Auf dem Weg zur digitalen Exzellenz

Der Vertrauensraum für eGovernment

| Autor: Manfred Klein

Viele der Teilnehmer aus dem vergangenen Jahr werden sich im November in der Hansestadt Bremen treffen, um die drängenden Fragen rund um eGovernment und Digitalisierung zu diskutieren
Viele der Teilnehmer aus dem vergangenen Jahr werden sich im November in der Hansestadt Bremen treffen, um die drängenden Fragen rund um eGovernment und Digitalisierung zu diskutieren (© Mara Zemgaliete - stock.adobe.com [M] Bernhard Manhard)

Die Herausforderungen der Digitalisierung werden immer drängender – nicht nur für die Verwaltungen, sondern auch für den Wirtschaftsraum Deutschland. Der eGovernment Summit diskutiert mit Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wie der Aufbruch zur Digitalen Exzellenz gelingen kann.

Soviel Aufbruch war schon lange nicht mehr im bundesrepublikanischen eGovernment. Nicht nur macht die OZG-Umsetzung weiter Fortschritte, nachdem der aktuelle EU-Benchmark für Deutschland Chancen bei der Umsetzung der eIDAS-Verordnung sieht (siehe dazu auch die Seiten 3 und 4), mehren sich die Stimmen, die sich für die Bundesrepublik wieder ein Stückchen Digitale Exzellenz erhoffen.

So erklärte der derzeitige Vorsitzende des IT-Planungsrates, der Bremer Staatsrat Henning Lühr, zur aktuellen Situation: „Ich begrüße die allerorts sichtbaren Anzeichen, die Herausforderungen des digitalen Wandels nunmehr ganzheitlich und mit zusätzlichen finanziellen wie personellen Ressourcen anzugehen. Bei meinen zahlreichen Reisen und Begegnungen, die meine aktuelle Funktion als Vorsitzender des IT-Planungsrats mit sich bringen, sind mir in den Amtsstuben und Behörden landauf landab viele interessante Projekte und zukunftsweisende Beispiele guter Modernisierungspraxis begegnet, die die digitale Aufbruchstimmung im gesamten öffentlichen Sektor nachdrücklich unter Beweis stellen.“

Lühr kritisierte aber auch den immer noch großen Abstand zu den europäischen Nachbarn. „Da hinken wir leider immer noch ein gutes Stück hinterher, wie auch aktuelle Studien immer noch zeigen,“ so Lühr weiter.

Der Fußballfan Lühr kleidete diesen Umstand in die Metapher, dass die deutsche Verwaltung noch lange nicht in der Champions League spiele. „Wir können mit unserem aktuellen ‚Tabellenplatz‘ im inner­europäischen Vergleich bestenfalls darauf hoffen, dank intensivem Techniktraining mehr Ballsicherheit zu gewinnen, neue Abläufe einzustudieren und damit auch taktisch noch variantenreicher zu werden. Letztlich müssen wir sogar eine völlig neue Spielkultur entwickeln. Und erst wenn uns dann noch die Königsdisziplin gelingt, die hohe Kunst des blinden Verständnisses im Zusammenspiel aller Mannschaftsteile, dann werden wir auch unser Publikum – die Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen – endlich vollends auf unserer Seite haben.“

Users first – Bürgernähe im eGovernment

Henning Lühr leitete daraus folgende Forderung ab: „Unser oberstes Prinzip muss lauten: Users first.“ Das bedeute, so Lühr weiter, zuallererst danach zu schauen, welche Erwartungen unsere Kunden an die zahlreichen Online-Services unserer vielfältigen Verwaltungslandschaft haben. „Technisch und strategisch sind wir zumeist schon recht gut aufgestellt, wenn man von einem Nachholbedarf im Bereich der Breitbandversorgung einmal absieht. Um auf dieser Basis aber wirklich nachhaltig erfolgreich sein zu können, braucht es eine gute Kultur der arbeitsteiligen Kooperation zwischen unseren Verwaltungen. Sonst ist eine Mammutaufgabe wie beispielsweise die OZG-Umsetzung kaum zu schaffen. Wir müssen unbedingt vermeiden, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Da hilft letztlich nur eine konsequente Nachnutzungsstrategie für Online-Services, die auf der Basis von Standards und interoperablen Schnittstellen sowie plattformbasierten Basisfunktionen wie Servicekonten, Bezahlfunktionen und elektronischen Postfächern von Wenigen für Viele entwickelt wurden.“ Dann – davon sei er überzeugt– schieße der Club „FC Digitales Deutschland“ endlich auch wieder vorne seine Tore.

Eine letztlich positive Einschätzung die auch der Kollege aus Baden-Württemberg, Landes-CIO Stefan Krebs, teilt. „Neben Gesetzen und Verordnungen, neben technischen und finanziellen Mitteln scheint mir vor allem wichtig zu sein, dass wir mit der richtigen Denkweise, mit der richtigen Einstellung an die Digitalisierung herangehen. Mit Optimismus, mit Mut, mit der notwendigen Gelassenheit, wenn auch mal auf Anhieb nicht gleich alles klappt und Fehler passieren. Das gehört dazu. Manchmal sind eben 80 Prozent schnell sehr viel besser als 100 Prozent irgendwann“, so seine Ansicht.

Thomas Popp, Amtschef der Sächsischen Staatskanzlei und Beauftragter für Informationstechnologie (CIO) des Freistaates Sachsen, stimmte dem zu und ergänzte: „Die Digitalisierung wird zunehmend als das erkannt, was sie ist: Eine alles durchdringende, vieles hinterfragende und manches umstürzende Veränderung. Die Geschwindigkeit, die Breite und die Tiefe der damit einhergehenden Veränderungen überfordern das klassische Denken in linearen Zusammenhängen und langfristig geplanten Entwicklungen. Man muss sich wohl auch von der Erwartung verabschieden, zu einem gewissen Zeitpunkt alles Mögliche getan und den Status einer ‚Digitalen Exzellenz‘ erreicht zu haben.“

Mit der Digitalisierung sei es wie mit dem Schwimmen gegen den Strom: Wer mit der Vorwärtsbewegung aufhöre, so Popp, der treibe automatisch zurück. Jeder, der Verantwortung trage – egal in welchem Bereich und wie umfangreich – müsse sich dies vergegenwärtigen.

Der Kollege aus Thüringen, Staatssekretär und Landes-CIO Dr. Hartmut Schubert, verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Bedeutung der Faktoren Leadership, Kommunikation und Change Management. Schubert erklärte: „Digital kompetente Mitarbeiter, digitale Geschäftsmodelle und Kollaboration, Automatisierung, IT-Sicherheit und Effizienzgewinne sind zweitrangige Ziele. Denn Digitale Exzellenz muss sich daran messen lassen, wie sehr die Menschen davon profitieren. Über dem wirtschaftlichen Erfolg und dem messbaren Effizienzgewinn muss der Mensch stehen, sei es der Nutzer als Bürger oder als Mitarbeiterin im Unternehmen oder der Verwaltung.“

„Damit sind eigene IT-Fachkräfte gemeint, aber auch die Zusammenarbeit mit IT-Experten aus der freien Wirtschaft, die von den eigenen Mitarbeitern begleitet und gesteuert werden. Unbeschadet der Bearbeitung technischer Einzelfragen scheint die größte Herausforderung, wie Wissen, Haltung und Motivation zur Digitalisierung im öffentlichen Dienst verbreitet und aufrechterhalten werden können“, so Hartmut Schubert weiter.

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