neben kollaborativen und projektbezogenen Hürden besonders rechtliche Rahmenbedingungen den Prozesswandel erschweren. Mit der Forderung nach mehr ressortübergreifender Interaktionsunterstützung mithilfe von Kollaborationsplattformen stimmen die Erwartungen an die Verwaltungs-IT in weiten Teilen mit den identifizierten Umsetzungshemmnissen agiler Initiativen überein.

Aus Sicht der Befragten sind insbesondere Plattformen im Bereich Workflow Management, Kollaboration und Wissensmanagement- entscheidende Lösungsansätze für mehr Agilität in der Verwaltung; kurz: Digitalisierung vor „Agilisierung“.

Agilität ist kein Mythos

Unter Berücksichtigung der auf die Verwaltung angepassten agilen Maßstäbe zeigt die Studie mit bis zu 80 Prozent einen hohen Grad an Zustimmung der Teilnehmer bei der Frage nach der Relevanz von Agilität. Auffällig ist die stärkere Gewichtung der Relevanz auf der Arbeits- anstatt auf der Führungsebene. „Anscheinend erreicht der Druck, den die Arbeitsebene im täglichen Umgang mit der Umsetzung politischer Entscheidungen verspürt, die Führungsebenen nur in deutlich reduziertem Umfang. Dabei erkennen bereits 40 Prozent der Befragten agile Ansätze in der Verwaltung. Dies belegt, dass Agilität in diesem Sektor kein Mythos ist“, so Jon Abele, Partner bei BearingPoint.

Aus den Studien-Erkenntnissen ziehen die Autoren folgende Schlussfolgerungen:

  • Das „Dienst- und Tarifrecht“ sollte im Hinblick auf dessen Eignung und Anpassung zur Einrichtung agiler Arbeitsstrukturen überprüft werden
  • Die im Zuge des eGovernment-Gesetzes vom Normenkontrollrat geforderte ressortübergreifende Umsetzungsstrategie sollte weiterentwickelt werden
  • Eine Agilitätsstrategie zur Stärkung des Methodenverständnisses ist parallel und in Kombination mit der ressortübergreifenden Umsetzung zu entwickeln
  • Die Verwaltungs-IT sollte hinsichtlich Anpassungsfähigkeit und Kundenorientierung gestärkt werden.

Agilität rückt in den Fokus der Verwaltungsmodernisierung

Der Druck hin zu mehr Agilität steigt: Genau wie Wirtschaftsunternehmen stehen Behörden vor der Herausforderung, immer schneller auf veränderte Umwelt- und Rahmenbedingungen sowie auf zunehmend komplexere wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge reagieren zu müssen. Immer dringlicher werden daher Themen wie die schnelle Anpassung und Reaktion sowie der Umgang mit der Komplexität in der täglichen Arbeit.

Agilität rückt als ein denkbarer Ansatz zunehmend in den Fokus der Verwaltungsmodernisierung. Das ursprünglich aus dem IT-Teilgebiet der Softwareentwicklung stammende Vorgehen zeichnet sich durch den verringerten bürokratischen Aufwand, wenige, stringente Regeln und iteratives Vorgehen aus.

Weitere Informationen zur agilen Verwaltung.

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