„TR RESISCAN“

Der Teufel steckt wie immer im Detail

| Autor / Redakteur: Ulrich Gerke / Susanne Ehneß

Damit werden gegebenenfalls für nur 10 bis 20 Prozent Vergleiche mit dem Original vorgenommen. Weiterhin ist vielleicht das Original durch den normalen Bearbeitungsprozess zum Beispiel beim späten Scannen gegebenenfalls bereits nicht mehr das physische Original, welches der Absender vor einigen Tagen in ein Kuvert gesteckt hat.

Ja, die Definition ist richtig („Unter ‚Authentizität‘ von Daten versteht man, dass die Quelle der Daten eindeutig bestimmbar ist“), aber beim ersetzenden Scannen ist genau diese nicht gegeben, da das Digitalisat eben nicht von der Person hergestellt wird, mit deren Signaturkarte signiert wird. Hier wird nur eine Übereinstimmungsbehauptung signiert.

Mit Authentizität des originalen Dokumenterstellers (Absenders des gescannten Papierdokumentes) hat dies NICHTS zu tun. Und daher ist die Signatur eben nicht geeignet, diesen Mangel zu heilen. Also braucht man sie auch nicht, da sie nicht schützt (wie jedes bessere DMS), sondern eine Abweichung vom signierten Original durch Vergleich der Hashwerte nur prüfbar macht.

Mit anderen Worten: Durch die Resiscan wird sich kein Richter die freie Beweiswürdigung nehmen lassen. Eine Signatur hätte erst dann eine höhere Beweisqualität, wenn der Absender selbst qualifiziert signiert und genau für solche individuellen Willenserklärungen ist die qualifizierte elektronische Signatur eigentlich geschaffen worden.

Daher ist die Definition in der TR Resiscan so nicht plausibel. Über eine Signatur des Scanpersonals lässt sich nicht die Quelle des Dokumentes, also der Originaldaten, bestimmen.

Somit ist ein Resiscan-Prozess für das Thema „rechtliche Belastbarkeit einer digitalen Kopie“ genauso schlecht oder genauso gut wie jeder ordnungsgemäße Erfassungs- (oder Verfilmungs-)prozess der letzten fünfundzwanzig Jahre.

Wirklich auf dem Stand der Technik?

Was dem Leser oder Anwender ohne sehr aufmerksames Studium der TR Resiscan und all seiner mitgeltenden Anlagen vielleicht als Konsequenz nicht sofort auffällt: Dokumente der Schutzklasse „Hoch“ können auch nicht mehr an beliebigen Scan-Stationen, Multifunktionsgeräten, per Eingangsfax (ein nach wie vor sehr häufiger Zugangsweg) oder über neue Erfassungsgeräte wie Smartphones oder Tablets digitalisiert werden.

Grund dafür: Diese Gerätegattungen können eine Fülle an Muss- oder Soll-Anforderungen gar nicht erfüllen, wie beispielsweise keine Zugangskontrollen, keine prüfbaren Scan-Caches, keine verschlüsselbaren internen Kommunikationswege et cetera. Der Prüfer, der einem eigentlich normalen Erfassungsprozess ein Resiscan-Zertifikat erteilen möchte, muss hier eigentlich gegen die Intention der TR zertifizieren.

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posted am 25.07.2018 um 10:19 von Unregistriert


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