Redaktionsbeirat I

Der Staat ist für die Industrie Teil des Alltags, kein Partner

| Redakteur: Manfred Klein

Die Beiräte Dirk Arendt, Dr. Stephan Klein, Jochen Baier, Willi Kaczorowski, Holger Wosnitza und als Gast Dr. August Ortmeyer vom Deutschen Industrie - und Handelskammertag (v. l.)
Die Beiräte Dirk Arendt, Dr. Stephan Klein, Jochen Baier, Willi Kaczorowski, Holger Wosnitza und als Gast Dr. August Ortmeyer vom Deutschen Industrie - und Handelskammertag (v. l.) (Foto: mk)

Seit den ersten Tagen von eGovernment träumen die Macher davon, die Prozesse zwischen Wirtschaft und Verwaltung via Internet zu verschlanken. Bislang haben sich die Träume nicht erfüllt. Bis auf wenige Vorzeigeprojekte liefern Industrie und Handwerk ihre Daten wie eh und je bei der Verwaltung ab. Hier der erste Teil der Dikussion.

Und nicht selten beklagen die Verantwortlichen in den Verwaltungen, die Industrie zeige sich an eGovernment – trotz der enormen Einsparungen, die eine vollständige elektronische Abwicklung des notwendigen Datenverkehrs mit sich brächte – kaum interessiert. In seiner aktuellen Sitzung diskutierte der Redaktionsbeirat der eGovernment Computing das Thema und suchte nach Wegen aus dem Dilemma.

Dazu hatte der Redaktionsbeirat mit Dr. August Ortmeyer einen Spezialisten vom Deutschen Indus­trie- und Handelskammertag als Diskussionspartner eingeladen.

Allerdings bestätigte August Ortmeyer erst einmal die schon beschriebene Haltung der Industrie: „Wir als Kammerorganisation sehen uns zwar an der Schnittstelle zur Wirtschaft und würden keine konkrete Ergebnisse zur Entwicklung von eGovernment liefern, allerdings gibt es für Unternehmen als Nutzer von eGovernment-Diensten eigentlich keinen Druck zu reagieren.“

Er sehe deshalb keinen Grund zu der Annahme, dass die Unternehmen demnächst in dem Sinne Forderungen an den Staat richten werden: Wir brauchen diese und jene Schnittstelle zwischen unseren Prozessen, um das auch elektronisch abwickeln zu können.

Tut die Politik zu wenig für eGovernment?

Dazu Ortmeyer: „Denn der Staat ist für die meisten Unternehmen zwar Teil des Alltags – aber auch nicht mehr.“ Natürlich wünschten sich die Unternehmen – wo es Kontakte zum Staat und zur Verwaltung gebe, zum Beispiel, wenn Genehmigungen eingeholt werden müssen – prozessuale Erleichterungen. Aber es sei nicht feststellbar, dass seitens der Unternehmen in diesem Bereich großer Druck ausgeübt würde.

Zu den Ursachen befragt, machte August Ortmeyer ein Kommunika­tionsproblem zwischen Verwaltung und Industrie aus: „Ich glaube, die Verantwortlichen in der Industrie verstehen zum einen nicht richtig, wie Verwaltung funktioniert, und zum anderen verstehen sie auch nicht, warum es beim Staat nicht so richtig voran geht.“

Industrie und Wirtschaft warteten gewissermaßen auf Lösungen vonseiten des Staates, soweit sie sich für das Thema eGovernment überhaupt interessierten. Die Wirtschaft befasse sich eher mit ihren eigenen Prozessen und denen ihrer Kunden und sehe zu, dass sie dort die Schnittstellen optimiere.

Ortmeyers ernüchternde Bilanz: „Wenn man die Unternehmen fragen würden, was der Staat demnächst an entsprechenden elektronischen Diensten anbieten und umsetzen soll, dann bekäme man vermutlich nicht viele Antworten.“

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Herzlichen Dank für den Hinweis und verzeihen Sie den Lapsus  lesen
posted am 17.06.2013 um 14:21 von mk

Es gibt keine Deutsche Indus­trie- und Handelskammer, das sollte einem eGovernment Magazin...  lesen
posted am 14.06.2013 um 12:31 von Unregistriert


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